Nvidia: GeForce Experience 3.0 überwacht seine Nutzer

GeForce Experience überwacht fortan seine Nutzer

Bislang war ich mit der Anwendung GeForce Experience eigentlich recht zufrieden. Ich wurde so immer über Treiberupdates meiner Nvidia Grafikkarte benachrichtigt und konnte problemfrei aktualisieren. Doch seit dem jüngsten Update von GeForce Experience ist das alles anders. Es fing schon gut an, als ich die Software aktualisieren sollte. Es klappte nicht und führte zu einer Deinstallation. Also musste ich es manuell herunterladen und erneut installieren.

Ich soll mich bei Nvidia registrieren?

Neben einer neuen Oberfläche, Performanceverbesserungen und der neuen Share-Oberfläche (vorher Shadowplay), um die schönsten Spielerlebnisse leichter mit anderen teilen zu können, ist nun eine Benutzeranmeldung Pflicht. Darauf bin ich nur per Zufall gestoßen, da dazu nach der Installation kein Hinweis kam. Ich staunte nicht schlecht, als ich GeForce Experience das erste Mal startete. Mir wurden folgende Vorteile aufgezeigt:

  • Erhalten Sie Zugang zu Gratispreisen und tollen Geschenken
  • Speichern Sie Ihre Einstellungen
  • Koppeln Sie Ihren PC einfach mit SHIELD-Geräten

Was interessieren mich Gratispreise und tolle Geschenke, die Kopplung mit SHIELD-Geräten, wenn ich einfach nur meinen Grafikkartentreiber aktuell halten möchte? Richtig, gar nicht. Interessant ist aber, wo die Einstellungen gespeichert und welche Daten überhaupt online erfasst werden.

Nvidia, wir müssen über den Datenschutz reden!

Die Nutzungsbedingungen (zu letzt 2014! aktualisiert) finden sich schließlich beim Erstellen eines neuen Accounts. Der Link zu den Datenschutzrichtlinien ist im Text vergraben und lies sich bei mir nicht öffnen. So musste ich die Richtlinien auf der deutschen Nvidia-Webseite suchen. Da steht dann auch, was gesammelt wird. Ich habe mir das Mal genauer angeschaut und den Wust auseinandergenommen.

Wenn Sie unsere Dienste in Anspruch nehmen, können wir „personenbezogene Daten“ erfassen. Darunter sind jegliche Daten zu verstehen, durch die eine bestimmte Person identifiziert werden kann, sei es als herkömmliche Bezeichnungen wie Name, Anschrift, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer oder nicht herkömmliche Bezeichnungen wie eindeutige Gerätekennungen oder IP-Adressen.

Der Abschnitt geht noch weiter.

[…] Ihre benutzerdefinierten Einstellungen zu Ihren Geräten (z. B. die Angaben zu Ihrem Standort) oder Ihrem Browser oder aber von Dritten wie sozialen Netzwerken (z. B. die Daten aus Ihrem öffentlichen Profil) oder aber durch die Nutzung unserer Dienste (z. B. die von Ihnen besuchten Seiten) […]

Sämtliche Hervorhebungen habe ich hinzugefügt, damit man besser sieht, was Nvidia alles erfasst und verwendet. Angeblich erhält Nvidia die meisten personenbezogenen Daten von den Benutzern selbst. Daneben werden aber auch zahlreiche Daten automatisch erfasst, wie etwa IP-Adresse, den Browsertyp, den Gerätetyp, die Gerätenummer, die Geokoordinaten, die URLs (Uniform Resource Locators) und das Betriebssystem des Benutzers. Wäre das noch nicht genug, wird obendrein auch erfasst, wann welche Nvidia-Dienste genutzt wurden und für welche Nvidia-Produkte man sich interessiert. Zu guter Letzt, kann Nvidia zusätzlich Daten von Dritten erhalten, wie etwa von Tracking-Diensten, sozialen Netzwerken und Co.

Was passiert mit unseren Daten?

Nvidia beteuert, dass sie keine personenbezogenen Daten an Dritte verkaufen, allerdings durchaus mit ihren Geschäftspartnern, Wiederverkäufern, Vertriebspartnern, Dienstleistern, Consulting-Partnern oder anderen Personen, um Ihren unsere Dienste anbieten zu können, teilen. Super, dann sind die Daten ja wirklich sicher. Wir dürfen selbst über unsere personenbezogenen Daten entscheiden. Das sieht dann so aus: Mitteilungen von Nvidia verwalten (Newsletter etc.) und um das Tracking zu unterbinden, soll man seinen Browser richtig einstellen.

Außerdem erlaubt Nvidia externen Online-Werbenetzwerken und sozialen Netzwerken das eigenständige Sammeln von Daten auf seiner Webseite. Prima, ich fühle mich wie zu Hause. Noch besser finde ich jedoch folgenden Abschnitt:

12. Ihre Zustimmung

Durch den Besuch auf der vorliegenden Website stimmen Sie den Bestimmungen unserer Online-Datenschutzrichtlinie zu und erklären sich damit einverstanden, dass NVIDIA Ihre personenbezogenen Daten zu den hier aufgeführten Zwecken erfasst und verwendet. […]

Diese Webseite bekommt der Nutzer wohl eher selten zu sehen. Im Grunde ist damit jegliche Datenerhebung durch Nvidia und Dritte untersagt, da der Nutzer keine Kenntnis davon hat. Doch halt, bei der Erstellung des Nvidia-Accounts über GeForce Experience stimmt man den Richtlinien indirekt über die Nutzungsbedingungen zu. Genial gemacht, dass muss ich Nvidia mal lassen.

Darum interessiert sich Nvidia für unsere Daten

Warum das Ganze? Dazu schreibt Nvidia selbst: Wir nutzen diese Technologie und die Kennungen, um Ihre Interaktionen mit unseren Diensten besser zu verstehen und Die Erfassung von Daten wie dem Gerätetyp ermöglicht außerdem die Optimierung der systembezogenen Einstellungen aus der Ferne. Das finde ich wiederum mehr als gruselig. Der dritte Punkt in den Datenschutzrichtlinien liefert dann noch eine ausführlichere Antwort, wenn man sich diese antun mag.

Nvidia Datenschutzrichtlinien: 3. Warum werden personenbezogene Daten erfasst?
NVIDIA Datenschutzrichtlinien: 3. Warum werden personenbezogene Daten erfasst?

Was nach der Anmeldung passierte

Nach erfolgreicher Anmeldung scannte GeForce Experience erst mal ungefragt sämtliche Festplatten nach Spielen durch, um diese zu optimieren. Danke, so hab ich’s gern [Ironie aus]. Ob die Spieleliste online gespeichert wird, beantworten die Datenschutzrichtlinien nicht. Was aber mal sicher ist, Nvidia erfasst fortan jede Bewegung und Nutzung seiner Software. Jetzt könnte man mutmaßen, dass das vorher auch schon der Fall war. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Informationen nicht direkt mit einem Namen verknüpft werden konnten.

Nvidia sammelt eindeutig mehr personenbezogene und gerätespezifische Informationen als tatsächlich nötig wäre. Für die Share-Funktion mag ein Account ja sinnvoll sein, aber ganz gewiss nicht für die Aktualisierung des Grafikkartentreibers. Daher wirkt es auf mich so, als möchte Nvidia generell ganz bewusst mehr Daten über uns sammeln wollen. Anders kann ich es mir fast schon nicht mehr erklären.

Konsequenz: Deinstallation als einzige Lösung

Ich habe GeForce Experience daraufhin ganz schnell wieder von meinem Computer entfernt. So eine Überwachungsanwendung brauche ich nicht! Den Grafikkartentreiber kann ich genauso über die Nvidia-Webseite erhalten oder über den Geräte-Manager aktualisieren. Damit geht mir zwar ein bisschen Komfort verloren, allerdings schütze ich damit meine Privatsphäre wiederum besser.

Daher kann ich nur jedem Nutzer von GeForce Experience 3.0 dazu raten, die Software schleunigst zu deinstallieren. Der Mehrwert ist in meinen Augen viel mehr für Nvidia sichtbar. Als Anwender zahlt man dafür einen verdammt hohen Preis. Die Experience ist einfach nur noch mies!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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