AdBlock Plus: Die #rpTEN muss selbst in den Spiegel blicken

Gestern habe ich auf BASIC thinking meinen Nachbericht über die rpTEN veröffentlicht. Vier tolle Tage, gefüllt mit lauter schönen Erinnerungen. Ich habe die Konferenz nochmal Revue passieren lassen. Welche Talks waren meine absoluten Highlights? Wie war das Hostel und was habe ich erlebt? Doch abseits von diesen paar schönen Tagen, hat sich die re:publica einen mehr oder weniger fetten Skandal auf den Buckel geladen. Ausgerechnet auf der re:publica wird eine Kooperation zwischen AdBlock Plus und Flattr angekündigt.

Flattr Plus (Quelle: re:publica, Liz. CC BY 2.0)
Flattr Plus (Quelle: re:publica, Liz. CC BY 2.0)

Eyeo GmbH ist einer der re:publica-Partner

Die Kölner Eyeo GmbH, die den Werbeblocker AdBlock Plus vertreibt, steht bereits seit Jahren in der Kritik. Blogger Sascha Pallenberg hat diese Machenschaften seit 2013 aufgedeckt — wenn auch nicht unbedingt immer sachlich. Hinter Adblock Plus steht im Grunde ein riesengroßes Werbenetzwerk. Denn der Adblocker blockt eben nicht nur Werbung, sondern lässt auch akzeptierte Werbung zu. Was okay ist und was nicht, entscheidet die Eyeo GmbH anhand des Kontostandes der Werbetreibenden. Gerade kleine Blogger leiden unter diesem Geschäftsmodell und die Großen gewinnen — Microsoft, Google, etc.

Zufälligerweise sind die beiden Techriesen ebenfalls Partner der re:publica. Deshalb ist es richtig Mist, dass ausgerechnet die Eyeo GmbH einer der re:publica-Partner ist und auf gleich drei Panels sprechen konnte. Um den Flattr-Deal bekanntzugeben wurde ausgerechnet Peter Sunde eingeladen. Als Gründer von Flattr und The Pirate Bay sollten seine Ideale allerdings für ein freiheitliches Internet stehen und nicht für die Geißellung der Blogosphäre.


re:publica 2016 – I’m better than ads – helping journalists make money online

Zumindest wurde auf der re:publica-Webseite dieses Panel entsprechend gekennzeichnet. Ob rückwirkend oder bereits im Vorfeld kann ich nicht nachweisen.

Wie die Eyeo GmbH die rpTEN unterwanderte

Wäre das alles noch nicht schlimm genug, fand sich im diesjährigen rpTEN-Beutel ein Pixi-Heft, sponsored by Eyeo GmbH. Komm, wir erklären dir mal das Ding mit der Internet-Werbung. Klasse, da freuen sich digital aufgeschlossene Eltern sicher riesig drüber. Wie konnte es AdBlock Plus eigentlich gelingen, sich bei der re:publica einzukaufen? Sascha Pallenberg hat dazu ein paar Nachforschungen angestellt. Johnny Haeusler hat sich der Kritik bereits angenommen und eine Stellungnahme veröffentlicht. Auf Facebook und Twitter streiten sich die Drei, also Johnny Haeusler, Markus Beckedahl und Sascha Pallenberg, weiter über diese Problematik.

Schauen wir mal, wie es weitergeht. Das letzte Wort dürfte da wohl noch nicht gesprochen sein. Ich hoffe nur, dass solche Skandale der re:publica künftig erspart bleiben und sich die re:publica die richtigen Partner sucht. Denn wirklich begeistert bin ich davon nicht gerade. Mal davon abgesehen, dass jegliche Kennzeichnung der Panels vor Ort fehlte. Wo Werbung drin ist, muss es auch dranstehen. Insofern stimme ich mit Sascha Pallenberg überein.

Ich habe AdBlock Plus schon vor Jahren die Freundschaft gekündigt und nutze mittlerweile µBlock.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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