Verschlüsseln ist schwer? Denkste, geht kinderleicht!

Vorratsdatenspeicherung, Geheimdienstaffäre oder NSA-Untersuchungsausschuss — könnt ihr sicher auch nicht mehr hören. Jeden Tag kommen neue schmutzige Geheimnisse ans Licht. Bundeskanzlerin Angela Merkel formt ihre Hände zur Merkel-Raute und sagt: Nach bestem Wissen und Gewissen habe ich davon nichts gewusst. So in etwa geht es mir momentan mit diesem Themenkomplex. Ich nehme das alles aber ganz anders wahr, als die Masse der Bürger.

Antonis Samaras - Angela Merkel (2012) (Quelle: primeministergr, Liz. CC BY-SA 2.0)
Antonis Samaras - Angela Merkel (2012) (Quelle: primeministergr, Liz. CC BY-SA 2.0)

Daher langweile ich heute keinen mit noch mehr Spionageskandal-News. Ihr müsst euch nur eines bewusst machen: Der Schutz eurer Privatsphäre ist wichtig. Außer ihr wollt, dass der BND beispielsweise bald weiß, welche Pornoseiten ihr so besucht habt? Oder mit anderen Worten:

Arguing that you don‘t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don‘t care about free speech because you have nothing to say.

Von Verschlüsselung und so habt ihr sicher schon mal gehört. Das klingt ja alles total kompliziert. Und erst dieses VPN. Da muss man sich ja Stunden mit beschäftigen. PGP, vielleicht auch schon mal gehört, aber boah — megakomplex, wa? Sichere Kennwörter sind wirklich schwer zu merken. Deshalb lieber was Simples nehmen, merkt sich leichter. Aber, hey ich hab da ‘ne gute Nachricht für alle Verschlüsselungsmuffel. Das geht echt easy. Glaubt ihr mir nicht? Stimmt aber, lest einfach weiter.

E-Mail-Verschlüsselung like a PGP-Pro

Im Februar habe ich hier auf meinem Blog eine supersimple Anleitung für eine E-Mail-Verschlüsselung via PGP veröffentlicht. Dazu ist lediglich ein Browserplugin für Firefox oder Chrome nötig und es wird praktisch jeder Mail-Anbieter unterstützt. Die Einrichtung ist in ein paar Minuten erledigt. Ihr müsst eure Freunde, Familie und Bekannte nur noch zum Mitmachen animieren. Ist euch das noch zu aufwendig? Mail-Anbieter wie etwa Posteo oder Mailbox.org bieten für einen Euro im Monat gleich alles als fertige Lösung. Schwer ist daran nur noch sich selbst zu überwinden.

VPN in unter 5 Minuten installieren und sicherer lossurfen

Ein VPN, also eine sichere Verbindung ins Internet, erfordert keinen Abschluss in Informatik oder eine Hackerlaufbahn. Das kann jeder, selbst mit minimalen PC-Kenntnissen. Beispielsweise ZenMate bietet gegen eine monatliche Gebühr gleich einen vollwertigen VPN-Client für Mac OS X, Linux und Windows. Mobile Betriebssysteme gehen ebenfalls nicht leer aus. Die Software wird auf dem Endgerät installiert und danach müsst ihr euch lediglich anmelden. Nur noch das VPN aktivieren, anschließend könnt ihr sicherer surfen. Klar, einen vollständigen Schutz vor Überwachung kann es nicht geben. Aber mit jeder Schutzmaßnahme erschwert ihr es Geheimdiensten oder anderen dubiosen Menschen, euch im Web zu verfolgen.

hide.me — VPN kann so einfach sein
hide.me — VPN kann so einfach sein

Wer lieber auf kostenlose Angebote setzen mag, findet etwa in Diensten wie CyberGhost oder hide.me nutzbare Alternativen. Aber für ein VPN sollte man lieber etwas bezahlen. Ansonsten hat man damit mehr Ärger als Surfgenuss.

KeePass die simple Passwort-Gedächtnisstütze

Sichere Kennwörter sind ebenfalls kein Hexenwerk. KeePass bietet zum Beispiel eine prima Möglichkeit sich sichere Passwörter generieren zu lassen. Am Ende müsst ihr euch genau ein Kennwort merken und KeePass erledigt den Rest. Aber Passworte reichen heute für einen guten Login-Schutz leider nicht mehr aus. Daher bieten bekannte Webdienste, wie Google, Microsoft, Twitter, Facebook oder Dropbox eine Zwei-Faktor-Authentifizierung an. Diese solltet ihr in jedem Falle nutzen. Die Umsetzung gelingt in der Regel auch ganz einfach.

Meist erhaltet ihr via Smartphone oder per Mail bei jedem Login einen generierten Code. Nur mit diesem und in Kombination mit eurem Passwort könnt ihr euch erfolgreich anmelden.

Sagt der Faulheit den Kampf an und schützt euch!

Mit diesen kleinen Maßnahmen bewegt ihr euch schon deutlich sicherer im Netz und entzieht euch damit ein Stück weit der Geheimdienstkontrolle. Es gibt natürlich noch viele weitere Möglichkeiten die eigene Privatsphäre im Web abzusichern. Ich muss aber auch gestehen, dass einige Softwarelösungen hinsichtlich ihrer Handhabung für unerfahrene Nutzer teilweise umständlich und noch nicht ganz optimal gestaltet sind. Trotzdem existieren wiederum simple Tools, die PGP, VPN oder starke Passwörter auf einfachem Wege ermöglichen. Am Ende ist unser innerer Schweinehund schuld. Den gilt es, zu überwinden. Also legt los, schwer ist es nicht.


Alexander Lehmann — Wir Lieben Überwachung


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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