Bloggen bringt einen manchmal auch in Lebensgefahr

Hierzulande haben wir Blogger ein tolles Leben. Je bekannter wir sind, umso größer ist unser “Fame”. Schaut euch mal den Caschy oder Sascha Pallenberg an. Die beiden sind im Netz so bekannt, wie dass es an der Pommesbude Majo und Ketchup gibt. Man kennt sie einfach und eine Filterbubble ohne die beiden wäre irgendwie öde. Aber nicht überall ist Bloggen nur auf glamourösen Erfolg ausgelegt. In so manchem Land wird Bloggen als das Recht auf freie Meinungsäußerung verstanden. Es ist eine der wenigen begrenzten Möglichkeiten gegen die Probleme und Machenschaften eines Regimes öffentlich vorzugehen. Sonst schaut womöglich keiner hin.


Ai Weiwei: Life is in danger every day

In diesem Sinne ist es wortwörtlich blutiger Ernst. Denn wirst du erwischt, droht dir im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Solche Fälle gab es zahlreich in der Vergangenheit. Regimefeindliche Stimmen werden oft von den betroffenen Regierungen totgeschlagen. Man denke nur mal an Ai Weiwei. In Saudi-Arabien kämpft der Blogger Raif Badawi um sein Leben und seine Freiheit. Wegen dem Abfall vom Islam wurde er zu 1000 Peitschenhieben, 10 Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 210.000 Euro verurteilt. Er sieht alle Menschen als gleichwertig an, was per Gesetz seit 2014 allerdings verboten ist. Die ersten 50 Peitschenhiebe bekam er Anfang des Jahres.

Raif Badawi (Quelle: PEN International, Liz. CC BY-SA 3.0)
Raif Badawi (Quelle: PEN International, Liz. CC BY-SA 3.0)

Diese setzten ihm erheblich zu. Immerhin sorgte das dafür, dass die Welt mit einem halb offenen Auge auf die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien schaut. Kurzzeitig soll die weitere Auspeitschung gestoppt worden sein. Doch nun wird sein Fall neu verhandelt. Jetzt könnte ihm sogar die Todesstrafe drohen. Der Richter ist der selbe, der ihn schon zweimal anklagen wollte. Da kann man zu Recht von Befangenheit sprechen. Sigmar Gabriel besucht am heuten Samstag Saudi-Arabien. Amnesty International hat ihm eine lange Liste mitgegeben. Er solle sich für Badawi starkmachen und nicht einfach wegschauen.

Saudi-Arabien ächtet Menschen, welche vom Glauben abgefallen sind und versucht sie mit allen Mitteln diesem wieder zu unterwerfen. Das sind Praktiken, die wir aus dem Mittelalter kennen. Das Recht auf freien Glauben gibt es im arabischen Raum nicht. Alleine schon aus solchen Gründen verärgert es mich, dass wir immer noch über die WM in Katar reden und mit den Vereinigten Arabischen Emiraten Geschäftsbeziehungen pflegen. Ist es unser Problem, wenn in Saudi-Arabien oder anderswo Menschen wie Viehzeug abgeschlachtet werden oder ihnen der Mund zugetackert wird? Ja, weil wir durch unsere Geschäfte diese Methoden fördern.

Ich kann nur hoffen dass man sich für Raif Badawi stark macht. Er verdient von jedem von uns vollste Anerkennung und Unterstützung. Er ist ein Blogger, er hat eine Meinung, er verteidigt Menschenrechte und er könnte dafür sterben. Das müssen wir um jeden Preis stoppen.

Update 07.03.2015 — 22:54: Wie heise Online berichtet will sich Sigmar Gabriel für Raif Badawi in Riad einsetzen. Schauen wir mal, ob er zu seinem Wort steht und was er erreichen kann.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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