Wieso brauche ich für alles eine App? Das nervt!

Mir ging es erst vorgestern Abend wieder so. Ich wollte vor dem zu Bett gehen noch mein Hörbuch weiterhören. Also flux das Smartphone geschnappt und in der Musik-App auf Play gedrückt und noch einen Sleeptimer eingestellt. Also perfekt zum Entspannen. Am nächsten Morgen dann das Smartphone hastig geschnappt, die Kopfhörer angesteckt und anstelle von Musik erklang eine Erzählstimme. Hoppla, das war so aber nicht gedacht. In diesem Moment wurde mir erneut bewusst, wie verkorkst unsere App-Landschaft in Wirklichkeit ist. Entweder hast du für alles eine App oder es gibt für dein Nutzungsverhalten keine gescheite Lösung. In meinem Fall wollte ich lediglich abends ein Hörbuch hören und am nächsten Morgen mit Musik an der gleichen Stelle einsteigen. Pustekuchen, dann hätte ich genau wissen müssen, was ich gestern vor dem Hörbuch zuletzt gehört habe und bei welcher Minute ich stehen geblieben bin.

Apps ohne Ende (Quelle: Microsiervos Geek Crew, Liz. CC BY 2.0)

Das gleiche Spiel dann analog zum Hörbuch. Diese Situation brachte mich auf eine Idee. Aber werfen wir zuvor einen kurzen Blick auf den gegenwärtigen Zustand. Derzeit setzten Apps auf ein bestehendes mobiles Betriebssystem auf. Jede Anwendung will dem Nutzer das einmalige Nutzungserlebnis bieten. Deshalb tummeln sich in den Stores auch so viele verschiedene Musik Player, Kalender, To-do-Apps etc. Jedes dieser Tools will zur Nummer Eins werden. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Genau darin liegt meiner Meinung nach ein Fehler. Nutzer sind von der App-Vielfalt schlichtweg überfordert. Welche Kalender-App soll ich nehmen? Womit kann ich meine Aufgaben am besten organisieren? Welcher Mail-App ist perfekt für mich? Zu viele Fragen, als dass sich der normale Anwender damit wirklich beschäftigt. Meist nimmt er, was bereits vorhanden ist.

Wir brauchen ein neues App-Konzept

Deshalb braucht es ein simpleres Konzept. Ich stelle mir das wie folgt vor. Apps sind schön und gut, doch oft brauchen wir nur einzelne Funktionen. Stellt euch vor, man könnte zum Beispiel seinen vorhandenen Musik Player erweitern. Wie etwa um einen Sleeptimer, einen Hörbuch-Modus, Streaming etc. Alles in ein und derselben App, aber doch funktional voneinander getrennt. So könnte man Musik hören, dann ein bisschen dem Erzähler des Hörbuchs lauschen und danach weiter Musik hören. Ohne Unterbrechung oder Ähnliches. Man könnte sein Smartphone einfach unbeschwerter nutzen. Mit Erweiterungen hätte man die Möglichkeit das Betriebssystem samt vorhandener Apps mit zusätzlichen Features aufzubohren.

Beispielsweise könnte die Nachrichten-App zum Hub werden, weil dort etwa WhatsApp, Skype, SMS usw. integriert sind. Natürlich übersichtlich getrennt. Also ganz nach dem Motto: Wo der Nutzer eine Funktion vermutet, wird er sie auch finden. Durch diese Verzahnung mit dem Betriebssystem entsteht ein viel kompakteres Nutzungserlebnis. Das System und seine Apps bilden eine Einheit. Der gesamte Aufbau wäre modularer. Heute wirkt es nach wie vor so, als wären die installierten Apps allesamt auf das OS aufgesetzt. Willst du den Kalender öffnen, geht manchmal die Sucherei los. Dabei wäre es so einfach, so simpel.

Ich seh nur noch Apps. Wo soll das enden?

In den einzelnen Anwendungen könnte zusätzlich eine Verbindung zum jeweiligen Store bestehen, um neue Erweiterungen nachzurüsten. Dabei kann es sich um eine einzelne Funktion handeln oder eine komplexe Änderung. Ähnliche Ansätze sind heute schon in iOS und Android enthalten. Man versucht das Wechseln zu einer anderen App möglichst zu vermeiden, und durch Erweiterungen abzufangen. Möchte man beispielsweise seine Logindaten auf einer Webseite eingeben, muss man nicht zur Passwort-App wechseln. Sondern greift über eine Schnittstelle darauf zu. Wir brauchen in diesem Punkt einen Wandel. In den Stores befinden sich extrem viele Apps und es werden immer mehr. Wo soll das enden? Das Chaos ist doch vorprogrammiert.

Wenn ich mein Problem, wie eingangs beschrieben, jetzt lösen möchte, müsste ich entweder damit Leben oder eine weitere App ausschließlich für Hörbücher installieren. Doch diese bietet mir mitunter bei weitem nicht die gleichen Features, wie meine eigentliche Musik-App. Das ist doch echt Mist. Meine Idee ist keinesfalls zu Ende gedacht, vielmehr soll sie inspirieren und zum Nachdenken anregen. Das Konzept kann also durchaus noch viel weiter gesponnen werden. Dazu lade ich euch gerne in den Kommentaren in. Technik soll uns das Leben erleichtern, doch manchmal macht es uns das Leben nur schwerer. Deshalb ist die richtige User Experience unerlässlich.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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  1. Kommentar von Simon · · #

    Dieses Problem kenne ich zur Genüge. Überall Apps. Sogar dort, wo ich gar keine brauche. Der Sinn einer eigenen App für eine Nachrichtenwebsite wie derstandard.at hat sich mir persönlich z.B. noch nie erschlossen.

    Die Idee mit der Integration verschiedener Apps über Schnittstellen ist gut. Das macht manch ein Webservice z.B. schon. Anders wären Dienste wie IFTTT, die z.B. eine E-Mail senden bei einer bestimmten Interaktion mit Dropbox oder Evernote, nicht möglich.

    Das Thema Security und Datenschutz wurde aber noch nicht zu Ende gedacht. Welche Daten werden alle abgegriffen? Wie viel muss gelesen werden um die Funktion zu garantieren und wie viel wird wirklich ausgelesen? Was passiert, wenn ein Dienst geknackt wird? Hat dieser dann über die Schnittstelle auch Zugriff auf andere?

    Ich denke da an den Dropbox-Hack, bei dem angeblich 7 Millionen Nutzerdaten geklaut wurden und Dropbox sagte, sie wären nicht gehackt worden [1], sondern der Zugriff wäre über Dritt-Apps geschehen.

    Trotzdem bleibt es interessant. Schauen wir, ob die Problematik in Zukunft gelöst wird. Und vor allem wann.

    [1] https://blog.dropbox.com/2014/10/dropbox-wasnt-hacked/

  2. Kommentar von Lenny Anders · · #

    Sehr interessant, ich stelle mir das so vor das man zum Beispiel eine “social” APP hat und in dieser hat man dann links so einen Reiter zum reinwischen wo man seine gedownloadeten Erweiterungen, also z.b. SMS, whatsapp & Skype vorfindet. Das ganze dann bei einer audio APP mit Musik, hörb-buch/-Spiel und Podcast. Wäre eine echt gute idee. Vielleicht könnte man als ersten schritt einfach so apps wie von mir beschrieben Programmieren die dann in der seitenleiste shortcuts für die apps, die die Erweiterungen darstellen, enthalten.