Sony Picture-Hack: Terroristischer Akt oder nicht?

Mittlerweile dürfte jeder wissen, dass Sony Pictures Opfer einer groß angesetzten Hacker-Aktion der Gruppe Guardian of Peace (GOP) wurde. Nach anfänglichen Erpressungsversuchen offenbarte sich scheinbar das wahre Ziel. Es ging darum, den Film "The Interview" am Kinostart zu hindern. Kim Jong-un wird in dem Film ganz schön verulkt und soll ermordet werden. Das klingt nicht unbedingt nach einer Story, die Nordkoreas Machthaber sehen möchte. Sympathisiert also die GOP mit Nordkorea oder sind es gar Staatshacker? Steckt dahinter ein terroristischer Akt? Das FBI ermittelt und gab kürzlich bekannt, dass Nordkorea für den Hack verantwortlich sei. Als Beweis gibt es lediglich eine dubiose IP-Spur. Solange keine konkreten Beweise existieren, ist jegliche Anschuldigung haltlos.

Barack Obama – Enjoying a Cuban (Quelle: DonkeyHotey, Liz. CC BY 2.0)
Barack Obama – Enjoying a Cuban (Quelle: DonkeyHotey, Liz. CC BY 2.0)

Barack Obama möchte aber keinesfalls von Cyberwar, Terrorismus oder einem kriegerischen Akt sprechen. Nein, viel mehr bezeichnet er es nur als "Cybervandalismus" und droht Nordkorea sie auf die Liste zu setzen, welche Terrorismus fördern. Das geht einigen Politikern des US-Senats nicht weit genug. John McCain spricht von einer neuen Kriegsführung. Lindsey Graham will den Angriff auf Sony Pictures gleich als Terrorismus einstufen lassen. Wohl bemerkt beides Republikaner. Reden wir hier wirklich über taktische Kriegsführung? Diese Frage lässt sich nur sehr schwer beantworten. Zum einen muss man Sony Pictures vorhalten, an dem erfolgreichen Hack selbst schuld zu sein. Sie wussten, dass ihre Infrastruktur löchriger als ein Schweizer Käse ist. In der Vergangenheit wurden sie zudem mehrfach Opfer solcher Attacken.

Sony hat aus der Vergangenheit nichts gelernt

Man müsste also annehmen, dass sie daraus gelernt haben sollten. Denkste. Im Grunde geschieht es dem Unternehmen also irgendwo auch zu recht. Wobei ich Hackerangriffe keineswegs gut heißen möchte. Erst recht nicht, wenn es darum geht, anderen zu schaden. Das geht gar nicht. Denn die Leidtragenden sind vor allem die Mitarbeiter, die Kunden und alle anderen Mitwirkenden. Den Vorstand kann man leicht austauschen. Das trifft nur eine Handvoll Menschen. Die GOP hat mit dem Hack keine kritische Infrastruktur getroffen, weswegen von einer kriegerischen Absicht eigentlich keine Rede sein kann. Sie wollten lediglich Schaden anrichten. Dennoch üben sie eine Art terroristische Gewalt aus. Als sie mit Anschlägen drohten, stellt das sehr wohl eine Form des Terrorismus dar. Die Frage ist nur, ob in dem Fall wirklich etwas passiert wäre.

Security (Quelle: Perspecsys Photos, Liz. CC BY SA 2.0)
Security (Quelle: Perspecsys Photos, Liz. CC BY SA 2.0)

Spielt dabei aber eine untergeordnete Rolle. Die Drohung alleine reicht schon. Der Angriff ist ein erneutes Beispiel, auf welches Terrain sich Hacker damit begeben. Erst gestern informierte Hiese online über einen Hacker, welcher Südkorea zum Abschalten seiner Atomanlagen zwingen will. Man kann ein solches Verhalten für durchaus ehrbar halten, aber es ist und bleibt Selbstjustiz. Zudem ist es brandgefährlich, weil solche Angriffe die Stimmung zwischen zwei Parteien erheblich beeinträchtigen können. Derartiges Eingreifen kann unter Umständen einen Krieg auslösen und ist mitunter Cyber-Terrorismus. Nordkorea wurde gestern für über neun Stunden vom Internet getrennt. Die Attacke wurde offenbar von der Hackergruppe Lizard Squad durchgeführt. Indes gab Nordkorea gegenüber der USA bekannt zu allem bereit zu sein. Klar, ein Teil davon sind nur Drohgebärden, doch daraus kann auch schnell blutiger Ernst werden.

Auch Regierungen setzen in den nächsten Jahren noch stärker auf diese Angriffsform. Solche Attacken lassen sich im Vergleich zu Kampfhandlungen in der echten Welt viel schneller, billiger und effizienter durchführen. Entweder engagiert man sich Hackergruppen oder bildet sie selbst aus. Das wird definitiv eine neue Kriegsform. Soviel ist sicher, leider.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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