Deutsche Banken wollen PayPal Konkurrenz machen

Die deutschen Banken arbeiten an einer Alternative zu PayPal. Im August 2015 wird es eine erste Testphase geben und bis spätestens Weihnachten nächsten Jahres soll das System einsatzbereit sein. Man konzentriert sich vorerst nur auf den Online-Handel. Wilhelm Gans, Geschäftsführer des Deutschen Sparkassenverlags, schließt danach aber eine Ausweitung auf den stationären Handel nicht aus. Bemerkenswert, äußert bemerkenswert. Angesichts dieser fantastischen Zukunftspläne kann man gerade zu aus dem Häuschen sein. Endlich sagen die deutschen Banken PayPal den Kampf an. Dagegen kann das US-Unternehmen nur ablosen. So ein kleines Startup aus San José hat da keine Chance. Warum? Weil wir von den deutschen Banken sprechen, dem Fels in der Brandung der deutschen Finanzwirtschaft. Da hat alleine schon der Name eine Wirkung wie Thors Hammer Mjölnir. BAMMMM! Nimm das PayPal. Ironie beiseite.

Money (Quelle: 401(K) 2012, Liz. CC BY-SA 2.0)
Money (Quelle: 401(K) 2012, Liz. CC BY-SA 2.0)

Im Grunde ist diese Nachricht ein absolutes Armutszeugnis — ein Kahlschlag — eine Farce. Diese Neuigkeit zeigt einmal mehr, wie starr der Bankensektor ist. Sie sind von sich und ihrer Stellung derart überzeugt, dass sie mit einer ungeblümten Arroganz im Jahr 2014 allen Ernstes in Konkurrenz mit PayPal treten wollen. Das ist bei weitem aber kein Einzelfall. Genauso machen es auch andere Branchen, besonders die, mit einer fetten Lobby vorne dran. Unsere Bundesregierung gilt ebenfalls als Innovationsbremse. Wenn sich Frau Merkel hinstellt und öffentlich erklärt, dass wir jetzt in die digitale Zukunft investieren müssten, muss das wehtun. Wir haben den Zug verpasst. Kein Wunder bei den Verspätungen der Deutschen Bahn. Die deutschen Banken werden sich umschauen. Der Online-Payment-Markt ist mittlerweile ein hart umkämpftes Pflaster.

Eigentlich tut den deutschen Banken ein gehöriger Dämpfer ganz gut. Sie sollen wissen, dass sie ihre altertümlichen Strukturen endlich der Neuzeit anpassen sollten. Vielleicht dürfen sie dann eines Tages im Erwachsenenbecken von PayPal mitschwimmen. Bis dahin ist es ein weiter Weg.


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.

  1. Kommentar von Zeddy · · #

    Schön wäre es allerdings wenn es gelingen sollte, da Paypal alles andere als seriös und zumutbar für viele Verkäufer ist. da sich Paypal öfters als richterliche Instanz gesehen hat. Oder Geld einbehielt wozu keine Berechtigung da war.
    Aber naja hinter Paypal steht ja auch die “berühmte” Bank JP Morgan.

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Klar wäre das gut, aber ich “freue” mich erst, wenn sie es wirklich geschafft haben. Wobei unser Bankensystem aber auch alles andere als sicher ist. So oder so beides bedenklich.