HumHub: Facebook für Datenschutzbewusste

Soziale Netzwerke und Intranets sind mittlerweile weit verbreitet. Heute nutzt praktisch fast jeder Facebook, Twitter, Google+ oder andere soziale Plattformen. Unternehmen und Universitäten setzen zur Kommunikation meist eigene Social Intranets ein. Das verkürzt Kommunikationswege, vereinfacht das Arbeiten in Teams und an Projekten. Zudem sind Datenschutz und Privatsphäre in der Zeit der Snowden-Leaks wichtiger denn je. Da kommt HumHub gerade recht. Das Tool steht unter einer dualen Open-Source-Lizenz und die Entwickler bezeichnen es selbst als Social Network Kit. Quasi ein Facebook zum Selberhosten. Ich stelle euch HumHub und seine Vorzüge kurz vor.

mit HumHub ein eigenes Social Intranet aufbauen
mit HumHub ein eigenes Social Intranet aufbauen

Von der einfachen Installation zum Wohlfühlfaktor

Um HumHub auf einem Webspace zu installieren, braucht es nicht viel. Zunächst ladet ihr euch das Master-Archiv von GitHub oder eines der Releases herunter. Ich würde lieber den letzten Snapshot empfehlen, da die verfügbaren Releases eher selten aktualisiert werden. Ladet das Archiv auf euren Webspace und entpackt es. HumHub nimmt etwa 80 MB in Anspruch. Wer beim ersten Aufruf der Installation Fehlermeldungen erhält, sollte die beiliegende .htaccess.dist in .htaccess umbenennen. Danach geht die restlichte Installation kinderleicht — MySQL-Datenbank angeben, Intranet-Namen festlegen und Administrator-Account erzeugen. Fertig. Dann kann es schon losgehen. Wer bereits Erfahrungen mit sozialen Netzwerken oder Intranets hat, wird sich bei HumHub sofort wohlfühlen.

wie bei Facebook, nur alles in eurer Hand
wie bei Facebook, nur alles in eurer Hand

Jeder Nutzer bekommt ein eigenes Profil. Dort kann er Statusmeldungen veröffentlichen. Genauso, wie es beispielsweise bei Facebook möglich ist. Natürlich lässt sich das Profil personalisieren — Profilbild, Avatar, Name, Adresse, Skypename, Google+-Profil etc. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Neben den Profilen bietet HumHub sogenannte Spaces. Das könnt ihr mit Gruppen oder Boards gleichsetzen. Diese sind entweder öffentlich oder privat. Darin kann man wunderbar mit anderen Nutzern kommunizieren. Im Facebook-Style können Posts geliked oder kommentiert werden. Eine interaktive Tour bringt euch die Features von HumHub auf Wunsch näher. Ihr seht, alles ganz easy.

Administratoren kommen voll auf ihre Kosten

Die HumHub-Entwickler haben natürlich auch besonders an den Administrator gedacht. Eine nutzerfreundliche Bedienung alleine ist nicht alles. Dazu braucht es auch starke Verwaltungstools. Im Administrations-Menü sind Benutzer, Gruppen und Spaces verwaltbar. Die Gruppen-Optionen wirken recht spartanisch. Man kann nur festlegen, welche Gruppe Spaces erzeugen darf und ob diese privat oder öffentlich sein sollen. Spaces verfügen zudem über die Funktion, Zugriffe zu regeln: Beitritte nur per Einladung, Einladung oder Anfrage bzw. für alle. Interessant sind die Einstellungen für Benutzerprofile. Hier kann man sämtliche Kriterien für Profilangaben individuell erstellen, beispielsweise Geburtsdatum, Adresse, Beziehungsstatus — what ever. Alles ist möglich.

HumHub durch Module erweitern
HumHub durch Module erweitern

Das Einladen neuer Benutzer funktioniert auf verschiedenen Wegen. Einerseits per offener Registrierung, via Einladung über einen Space oder ein Administrator legt den Account eigenhändig an. Wer die Kontrolle behalten will, kann jedes neue Konto prüfen und danach freischalten oder ablehnen. Das Profil wird bei Ablehnung gleich wieder gelöscht. HumHub glänzt mit einer sehr guten Erweiterbarkeit. Durch Module stehen neue Funktionen parat. Besonders gelungen finde ich die Integration privater Nachrichten und eigener Seiten. Damit lässt sich HumHub wunderbar ausbauen. Nutzer können neben dem Posten ebenfalls Dateien hochladen. Welche Formate oder wie groß diese Anhänge sein dürfen, kann im Admin-Menü festgelegt werden.

Das Feature lässt sich leider nicht über Gruppen regeln oder systemweit deaktivieren. Wem das ein Dorn im Auge ist, setzt die Uploadgröße auf 0. Beim Hochladen kommt automatisch eine Fehlermeldung.

HumHub ist schon jetzt ein zukunftsfähiges Social Intranet

HumHub ist ein sehr würdiger Kandidat für ein eigenes Intranet. Ob privat oder im Business-Bereich macht HumHub einen zuverlässigen Eindruck. Mobile Apps gibt es zwar bis dato keine, dafür aber ein responsives Design. Hinsichtlich der Rechteverwaltung für Gruppen wünsche ich mir mehr Optionen. Also zum Beispiel die Zuweisung, ob Nutzer der Gruppe X neue Teilnehmer einladen können oder Daten hochladen dürfen. Da macht es sich HumHub aus meiner Sicht noch zu einfach. Das sollte wenigstens gruppenbezogen regelbar sein. Man darf eben auch nicht vergessen, dass die Software aktuell in der Beta-Phase steckt. Sieht man davon mal ab, ist HumHub schon heute eine fähige Intranet-Lösung.

Wer HumHub gerne selbst testen möchte, kann auf humhub.org eine Demo-Installation erzeugen und ein wenig experimentieren.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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