Telekom: Höttges fordert höhere DSL-Tarife auf dem Land

Wir alle kennen Timotheus Höttges. Wem der Name nun nichts sagt, das ist der neue Telekom-Chef seit Januar 2014, also der Nachfolger von René Obermann. Kürzlich gab Höttges der Rheinischen Post ein Interview, welches gestern auf RP Online veröffentlicht wurde. Darin lobt er den Vorstoß von EU-Kommissar Günther Oettinger, für Kunden eine temporäre Anbieterwechselsperre einzuführen, damit Provider mehr Planungssicherheit erhalten. Diese Forderung ist so hanebüchen, wie sinnfrei. Dem Kunden wird damit die Freiheit bei der Providerwahl “kurzfristig”, wir reden von ein paar Jahren, genommen und es ist kein wirklicher Garant für mehr Planungssicherheit ersichtlich. Es hat nur eine Einschränkung von Verbraucherrechten zur direkten Folge. Dass Höttges Öttingers Vorschlag begrüßt verwundert nicht, schließlich profitiert die Telekom von der Geißelung ihrer Kunden. Damit kann ihre Monopolstellung weiter gestärkt werden.

Wer ist schuld am miserablen Netzausbau auf dem Land?

Das Thema Netzausbau, gerade auf dem Land, steht weiterhin auf dem Papier. Schließlich hat die Bundesregierung in ihrer Digitalen Agenda ein Mammutziel gesetzt. Bis 2018 sollen alle Haushalte in ganz Deutschland mit 50 Mbit/s ausgestattet sein. Unmöglich, aber darüber bloggte ich bereits im August. Timotheus Höttges geht das Problem jetzt an und fordert erst mal locker-flockig die Erhöhung der DSL-Tarife auf dem Land. Laut seiner Argumentation soll dies mehr Anreize schaffen. Für wen? Die Dorfbewohner, weil sie ohnehin schon ein langsames Internet haben, vorausgesetzt es liegt überhaupt ein DSL-Anschluss an? Die Freude wir sicherlich riesig sein und da ist man gerne bereit mehr zu bezahlen, damit das dörfliche DSL aufgepeppt wird. Ja und nein. Denn wer hat den schlechten Netzausbau auf dem Land zu verantworten?

Telefonleitungen (Quelle: PAN ANT, Liz. CC BY 2.0)
Telefonleitungen (Quelle: PAN ANT, Liz. CC BY 2.0)

Genau, die Deutsche Telekom und die Bundesregierung. Jahrelang hat man die Netze in den Städten stetig aufgerüstet — ADSL+, VDSL, VDSL2. Höttges verlangt auch eine freiere Preisgestaltung in den Städten. Man sei mittlerweile nur noch Nummer Zwei oder Drei. Dabei sollte jedoch keinesfalls vergessen werden, wem große Teile des Netzes gehören. Da erscheint die Regulierungsmaßnahme durch die Bundesnetzagentur wiederum nachvollziehbar. In ländlichen Regionen ist spürbar weniger, bis nichts passiert. Hätte die Telekom auch auf dem Dorf verstärkt ausgebaut und weniger in den Städten, hätten wir das Problem heute wohl nicht derart. Da steht ein Schwarzer Peter und den will keiner so recht haben. Die Telekom nicht, Mitbewerber nicht, die Bundesregierung nicht, der Bürger aber genauso wenig. Wer bekommt ihn?

Am Ende muss es der Verbraucher richten?

Immerhin relativiert Höttges seine Forderung: Höhere Tarife für Kunden im ländlichen Raum halten wir für weder wünschenswert noch umsetzbar. Besser seien laut seiner Aussage regionale Zuschüsse als Tarifzuschläge. Das macht das Kernproblem jedoch wenig erträglicher. Die Telekom ist an der Misere selbst schuld. Daraus möchte ich keinen Hehl machen. Dafür nun die Gemeinden oder schlimmstenfalls die Endverbraucher blechen zu lassen ist in meinen Augen unverschämt. Die Telekom jammert seit Jahren herum, dass es am nötigen Kapital für einen adäquaten Netzausbau mangele. Dabei betrug der Gewinn 2013 rund 930 Millionen Euro und der Umsatz 60,132 Milliarden Euro.Die Investitionen der Telekom in Festnetz und Mobilfunk beliefen sich auf ca. 9 Milliarden Euro.

Fiber Optic Ends (Quelle: Barta IV, Liz. CC BY 2.0)
Fiber Optic Ends (Quelle: Barta IV, Liz. CC BY 2.0)

Aber okay, man muss ja wirtschaftlich denken. Daher soll der Staat fleißig subventionieren. 80 Milliarden würde der vollständige Netzausbau in Deutschland kosten. Aber dann hätte selbst der kleine Bauer eine echte Datenautobahn und keine Schneckenschnellstraße. René Obermann ging letztes Jahr sogar noch viel weiter als es die Bundesregierung aktuell anstrebt. Er wollte gleich 100 Mbit/s für 80 Prozent aller Bundesbürger bereitstellen. Wo Wolken sind, da sind bekanntlich auch Riesen und ein Luftschloss. Auch 2018 wir die Situation wahrscheinlich ähnlich sein, wie heute. Da mache ich mir wenig Hoffnung, dass sogar Mecklenburg-Vorpommern flächendeckendes Higspeed-Internet hat.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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