Springer knickt ein: “Gratis-Lizenz” nur für Google

Das ging schnell. Gerade mal zwei Wochen hat es Axel Springer SE ohne Meta-Beschreibungen in der Google-Suche und Google News ausgehalten. Am 23. Oktober reduzierte Google die Angebote von Welt.de, Computerbild.de, Sportbild.de und Autobild.de auf die Titelinformationen. Gestern verkündete der Verlag in einer wahnwitzigen Presseerklärung, dass man erhebliche Traffic-Verluste in der Suche (-40%) und News (-80%) zu beklagen hätte. Der finanzielle Schaden läge im siebenstelligen Bereich. Aus Springers Sicht sei das Verhalten von Google regelrecht diskriminierend. Der Suchmaschinengigant würde die Verlage mit seiner Marktmacht förmlich erpressen und dazu zwingen, ihm eine “Gratis-Lizenz” zu geben. Dem kam Axel Springer nun auch nach. Die VG Media erteilte per 5.11.2014 die unentgeltliche Nutzung von Snippets der vier Springer-Angebote gegenüber Google. Aber nur für Google gibt es diesen Freifahrtschein.

Früher mal so ... (Quelle: Roger Wollstadt, Liz. CC BY-SA 2.0)
Früher mal so … (Quelle: Roger Wollstadt, Liz. CC BY-SA 2.0)

Alle anderen News-Portale oder Aggregatoren schauen dumm aus der Wäsche. Sie bekommen eine solche Lizenz gar nicht. Die Begründung macht sich Springer hier sehr einfach. Die kleinen Seiten haben keine Monopolstellung und von daher wäre man auch nicht dazu verpflichtet, ihnen einen solchen Spielraum einzuräumen. Das ist Diskriminierung! Rufen wir uns noch mal kurz in Erinnerung, warum gerade der Springer Verlag das Leistungsschutzrecht forderte. Es ging dabei vorrangig um Google. Die LSR-Sympatisanten wollten die Marktmacht des Suchmaschinenriesen schwächen und gleichermaßen auch Gewinne dadurch erwirtschaften. Dieser kühne Versuch ist wie ein Schnellschuss nach hinten losgegangen. Zwar verabschiedete die Bundesregierung im März 2013 das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, legte aber niemals fest, dass Suchmaschinen zur Kasse gebeten werden. Es besteht keinerlei Zwang. Google löste das "Problem" in meinen Augen sehr clever, indem lediglich die Titel betroffener Seiten erscheinen.

Die öffentliche Entgleisung des Leistungsschutzrechts

Mittlerweile ist die ganze Thematik total entglitten. Daraus wurde nun eine mediale Social-Reality-Web-Love-Soap. In der Rolle des Bösen natürlich das coole Google und auf der Seite der zickigen Mädchen die LSR-Lover. Irgendwo dazwischen die feixenden Zuschauer. Der eigentliche Sinn des Leistungsschutzrechts ist verloren. Axel Springer weiß ganz genau, dass sie Google zum Überleben brauchen, egal ob sie bezahlen oder eine “Gratis-Lizenz” bekommen. Das Vorhaben damit abzukassieren ist gescheitert. Warum man jetzt aber dem kleinen Mann oder den kleineren Unternehmen in die Kniekehlen latscht, ist mir etwas unbegreiflich. Wir verbuchen das einfach mal unter Frustkompensation.

Social-Reality-Web-Love-Soap (Quelle: Matt, Liz. CC BY-SA 2.0)
Social-Reality-Web-Love-Soap (Quelle: Matt, Liz. CC BY-SA 2.0)

Wenn es bei Google schon nicht klappt, muss man doch bei den Kleinen die Daumenschrauben richtig anziehen. Selbst wenn das aktuell alles lächerlich und wie Vorschulniveau wirken mag, denke ich doch, dass Springer und Co. insgeheim weiterhin Lobby-Arbeit in Politikerkreisen betreiben. Erstes Anzeichen ist der Vorstoß für ein EU-Leistungsschutzrecht von Günther Oettinger. Da ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen, leider.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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