Virtuelles Android in Hyper-V installieren

Seit ca. zwei Wochen habe ich nun doch den Wechsel auf Windows 8.1 gewagt. Damit inbegriffen wollte ich Microsofts Virtualisierungstechnologie Hyper-V verwenden. Davon bin ich mittlerweile wirklich überzeugt. Die Hardwarevirtualisierung läuft deutlich schneller als VirtualBox und Co. Linux kann inzwischen auch virtualisiert werden. Somit steht die Software den “Platzhirschen” kaum noch nach. Bis dato nutzte ich immer VirtualBox in Verbindung mit AndroVM und Genymotion. Ein tolles Projekt, jedoch laufen die virtuellen Maschinen recht behebig. Bluestacks hat bei mir schon lange ausgedieht. Die Entwickler kommen nicht wirklich voran. Daher habe ich mich mal umgeschaut, wie man eine Android VM in Hyper-V aufsetzen kann. Die Antwort ist ganz simpel: Android-x86. Die Installation geht einfach und schmerzfrei.

Android-x86 in Hyper-V virtualisiert
Android-x86 in Hyper-V virtualisiert

So installierst du Android-x86 in Hyper-V

Hyper-V steht allen Windows 8/8.1 Pro Nutzern mit passendender CPU zur Verfügung. Via Programme und Features schaltet ihr Hyper-V frei. Nun benötigt man ein passendes Android-Image. Ich habe mich für Android 4.4.2 entschieden. Die Version läuft auch weitestgehend stabil. Frühere Versionen hingen bei mir teilweise relativ stark. In Hyper-V erstellt ihr zunächst einen virtuellen Switch als externes Netzwerk. Anschließend erzeugt man eine neue virtuelle Maschine mit folgenden Basiseinstellungen:

  • Name: Android 4.4.2
  • Generation 1
  • Arbeitsspeicher: 2048 MB
  • Netzwerk mit Internetverbindung
  • Virtuelle Festplatte erstellen: 10 GB
  • Abbilddatei (ISO): android-x86-4.4-r2.iso

Hyper-V: Assistent für neue virtuelle Computer
Hyper-V: Assistent für neue virtuelle Computer

Startet danach die VM und wählt den letzten Punkt Installation — Install Android-x86 to harddisk aus. Wir wollen ja keine Live-CD, sondern es fest installieren. Nachfolgend muss man eine neue Partition erzeugen. Hierzu wählt ihr mit den Pfeiltasten New an und erstellt eine primäre Partition, ohne an der Größe etwas zu ändern. Über Write wird die Partition geschrieben. Anschließend formatiert ihr sda1 als ext3 und installiert darauf den Bootloader GRUB, sowie das System. Sind diese Schritte erledigt, startet ihr die VM neu. Entfernt sogleich die ISO aus dem virtuellen DVD-Laufwerk. Danach startet das Android-System ganz normal. Die Einrichtung dauert gewöhnlich wenige Minuten. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch gleich mit einem Google-Account anmelden.

Ruhezustand in den Systemeinstellungen abschalten
Ruhezustand in den Systemeinstellungen abschalten

Schaltet nach der Einrichtung in den Systemeinstellungen unter Display den Ruhezustand auf “kein Timeout”. Das ist wichtig, da der Bildschirm sonst nach zwei Minuten schwarz wird. Mir ist bis jetzt noch keine vernünftige Methode über den Weg gelaufen, um den Screen wieder anzubekommen. Da hilft nur neu starten. Zusätzlich kann das Tastaturlayout von Englisch auf Deutsch gestellt werden. Hierzu stellt ihr in den Einstellungen bei Sprache & Eingabe die physikalische Tastatur auf Deutsch um.

Aus einem Tablet wird ein Smartphone

Die VM wird vom Play Store und allen anderen Apps als Tablet erkannt. Das hat zwei Nachteile, einerseits dreht sich das Display manchmal mit, was störend sein kann und zweitens sind nicht alle Anwendungen kompatibel. Dafür gibt es zwei einfache Lösungen. Die Rotation wird durch eine App, wie Set Orientation auf Landscape festgesetzt. Um nun deutlich mehr Anwendungen im Play Store sehen zu können, bedienen wir uns des kleinen Tools Market Helper. Von Google zwar nicht gerne gesehen, aber für uns sehr nützlich. Das Programm gaukelt dem Play Store vor, Gerät XY zu sein. Stellt es am besten auf ein bekanntes Smartphone ein, also Samsung Galaxy S4 oder Nexus 5.

mit Market Helper andere Geräte imitieren
mit Market Helper andere Geräte imitieren

Folgt den Anweisungen des Market Helpers. Installiert zu Testzwecken eine App, die vorher nicht verfügbar war, und startet danach die VM neu. Beim nächsten Start wird die Anwendung installiert. Die App-Landschaft schaut dann schon besser aus. Trotzdem stehen euch nicht sämtliche Apps zur freien Verfügung.

Ordnerfreigaben sind die Lösung zum Erfolg

Bleibt noch ein wichtiges Problem offen: der Datenaustausch zwischen eurem PC und der VM. Mit Bluestacks konnte ich direkt auf Festplatten oder USB-Sticks zugreifen und ansonsten verwendete ich AirDroid. Das klappt alles nicht mit Hyper-V. Warum? Die VM ermöglicht keine WLAN-Verbindungen und Ordner-Freigaben muss man einrichten. Letzteres ist kein Thema. Das ist quasi auch schon des Rätsels Lösung. Erstellt euch einen Ordner auf eurem Host-System und ruft die Eigenschaften auf. Dort findet ihr den Tab-Reiter Freigabe. Setzt für Jeder die Berechtigung auf Lesen/Schreiben. Keine Panik, für den Zugriff sind immer noch eure Logindaten notwendig. In der VM installiert ihr euch ES Datei Explorer. Öffnet links das Menü Netzwerk und wählt LAN aus.

Ordnerfreigabe auf den Host-Computer einrichten
Ordnerfreigabe auf den Host-Computer einrichten

Klickt auf Neu und richtet die Verbindung ein. Die IP-Adresse eures Host-PCs bekommt ihr über ipconfig per Eingabeaufforderung heraus. Anschließend habt ihr Zugriff auf den freigegebenen Ordner und könnt bequem Daten zwischen Gast und Host austauschen. Einfacher kann es eigentlich nicht mehr gehen.

Android-x86 4.4 R1 läuft ziemlich stabil und flüssig. Im Vergleich zu VirtualBox definitiv deutlich schneller. Die VM eignet sich wunderbar zur App-Entwicklung oder zum Herunterladen von Apps. Also auch für die Jenigen interessant, die auf ihrem Smartphone eher ungern einen Google-Account nutzen möchten. Ganz bugfrei ist die Verwendung von Android-x86 in Hyper-V jedoch nicht. WLAN-Verbindungen werden wohl nur durch eine entsprechende Karte unterstützt. Dies schränkt die Konnektivität in der VM teilweise ein, da Android weder eine WLAN-Verbindung, noch ein mobiles Datennetz erkennt. Es ist am Ende wie mit jeder virtuellen Maschine, es geht niemals alles. Trotzdem ist es eine sehr gute Lösung für viele Anwendungsfälle. Ausprobieren lohnt sich!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

8 Kommentare

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  1. Kommentar von Hans-Peter · · #

    Hallo Markus, ich bin grad dabei, deine Anleitung zum Installieren von Android auf HyperV auszuführen.
    Leider hänge ich jetzt schon 1 Stunde damit herum, die sda zu ext3 umzuformatieren.
    In der Liste wird nach Eingabe “t” ext3 nicht aufgeführt, und Linux extend (Nummer 85) funktioniert auch nicht.
    Ich hänge also bei : “Toggle bootable flag of the current partition” fest.
    Kannst du mir da irgendwie weiterhelfen?
    Bin wie du sicher gleich rausgelesen hast kein Linuxer.
    Grüße
    Hans-Peter

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Hallo Hans-Peter, am besten fängst du nochmal von vorne an. Geh genau nach meiner Anleitung vor. Du erstellst zunächst eine primäre Partiton und schreibst diese. Danach gehst du über [Quite] wieder ins “Hauptmenü” zurück. Dort siehst du bereits den Eintrag sda1 an erster Stelle. Darüber kannst du dann alle weiteren Schritte, wie Formatieren etc. erledigen.

  3. Kommentar von Axel · · #

    Hallo Markus,
    danke für die gute Anleitung.
    Nach dem Starten des “virtuellen Tablets” mit Hyper-V kann ich keine Netzwerk-Verbindung herstellen. Eine virutelle Maschine hat ein WLAN, oder?
    Wie überrede ich nun das virtuelle Tablet, die kabelgebundene Verbindung zu nutzen?

  4. Kommentar von reraiseace · · #

    Hallo Axel, so wirklich ein WLAN ist es nicht. Jedenfalls zeigt dir das Android nicht an. Es besteht aber eine Internetverbindung über WLAN. Das klingt jetzt etwas komisch, ist aber so. Hast du in Hyper-V einen Netzwerk-Switch angelegt? Falls nicht, dann bitte noch nachholen. Verwende dazu folgende Einstellungen: Externes Netzwerk und wähle eine physische Netzwerkkarte aus. Diesen Switch kannst du dann in den VM-Einstellungen deines Android-Tablets hinzufügen. Sollte auch im laufenden Betrieb funktionieren. Wenn das alles bereits geschehen ist, starte einfach mal den Android-Browser.

  5. Kommentar von JM · · #

    Hallo, es hat alles so weit geklappt und das system läuft.. nur kann ich keine apps installieren und auch nicht die Galerie benutzen, welche beim öffnen immer sofort abstürzt. Gibts da eine Lösung für? Die Partition hab ich vorher so formatiert wie angegeben.

  6. Kommentar von reraiseace · · #

    Also die Galerie stürzt bei mir auch sofort ab. Ich hab es mit Android 4.4 R1 und R2 getestet. Bei beiden das Gleiche. Apps kann ich runterladen. Was gibt dir Google Play für eine Fehlermeldung zurück? Sind Datum und Uhrzeit bei dir aktuell?

  7. Kommentar von Tobias · · #

    Hallo Markus,
    Ich habe alle schritte deiner Anleitung befolgt.
    Leider ist es so das wenn ich die VM neu starte er immer erst auf den boadloader geht. Das Iso habe ich schon abgehängt. Gehe ich nach der installation direkt auf Run Android dann funktioniert erstmal auch alles. Wenn ich allerdings alles herunterfahre und neu starte komme ich immer wieder in die GNU GRUB anzeige. Hast du da noch einen tip?

  8. Kommentar von reraiseace · · #

    Hallo Tobias, das ist normal. Nach wenigen Sekunden startet der Bootloader automatisch mit dem selektierten Eintrag.