VG Media bekommt das Leistungsschutzrecht zu spüren

Lange hat Google den Ball flachgehalten und abgewartet. Vorgestern wagte der Suchmaschinenriese einen ersten Schritt aus der Deckung heraus. In den Suchergebnissen werden keine Meta-Beschreibungen von VG Media Verlagen mehr gezeigt, lediglich der Seitentitel samt Link. Damit geht Google einen recht eleganten, aber auch scharfen Weg. Vor wenigen Wochen reagierten die Webportale der Telekom und United Internet ebenfalls und warfen sämtliche Inhalte von Sympathisanten des Leistungsschutzrechts aus ihren Suchresultaten. Das nenne ich wirklich konsequent. Die Maßnahmen von Google sorgen indes bei VG Media und ihren Mitgliedern für viel Wirbel. Einerseits sollten sie sich doch freuen, dass Google das Leistungsschutzrecht (LSR) endlich zur Anwendung bringt und die Links nicht mal entfernt, andererseits scheinen sie verärgert, dass man sie nicht gefragt hätte. Verkehrte Welt?

Textausschnitte nur gegen Geld (Quelle: Tax Credits, Liz. CC BY 2.0)
Textausschnitte nur gegen Geld (Quelle: Tax Credits, Liz. CC BY 2.0)

VG Media gab bereits eine Pressemitteilung ab (PDF) und kritisiert Google darin recht harsch. Es sei, laut ihrer Auffassung Erpressung und Diskriminierung. Wo die bitte sein soll, ist mir schleierhaft. Burda, Springer und Co. bekamen von der Bundesregierung ihren Willen, indem sie das Leistungsschutzrecht für Presseverleger im März 2013 auf den Weg brachte. Rund 18 Monate nach der Verabschiedung setzen Suchmaschinen das Gesetz um. Daran kann per se nichts Falsches sein. Es ist nur davon die Rede, das Verlage vor der Veröffentlichung von Textausschnitten vorher zu fragen sind. Bei VG Media wird dies gerne mit Bezahlen gleichgesetzt. Also fragen gerne, aber bitte auch Geld da lassen. Das möchten jedoch weder Google, Telekom oder United Internet. Man denke nur mal an den Streit zwischen GEMA und YouTube. Da haben wir den gleichen Fall in Grün. Nur, hier ist die Gesetzeslage ein wenig anders.

VG Media und Co. sind machtlos gegen Googles Vorgehen

Faktisch gibt es kein Gesetz, welches es verbietet, dass Google die Suchergebnisse der LSR-Liebhaber beschneidet. Wer soll sie bitte zum Zahlen zwingen? Die Gerichte, weil sie auf Wettbewerbsverzerrung plädieren? Das wäre schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Keiner wird gezwungen, das Leistungsschutzrecht anzuwenden. Das geschieht weitestgehend auf freiwilliger Basis. Durch die Entfernung der Beschreibungen, aber nicht der Links, macht Google genau das Richtige. Eine vollständige Löschung aus dem Google-Index hätte die Kritik seitens der Streitparteien unlängst verstärkt, genauso der wachsende Druck zur Wiederaufnahme. So kann sich VG Media aufregen, jedoch wenig dagegen tun. Tja, nun bekommen sie ihr eigenes Leistungsschutzrecht als Premium-Menü serviert, tiefgekühlt. Sinnbildlich mit einem Kleinkind vergleichbar, welches den angebotenen Lolli nicht erhascht.

Google hält VG Media den Lolli hin (Quelle: Andrea, Liz. CC BY-SA 2.0)
Google hält VG Media den Lolli hin (Quelle: Andrea, Liz. CC BY-SA 2.0)

Man kann Google schlecht dazu verdonnern für VG Media Inhalte zur Kasse gebeten zu werden. Also bleibt entweder die Entfernung der Einträge oder Reduzierung auf die Überschrift. Jetzt wird man die Zerschlagung und Vernichtung der Monopolstellung erst recht fordern. Google ist ja auch so extrem fies und lässt VG Media zappeln. Was fällt dem Suchmaschinenriesen eigentlich ein. Da ist man als Verlag total hilflos. Hier muss die Politik eingreifen. Heiko Maas Forderung, den Suchalgorithmus offenzulegen grenzt an einen Geniestreich. Er, Sigmar Gabriel, Thomas de Maizière, Günther Oettinger und Angela Merkel sind die deutsche Armada gegen den digitalen Zeitgeist. Weshalb dieses Primärziel nicht in der Digitalen Agenda bis 2018 verankert wurde, entspringt jeglicher Vernunft.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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