Nix für Hipster: Ello-Hype mit bitterem Beigeschmack

Vorgestern schrieb ich noch positiv über Ello, heute verkehrt sich das leider ins Gegenteil. Aral Balkan, Förderer des Ello-Gedankens, veröffentlichte gestern einen Blogpost, der für viel Verunsicherung sorgt. Laut seiner Ausführung soll Ello von FreshTracks Capital, einem Risikokapital-Unternehmen, Venture-Kapital in Höhe von 435.000 US-Dollar erhalten haben. Dieser Deal wurde bereits im März offiziell bestätigt. Darüber sprach nur keiner. Scheinbar schien es ein unwichtiges Randdetail. Nein, ganz und gar nicht. Denn Aral Balkan schreibt weiter: When you take venture capital, it is not a matter of if you’re going to sell your users, you already have. Also, wenn ein Unternehmen solches Kapital in Anspruch nimmt, dann ist es keine Frage, ob man seine Nutzer verkauft, sondern man hat es schon längst getan.

Ello Manifest, wann wirst du verkauft?
Ello Manifest, wann wirst du verkauft?

Durch das Erreichen eines vereinbarten Ziels und dem anschließenden Verkauf (Exit) wird der größtmögliche Gewinn erzielt. Dem Kapitalgeber werden oftmals Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte eingeräumt. Demnach könnte Ello wie bisher weiterlaufen, um dann irgendwann die Bremse reinzuknallen. Weg sind sie. Das Konzept geht flöten, aber die Kasse klingelt. Der Ello-Hype wächst seit den letzten Tagen stetig. Allein pro Stunde kommen 4.000 Neuregistrierungen hinzu. Wow, für Ello ist das ein ordentlicher Erfolg. Wäre nur nicht dieser fade Beigeschmack durch den Finanzier. Einige Gründer äußerten sich mittlerweile auch zu Balkan’s Blogeintrag. Die Kommentare sind aber allesamt lapidar. Man würde natürlich niemals Nutzerdaten weitergeben, falls doch, würde man schnell aussteigen. Ello gehört ohnehin zu über 80 Prozent den Machern, also können sie tun, was sie wollen. Toll, schöne Seifenbubble.

Soap bubbles in the sun (Quelle: Thomas Rydberg, Liz. CC BY 2.0)
Soap bubbles in the sun (Quelle: Thomas Rydberg, Liz. CC BY 2.0)

Aral Balkan empfiehlt Ello nicht weiter zu unterstützen. Somit wären sie erfolglos und würden wie Diaspora oder andere Netzwerke dahindümpeln bzw. sterben. Die Gefahr einer Konkurrenz zu den großen sozialen Netzwerken könnte irgendwann bestehen. Viele Nutzer streben nach den Idealen, die Ello in seinem Manifest preist. Sollte keine gescheite Erklärung der Gründer abgegeben werden, landet Ello bei mir in der Tonne. So ein Netzwerk braucht keiner. Dann lieber auf App.net langweilen und mit Diaspora schimmeln, als am Ende genauso auf die Nase zu fallen, wie bei Facebook und Co. Mal ganz davon abgesehen ist Ello für den Hipster absolut uninteressant — zu viele nutzen das Netzwerk schon. Die Zukunft von Ello scheint sehr ungewiss. Entweder die Macher legen alles offen und erklären sich oder das Netzwerk ist zum Scheitern verurteilt.

Wie denkt ihr über Ello’s Inanspruchnahme von Wagniskapital? Hat Ello noch eine Chance bei euch?


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

1 Kommentar

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.

  1. Kommentar von Moni Tante · · #

    Meines Erachtens ist die Aufnahme von Wagniskapital vollkommen in Ordnung, da ja offensichtlich die Gründer das Geld nicht haben. Wir leben nicht in einer Welt, in der es etwas umsonst gibt! Wer das glaubt soll Mitglied in der Kirche werden, dort warten die auf Gläubige. Solange bestimmte Eigenschaften (im Unterschied zu etablierten Netzwerken) eingehalten/gefördert werden, ist Ello eine Alternative die es wert ist beobachtet/genutzt zu werden.