Kreativer Ansatz von BitTorrent-CEO zur Netzneutralität

Das Thema Netzneutralität ist bei uns aktuell etwas in der Versenkung verschwunden. In den USA wird es derzeit heiß diskutiert. Amerika ist auf dem besten Weg ein Zwei-Klassen-Internet zu etablieren, welches selbst für uns eine Vorlage sein könnte. Einerseits fordern Unternehmen wie Facebook, Google oder Amazon die Sicherung der Netzneutralität, andererseits hebelt beispielsweise Netflix zusammen mit den größten Netzanbietern der USA den Mechanismus aus. Was also tun? Die Lager sind gespalten. Eric Klinker, CEO von BitTorrent, unterbreitete jüngst einen kreativen Vorschlag. Anstatt auf Managed Services umzusteigen und dem Endkunden mehr Geld aus dem Kreuz zu leiern, wäre es nach seiner Auffassung sinnvoller, Unternehmen und Verbraucher für Datensparsamkeit zu belohnen. Das klingt zunächst alles andere als gewinnbringend. Schließlich möchten Provider noch mehr Geld mit der verbrauchten Bandbreite verdienen. Bei genauerer Betrachtung ist der Ansatz aber gar nicht so dumm.

Traffic Light Tree (Quelle: William Warby, Liz. CC BY 2.0)
Traffic Light Tree (Quelle: William Warby, Liz. CC BY 2.0)

Datenvolumen wird irgendwann zum knappen Gut. Die Netze werden heillos überlastet sein. BitTorrent kennt dieses Problem bereits im Kleinen. Also geht es darum, Bandbreite zu sparen. Das Ziel könnte man erreichen, indem Unternehmen und Kunden ein Anreiz geboten wird, möglichst wenig Daten zu übertragen. Daher auch der Vorschlag von Klinker dieses Verhalten zu belohnen. Ähnlich dem Emissionsrechtehandel der Europäischen Union. Unternehmen bekommen jährlich gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eine bestimmte Anzahl an Zertifikaten. Entsprechend dieser Vergabe dürfen sie festgelegte CO2-Werte ausstoßen. Bleiben sie darunter, stehen die übrig gebliebenen Zertifikate zum Verkauf frei. Im Falle des Webs, würde quasi ein Datenvolumenhandel entstehen. Zusätzlich regt man damit eine nachhaltige Senkung der Datennutzung an. Dadurch sinken gleichermaßen die Kosten der Provider.

Datenautobahn ohne Stau und Verkehrsberuhigung

Letztendlich führt dies dazu, dass das Netz mehr Entlastung bekommt. Service Provider und Internet-Dienste können ihre Leistungen unproblematisch anbieten. Der Endnutzer wird ebenso glücklich darüber sein. Startups brauchen nicht um ihr Überleben bangen, nur weil die Finanzierung für Managed Services fehlt. Auf längere Sicht betrachtet eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Wir müssen ohnehin lernen, mit unseren Datenkontingenten auszukommen. Aber keinesfalls darf dadurch unsere Nutzung beschnitten werden. Das klingt jetzt arrogant, ist es aber keineswegs. Viel mehr sind die Web-Services gefragt ihre Strukturen zu optimieren, bei gleichbleibender Leistung. Noch merken wir nichts von Engpässen, doch bald wird es selbst uns treffen. In der Debatte um die Netzneutralität müssen alle umdenken. Allen voran die Internetdienstanbieter.


Why Net Neutrality Matters (And What You Can Do To Help)

Ihre antiquierten Geschäftsmodelle haben nicht länger Bestand. Sie müssen sich nach alternativen Geschäftsmodellen umsehen. Der Vorschlag von Eric Klinker wirkt belebend auf diese ganze Diskussion. Den Lobbyisten darf es niemals gelingen, das Internet in solch perfidem Ausmaß zu monetarisieren. Das würde jegliches Gleichgewicht ins Wanken bringen. Dann wird das Web von morgen das Web von gestern sein. Netzneutralität ist wichtig für den Fortbestand des Internets und dessen reibungslosen Ablauf. Daher hoffe ich sehr, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam daran arbeiten. Wir brauchen einen langfristigen Ansatz, der allen Parteien gerecht wird.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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