Twitter-Timeline: Wo bekomme ich bald meine News her?

Es war die Nachricht, vergangene Woche, welche Twitter-Fans sehr verärgerte. Twitter experimentiert nun auch mit einem Algorithmus für die Timeline. Also in etwa so, wie es Facebook und Google+ betreiben. In naher Zukunft dürfte unser chronologischer Feed zu einer durch Twitter gebastelten Timeline werden. Fortan sehen wir vorwiegend das, was der sozialen Microblogging-Dienst für uns als wichtig erachtet. Bei Google+ geht mir das bisweilen quer. Da tauchen Beiträge ganz oben auf, die schon mehrere Tage oder Stunden alt sind. Interessiert mich nicht. Das Thema Twitter-Timeline wurde auf unzähligen Newsseiten und Blogs bereits ausführlich durchgekaut. Viel spannender ist allerdings die Frage: Was können wir dagegen tun? Am Freitag versuchte man auf Twitter zwischen 10 und 12 Uhr nichts zu twittern, quasi ein #Twitterstreik. Innerhalb kürzester Zeit stieg dieser Hashtag in der Trendliste nach ganz oben. Cool, wird aber wohl leider nicht das Problem lösen. Twitter wird sich von seinem Vorhaben eher schwer abbringen lassen. Dies zeigte auch die Engstirnigkeit mit der Entwickler-API.

Twitter in a bird-nest (Quelle: Garrett Heath, Liz. CC BY 2.0)
Twitter in a bird-nest (Quelle: Garrett Heath, Liz. CC BY 2.0)

In den letzten Tagen habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Zunächst wollte ich es erneut mit dem guten alten RSS-Reader versuchen. Den Newsreader von ownCloud hatte ich früher schon einmal getestet. Nicht schlecht, aber überzeugte mich nicht ganz. Beispielsweise missfällt mir, dass sich die Datenbank dadurch recht stark aufbläht. Die Suche ging weiter. Für Firefox fand ich den Bamboo Feed Reader. Guter Reader, allerdings mit zwei Nachteilen. Einerseits kann er mit verschlüsselten Seiten nicht umgehen und ist nur lokal verfügbar. Echter Kritikpunkt. Danach führte mich meine Reise zu einigen RSS-Diensten — AOL Reader, Yoleo und Feedly. Die ersten beiden waren wenig begeisternd. An Feedly gibt es an sich wenig zu meckern. Lediglich die Nutzungspolitik ausschließlich über wenige Drittanbieter-Dienste zuzugreifen und längere Aktualisierungszeiträume der Feeds nervten mich. Besonders blöd empfand ich, dass man die Seite immer manuell aktualisieren muss, um neue Einträge angezeigt zu bekommen.

Okay, nach kurzer Zeit wurde mir dann schnell klar, wieso gerade RSS-Feeds für mich nichts mehr sind. Mir fehlt die soziale Komponente und witzigerweise landen News meist erst in sozialen Netzwerken und danach im Feed.

Der RSS-Reader hat bei mir versagt, also zurück zu Twitter?

Was sollte ich nun machen? Genau, ich geh zurück zu Twitter. Noch sind es lediglich Experimente. Vielleicht wird auch alles gar nicht so schlimm. Aber trotzdem sollte man gewappnet sein, wenn der Tag kommt, an dem die Twitter-Timeline unbrauchbar wird. Da kam mir die zündende Idee. Twitter bietet ein Listen-Feature an. Damit kann sich der versierte Twitter-User Accounts in eine für ihn thematische Liste einsortieren und nur deren Tweets abrufen. Das soll der Übersichtlichkeit dienen. Damit lässt sich aber noch mehr anstellen. Um die Timeline wieder chronologisch und halbwegs werbefrei zu bekommen, könnte man eine Liste anlegen und dort alle seine Accounts, denen man folgt, hinzufügen. Macht zwar ein wenig Arbeit, könnte jedoch funktionieren. Twitter hat bis jetzt nur bestätigt, dass sie einen Algorithmus für die Timeline testen, favorisierte Tweets, gezielte Werbung und für Twitter interessante Tweets einbetten wollen. Von einer Umstrukturierung der Nutzerprofile war bis dato keine Rede.

Listen in Twitter verwenden: Der Rückgewinn der Timeline?
Listen in Twitter verwenden: Der Rückgewinn der Timeline?

Grund genug, mir einige Listen anzulegen. Diese können entweder öffentlich oder privat sein. Ich habe mir thematische Listen erstellt und Accounts hinzugefügt, die mich wirklich interessieren. Das Ganze habe ich nun ein paar Tage getestet. Ich stellte rasch fest, dass das richtig gut funktioniert. Dadurch kann ich mich besser auf das Geschriebene konzentrieren. Zusätzlich wirkt es so, als wäre weniger zu lesen. Dabei sind insgesamt mehr Accounts in den Listen, als vorher in meiner Timeline. Da zeigt sich recht deutlich, dass die Timeline auf Dauer zu viel wird. Es ist quasi Reizüberflutung hoch drei. Listen bringen mir deutlich mehr Ruhe. Bleibt zu hoffen, das Twitter die Listen und Profile in Ruhe lässt. Dann kann man sich quasi bald seine eigene Timeline aufbauen — chronologisch und mit Inhalten, die einen ansprechen und nicht andersrum. Einen kleinen Schönheitsfehler hat diese Art der Nutzung allerdings. Antworten anderer Nutzer an euch und eure eigenen Tweets landen nicht in den Listen. Dies gleicht aber die Benachrichtigungsseite locker wieder aus.

Wie findet ihr meinen Ansatz? Brauchbar oder nicht? Habt ihr vielleicht noch andere Ideen, wie man sich seine Twitter-Timeline zurückholen kann? Schreibt mir eure Gedanken bitte unter diesen Blogeintrag.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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