Nichts als Ärger mit 64 GB microSD-Karten

Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Vergangene Woche bestellte ich bei Amazon eine 64 GB microSDXC-Karte von Samsung für 25,99 Euro, zuzüglich 3 Euro Versand. Klang nach einem guten Angebot. Im Schnitt bekommt man hochwertige Speicherkarten dieser Größenordnung ab ca. 35 Euro. Da konnte ich nicht widerstehen. Der Versand sollte 6-9 Tage dauern, da meine Lieferung aus England kam. Vor wenigen Tagen lag das gute Stück bereits in meinem Briefkasten, sogar originalverpackt. Da war ich mir etwas unsicher gewesen, weil es sich um einen neuen Verkäufer handelte. Nach dem Auspacken machte ich mich sogleich ans Kopieren meiner Daten. Erst mal alles von der alten microSD aus meinem Sony Xperia Z1 Compact auf die Festplatte sichern und von dort auf die neue Karte speichern. Wenige Stunden später hatte ich es dann geschafft. So glaubte ich. In Wirklichkeit kam alles ganz anders.

Samsung microSDXC 64 GB zu einem guten Preis
Samsung microSDXC 64 GB zu einem guten Preis

Auf der Speicherkarte befand sich nur ein Bruchteil meiner gesicherten Daten. Viele Ordner waren leer. Erneutes Kopieren brachte auch keinen positiveren Effekt. Fehlermeldungen gab es keine. Was war denn da los? Das kam mir spanisch vor. Also warf ich einen genaueren Blick auf die neue Speicherkarte. Dabei stellte ich fest, dass die Größe für 64 GB doch etwas unwirklich scheint. Angeblich soll die Speicherkapazität 67 GB betragen. Da kann also schon mal etwas nicht stimmen. Normal wären rund 59 GB. Das nächste Problem vermutete ich beim Dateisystem. Dort kam FAT32 zum Einsatz. Unter Windows kann das durchaus problematisch sein. Microsoft empfiehlt für Flashspeichermedien jenseits der 32 GB generell sein Dateisystem extFAT, harmoniert aber nicht so gut mit Linux.

Fälschung oder einfach nur defekt?

Ich wagte noch ein kleines Experiment — Daten via MTP übertragen. Doch selbst dabei traten die gleichen Fehler auf. Die Karte musste womöglich defekt sein, so meine Vermutung. Über einen Speichertest mit dem Tool H2testw fand ich das relativ schnell heraus. Tatsächlich, 6,8 GB konnten geschrieben werden, der Rest ging flöten. Stand jetzt nur noch die Frage im Raum, ob es sogar eine Fälschung sein könnte. Immerhin wäre die komische Speichergröße ein echter Hinweis darauf. Um dies herauszufinden, bediente ich mich einer kleinen Android-App namens SD Insight. Damit soll man kinderleicht prüfen können, ob die microSD-Karte echt ist. Das Ergebnis ist wenig aussagekräftig: SD Card is invalid. Ob Fälschung oder nur defekte Karte, kann ich nicht hundertprozentig bestimmen.


SD Insight Product Video (August 2014)

Doch liegt die Vermutung recht nahe, dass es eine Fälschung sein dürfte. Defekte Flashspeicher zeigen meist weniger Speicher als normal an, wenn sie beschädigt sind. Die Speicherkarte ist in jedem Fall für mich unbrauchbar. Folglich kontaktierte ich den Verkäufer. Dieser erstattete mir gottseidank prompt mein Geld. Aus diesem ganzen Ärgernis habe ich so meine Lehren gezogen. 64 GB oder mehr sind meiner Meinung nach noch nicht ganz marktfähig. Die verschiedenen Dateisysteme kommen sich noch zu häufig in die Quere. Scheinbar sind viele defekte Karten und Produktfälschungen im Umlauf. Mit meinen 32 GB microSD-Karten hatte ich bis jetzt noch nie großartige Probleme. Daher bleibe ich vorerst bei dieser Speichergröße. Es lebt sich sicherer und spart eine Menge Ärger.

Solange diese “Kinderkrankheiten” nicht behoben wurden, lohnt ein Wechsel in meinen Augen kaum. Zuviel Stress und die große Gefahr von Datenverlust. Wie sind eure Erfahrungen mit 64 GB Flashspeichern?

Update 31.08.2014 — 11:02: Ich wage doch noch einen Versuch. Ich habe mir gestern bei Saturn für ca. 35 Euro die SanDisk Ultra microSDXC 64GB gekauft. Diese zeigt jetzt zumindest die richtige Speichergröße an und scheint laut SD Insight auch korrekt zu sein. Also teste ich das Ganze nun ein bisschen und werde sehen, wie es sich entwickelt.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

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  1. Kommentar von Melanie K. · · #

    Hallo!

    Habe mir vor wenigen Wochen ebenfalls eine 64 GB microSDXC-Karte von Samsung bei Saturn gekauft. Diese läuft mit Adapter am Laptop total unproblematisch, wird im Handy jedoch als beschädigt angezeigt. Verstehe das nicht so ganz, da meine 36 GB unproblematisch funktioniert, es also nicht am Handy liegt. Hast du dazu vielleicht eine Idee dazu? Den Bon habe ich leider nicht mehr… :-(

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Hey Melanie,
    zunächst wäre noch interessant, um welches Smartphone es sich handelt und ob es 64 GB microSD-Karten unterstützt. Hast du die Karte mal mit der App SD Insight getestet? Nur um sicherzugehen, dass es sich dabei um keine Fälschung handelt. Möglicherweise hilft es, die Karte über das Smartphone zu formatieren. Vorher aber die Daten von der Karte sichern.

    Falls das alles nichts bringt, kannst du nur versuchen, die Karte auf Kulanz zurückzugeben. Aber ohne Kassenbeleg wirds schwer.