Highspeed-Internet bis 2018 in ganz Deutschland?

Der Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland steht ja schon längere Zeit auf dem Programm. Die Große Koalition will in ihrer digitalen Agenda den kompletten Netzausbau auf 50 Mbit/s bis 2018 realisiert haben. Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Die Bundesnetzagentur hatte jüngst die minimale Bandbreite von 1 Mbit/s auf 30 Mbit/s angehoben. Schon ein beachtlicher Sprung. Am Freitag veröffentlichte die Berliner Zeitung ein Interview mit Deutschlands Telekom-Chef Niek Jan van Damme. Seine Aussagen sind allerdings weitestgehend schwammig und wage. Wer klare Worte erwartet hätte, wurde bitter enttäuscht. Um die Vorgaben der Regierung erfüllen zu können, seien laut van Damme staatliche Subventionen notwendig, anders würde man das gesteckte Ziel wohl nicht erreichen. Da mag er einerseits recht haben, da der Ausbau auf dem Land kostspielig ist. Erst gestern erzählte mir eine Bekannte, dass bei ihnen auf dem Land eine Glasfaserleitung gezogen wurde, jedoch vorerst liegen bleibt. Die Gemeindeverwaltung wisse nicht, wozu diese schnelle Datenleitung benötigt wird.

Glasfaser (Quelle: Roshan Nikam, Liz. CC BY 2.0)
Glasfaser (Quelle: Roshan Nikam, Liz. CC BY 2.0)

Netzausbau 2014, was erwartet uns 2018?

Provider präferien schon seit längerer Zeit den Einsatz von LTE in ländlichen Gebieten. Die Technik erscheint angesichts des Festnetzausbaus günstiger. Trotzdem handelt es sich dabei um eine Zweckentfremdung, weil ein Mobilfunkstandard als DSL-Ersatz verwendet wird. Meist bekommt der Kunde hier aber nur einen Volumentarif mit anschließender Drosselung. An diesem Konzept hält van Damme auch bei DSL-Tarifen fest. Er halte es weiterhin für eine gute Idee, wenngleich sie mit ihren Drosselplänen auf die Nase gefallen sind. Dem entgegen stellt er neue Technologien, die das Internet in Deutschland noch schneller machen sollen. Beispielsweise die Kopplung von DSL und LTE mit Bandbreiten bis zu 150 Mbit/s. Doch wie schnell muss das Netz wirklich sein? Brauchen wir einen Geschwindigkeitsrausch auf der Datenüberholspur mit anschließendem Volumencrash? Schaut man sich die leitungsbebundene Netzabdeckung im Breitbandatlas mal genauer an, dann offenbart sich ein erschreckendes Bild.

Breitbandatlas: leitungsgebundener Netzausbau bei 2 Mbit/s
Breitbandatlas: leitungsgebundener Netzausbau bei 2 Mbit/s

Bei Bandbreiten von 1-2 Mbit/s werden etwa 50 Prozent Deutschlands zu 75-95 Prozent abgedeckt. Die anderen 50 Prozent haben immerhin eine Netzabdeckung von mehr als 95 Prozent. Diese teils schlechten Ergebnisse wurden durch LTE kaschiert. Da lohnt der Blick auf höhere Werte schon gar nicht. Mit steigender Bandbreite verschlechtert sich auch die Netzabdeckung in Deutschland. Nun sollen bis 2018 alle Haushalte, egal wo diese liegen mit 50 Mbit/s ausgestattet werden? Die Karte spricht eine klare Sprache. Der Großteil Deutschlands wird zwischen 10-50 Prozent mit dieser schnellen Anbindung bedient. Am besten ist das Netz in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ausgebaut. Aber auch nur von 50-95 Prozent. Die Lage in ländlichen Regionen ist nach wie vor katastrophal. Meist kommen die Haushalte nicht über 2 Mbit/s hinaus, wenn sie diese überhaupt bekommen.

Breitbandatlas: leitungsgebundener Netzausbau bei 50 Mbit/s
Breitbandatlas: leitungsgebundener Netzausbau bei 50 Mbit/s

Manchmal ist es sogar erheblich weniger. Bevor wir also die Debatte um noch schnelleres Internet, Volumentarife und Drosselung weiterführen, sollte das Netz in ganz Deutschland richtig ausgebaut werden. Dabei bezweifle ich, das jeder Privathaushalt 50 Mbit/s benötigt. Die Hälfte würde sicherlich genauso ausreichen. Um ehrlich zu sein, sehe ich uns 2018 keinesfalls überall mit 50 Mbit/s surfen. Im Gegenteil, wahrscheinlich wird die Situation nur minimal besser sein als heute. Wie seht ihr das Thema Breitbandausbau? Sind die Forderungen der Großen Koalition berechtigt? Brauchen wir wirklich so ein schnelles flächendeckendes Netz für jede Region? Schreibt mir eure Meinung!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

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  1. Kommentar von André Stoyke · · #

    Hallo.

    Ich fühle mich angesichts der vollmundig „vertönten“ Breitbandansprüche der Regierungsparteien gelinde gesagt „veräppelt“.
    Ich wohne in Berlin – der Hauptstadt – hurra!
    Aber leider ist es bei mir wie bei Asterix: „Ganz Berlin hat super schnelles DSL – nicht ganz Berlin. Ein kleines Gebiet im Nord-Westen hat praktisch nix
    Sieht man auch auf diesen tollen Aufstellern der Telekom: Alles Magenta bis auf „da wo ich wohne“.
    Ja – man darf natürlich auch einen „bis zu 16 MBit“ DSL-Vertrag abschliessen. Bekommen tut man aber nur eine brüchige „wenn da, dann bis zu 756 Bit“-Leitung.
    (Von wegen „Ich bin drin – nee – ähm doch nicht – oder? – ach schade“)

    Seit 2 Jahren habe ich nun Vodafone LTE: Ist recht stabil, mit realen bis zu 20 Mbit, ich muss aber eine „bis zu 50Mbit“ Vertrag haben, um ein halbwegs annehmbares Volumen von 30GB zu haben. Danach nur Edge! Filme Streamen, Online-Videotheken: Ein No-No!
    LTE ist meines Erachtens ein „Annehmbarer Workaround“ aber keine Lösung und keine Ersatz für eine echte DSL-Flatrate!

    Meine Forderung an die Politik: Ziele neu definieren!
    Statt „50 GBit für bis zu 80% (oder wieviel es denn auch sein sollen) aller Haushalte“.
    Bitte „mindestens 10 stabile GBit für reale 100% aller Haushalte!“, meinetwegen auch eine Deckelung auf eben diese 10 GBit!
    Und sollte der Provider dies nicht leisten können:
    - Rückzahlung eines Teils der Grundgebühr
    - Sonderkündigungsrecht für den Kunden
    Meinetwegen auch per LTE-Flatrate (kein Volumentarif!) aber die Drosselung eben auch nur auf ein erträgliches Maß von 5GBit oder so!

    Mit freundlichen Grüßen,

    André Stoyke

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Hallo André, danke für deinen sehr ausführlichen Post. Da kann ich dir nur beipflichten. Was Politik und Provider in diesem Bereich machen, ist oftmals Mist. Die Kunden auf LTE abzuwälzen, wenn der Festnetz-DSL-Anschluss nicht geht oder reicht, ist absolut keine Lösung. Aber das interessiert die großen Provider nicht. Für sie ist es kostengünstiger, einen LTE-Sendemast in die Pampa zu stellen und damit auf einen Schlag unzählige Haushalte mit Internet zu versorgen. Am Ende verdienen sie auch ordentlich dran. Das Kernproblem lässt man jedoch außer Acht: Das Netz wird eines Tages komplett überlastet und zugrunde gewirtschaftet sein. Daher stehen Themen wie Netzneutralität und auch Netzausbau im Fokus. Hier muss etwas passieren!