Schreibmaschine FTW! NSA-Ausschuss stellt um

Der NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages möchte wieder Schreibmaschinen einsetzen. Ja, kein Scherz, sagte am Montag Vorsitzender Patrick Sensburg (CDU) dem ARD-Morgenmagazin. Der Ausschuss denkt wirklich darüber nach, wie man sich vor dem Ausspähen des eigenen “Freundes” (NSA) besser schützen könne. Schließlich kann es nicht sein, dass der amerikanische Gehemindienst auch noch über die Ermittlungen der Bundesregierung informiert ist. Daher denken die Ausschussmitglieder tatsächlich über einen Schritt zu den Wurzeln zurück. An eine Zeit, wo es noch keine Computer gab. Denn diese stehen ja bekanntlich im Fokus der Überwacher. Was ist da also naheliegender, um noch ansatzweise fortschrittlich zu denken? Ganz recht, die gute alte Schreibmaschine. Doch der Weg zum Ursprung hat durchaus seine Tücken.

Schreibmaschine (Quelle: Derek Gavey, Liz. CC BY 2.0)
Schreibmaschine (Quelle: Derek Gavey, Liz. CC BY 2.0)

Schreibmaschinen waren gerade in Kriegszeiten immer im Visier von Militär und Nachrichtendienst. Die Sowjetunion ist für ihre gute Spionageabteilung hinreichend bekannt. Ihnen gelang es zum Beispiel in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts elektronische Kugelschreibmaschinen vom Type IBM Selectric umfassend zu verwanzen. Damit war es ihnen möglich, Geschriebenes nahezu in Echtzeit via Funk zu übertragen. Klingt alles andere als sicher. Der russische Geheimdienst FSO kehrte jedoch vor rund einem Jahr zu dieser antiquierten Technik zurück. Warum? Das ist eine ungeklärte Frage. Möglicherweise haben sie Vorkehrungen getroffen, um den bekannten Sicherheitslücken entgegenzuwirken. Wieso verspotten wir also die Mitglieder des NSA-Ausschusses für dieses Umdenken? Vorsichtig ausgedrückt: Weil Deutschland eben Deutschland ist. In der Spähkrise hat sich unsere Regierung zu keinem Zeitpunkt mit Ruhm bekleckert.

Überwachung mit Fassung tragen, anstatt sie zu verlieren

Die Bundesregierung war scheinbar immer gut darin, durch Nichtstun die Sache unter den Tisch kehren zu wollen. Der Untersuchungsausschuss ist für meine Begriffe ein herber Witz angesichts eines internationalen Super-GAUs. Hinsichtlich der jüngsten Ereignisse frage ich mich so langsam ernsthaft, wie blauäugig BND und Frau Merkel sind. Wie kann man bitte bereitwillig, ohne Gegenleistung, Daten seiner Bürger Freihaus liefern? Unfassbar! Aber Herr Lammert trägt Überwachung ja mit Fassung. Andere verlieren sie bei solchen Aussagen. Erzählt uns ein Patrick Sensburg jetzt etwas von mehr Sicherheit und Schreibmaschinen, dann ist ihm das schallende Gelächter sicher. Der Postillon parodiert diesen Rckueschrifgt wunderbar in seinem gestrigen Artikel Umstellung auf Schreibmaschinen in NSA-Ausschuss “sesna sensationller Efrolg”.


Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!

Die Bundesregierung reagiert nach fast einem Jahr auf den Geheimdienstskandal. Seitdem dümpelt der NSA-Untersuchungsausschuss vor sich hin. Wirkliche Ergebnisse hat er bis heute nicht geliefert. Edward Snowden wurde noch nicht vernommen. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn dies überhaupt noch geschehen würde. Jeden Tag wird mir meine Twitter-Timeline mit neuen Spionagemeldungen zugemüllt. Seit mehr als einem Jahr. Was ist passiert? Nichts! Alle reden nur um den heißen Brei. Mir reicht’s! Ich bin der Hiobsbotschaften überdrüssig, ich will Reaktionen und Taten sehen. Wie kann es sein, dass ein Land das andere, ohne jegliche Konsequenzen, bereitwillig überwachen darf?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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