o2 can't do: Wie fair du künftig dein DSL nutzen darfst

Im Oktober 2013 gab o2 bekannt zum 01. Juli 2014 eine Volumengrenze in die neuen DSL-Tarife einzubauen. Seit 17. Oktober 2013 ist diese geplante Umstellung bereits fester Vertragesbestandteil. Doch aus irgendwelchen Gründen hat die Telefónica-Tochter den Start auf den 01. Oktober 2014 verschoben. Die Vertragsänderung besagt, dass die Tarife All-in M und L drei Monate in Folge mehr als 300 GB Datenvolumen verbrauchen dürfen, ohne Reduzierung der Bandbreite. Ab dem 4. Monat stehen ebenfalls 300 GB zur Verfügung, danach wird der Anschluss auf 2 Mbit/s reduziert. Beim All-in S droht bei Überschreitung der 100 GB-Grenze sofort die Drossel. Wem das nicht genügt, der kann für ca. 5 Euro zusätzlich 100 GB dazubuchen oder für 15 Euro pro Monat eine echte Flatrate erwerben. o2 verkauft diese Tarifkorrektur als Fair-Use-Vorteil.

Reichen 300 GB im Monat für die Web-Nutzung aus?

Auf der Internetpräsenz des Providers wird dem Kunden sehr anschaulich vorgerechnet, wie viel er im Durchschnitt verbrauchen würde. Laut den Angaben der Bundesnetzagentur aus dem Jahre 2012 sollen es ca. 21 GB sein. Da sind 300 GB also dicke ausreichend. Wirklich? Nein, eben nicht. Denn mittlerweile sind fast zwei Jahre vergangen und die Internetnutzung hat sich bei vielen grundlegend geändert. Das Leben vieler Menschen findet vermehrt online statt. Der Fernseher ist immer mehr auf dem sinkenden Ast, die Zukunft gehört Video-On-Demand und Internet-TV. Web-Radios gewinnen zunehmend an Bedeutung. Junge Menschen spielen MMORPGs oder Ego-Shooter, schauen YouTube-Videos oder Skypen mit Freunden. Ich könnte nun unzählige weitere Beispiele anführen, aber es läuft alles auf ein und dasselbe hinaus: Es frisst Bandbreite. Gerade Video-Streaming oder Online-Games zerren ordentlich an den 300 GB.

o2 erklärt den Fair-Use-Vorteile
o2 erklärt den Fair-Use-Vorteile

Da können die durchschnittlichen 21 GB keinesfalls realistisch sein. Von der Nutzung durch mehrere Personen rede ich hier noch nicht mal. Das sprengt definitiv das Datenkontingent. Die Deutsche Telekom rechnete bei ihrer Singvogel-Aktion mit 75 GB maximal. Selbst dieser Wert war wenig wirklichkeitsnah. Immerhin sollten einige Managed Services noch etwas herausreißen, bei o2 entfällt das komplett. Ebenso finde ich nachfolgende Aussage auf der Informations-Seite zum Fair-Use-Vorteil sehr gewagt:

Auch mit der reduzierten Geschwindigkeit kann jeder problemlos surfen, E-Mails abrufen, Facebook nutzen und auch YouTube-Videos ansehen.

Mit 2 Mbit/s problemlos YouTube-Videos schauen?

Das möchte ich zu gern mal sehen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bei einer Drosselung auf 6 Mbit/s wäre ich ja noch mitgegangen. Aber alles, was drunterliegt, ist keinesfalls zeitgemäß. o2 muss man eines zugutehalten, sie begehen nicht die gleichen Fehler, wie die Telekom. Die Netzneutralität lassen sie unberührt, schränken eine reibungslose Informationsgewinnung aber stark ein. o2 verärgert damit Bestandskunden und verschreckt Neukunden. Durch den Vorstoß der Telekom sollte doch mittlerweile klar sein, dass der Kunde keine Gängelung wünscht. Warum macht o2 das? Weil sie ihren Kunden das gleiche Internet gewährleisten wollen. Daher muss für jeden ausreichend Bandbreite bereitstehen. Daher bekommt nun jeder seine Internet-Wertmarke für 10 Sekunden Surfen am Tag. Wir klagen über den stagnierenden Netzausbau. Dabei ist unser Netz in Ballungsgebieten bei 6 Mbit/s durchaus vernünftig ausgebaut. Darüber schaut es dann etwas mau aus.

Breitbandatlas: Breitbandausbau in Deutschland
Breitbandatlas: Breitbandausbau in Deutschland

In ländlichen Regionen tauchen hier und da weiße Flecken auf. Danke liebe Telekom. Aber nichtsdestotrotz besteht derzeit kein Handlungsbedarf, um gegen eine Überlastung des Netzes vorzugehen. Die gibt es aktuell nicht. Was steckt sonst dahinter? Geld, ganz einfach. Bei Smartphone-Tarifen und LTE hat es sich als lukrativ erwiesen. Der Kunde murrt zwar, spielt das Spielchen mit dem High-Speed-Datenvolumen aber brav mit. Andere Provider machen es genauso und einige haben für DSL-Tarife gleichermaßen eine Limitierung. Doch, sie heben sie nicht so prominent in den Vordergrund. Solange ich von solchen Auflagen verschont bleibe, werde ich bei o2 bleiben. Ansonsten bin ich die längste Zeit zufriedener o2-Kunde gewesen! Wie denkt ihr über Drosselung und den Fair-Use-Vorteil?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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