Die Crux mit dem Leistungsschutzrecht

Jetzt wird es wirklich ernst. Die Verabschiedung des Leistungsschutzrechts 2013 war der erste Sieg für Springer, Burda und Co. Doch das Gesetz wurde durch die Bundesregierung schon leicht abgemildert. Den Fürsprechern fällt trotzdem eine mächtige Waffe in die Hände. Seit Wochen fahren die Medien, allen voran Axel Springer, eine unsägliche Schmutzkampagne gegen Google. Es wirkt beinahe so, als würde man seinem größten Vermarkter rotzfrech in die Suppe spucken und anschließend ungeniert neu bestellen. Sie vermitteln ahnungslosen Nutzern, wie abgrundtief böse der Suchmaschinenriese doch sei. Die Datenkrake, schlimmer als die NSA. Dabei geht es gar nicht um die Datensammelwut des Internetkonzerns, sondern ausschließlich um Kohle. Die Verwertungsgesellschaft VG Media, der seit Februar auch Springer sowie 11 weitere Verlage angehören, will nun gerichtlich und kartellrechtlich gegen Google vorgehen.

Schotten dicht! (Quelle: onnola, Liz. CC BY-SA 2.0)
Schotten dicht! (Quelle: onnola, Liz. CC BY-SA 2.0)

Sie hatten zunächst versucht, sich mit Google zu einigen. Aber wir kennen Google nur allzu gut. Mit der GEMA konnte man ebenso wenig eine Einigung erzielen, wie mit den belgischen Zeitungen damals. Also flogen diese kurzerhand aus den Google News. Das Umdenken kam erst im Anschluss an die Aussperrung. Gleiches soll möglicherweise auch VG Media Verlage treffen. Prima, dann bleibt einem der Qualitätsjournalismus bald erspart. Das macht das Internet ein gutes Stück besser. VG Media verlangt allerdings nach der misslungenen Übereinkunft stattliche 11 Prozent des erzielten Umsatzes durch deren Schützlinge. Dreist? Ja! Aber der Fisch kommt noch dicker. Nicht nur Google steht im Kreuzfeuer, auch Microsoft Bing, die Deutsche Telekom und möglicherweise weitere Portale. Journalist Jeff Jarvis spricht gar vom deutschen Krieg gegen den Link. Das trifft es meiner Meinung nach sehr gut. Derweil erobert Axel Springer neue Welten. Beispielsweise kauften sie sich bei dem französischen Start-up Qwant ein. Was machen die? Das gleiche wie Google. Oh Wunder.

Der Wolf im Schafspelz zeigt seine Fangzähne

Da weiß man doch gleich, wo der Hase lang rennt. Springer versucht auf diese Art und Weise an Gewinne zukommen. Dem nicht genug. Neben den Nachrichtenseiten existieren bereits seit Längerem zahlreiche Vermarkterangebote, zum Beispiel finanzen.net. Die landen natürlich genauso in der Suche. Diese möchten bitte auch bezahlt werden. Seo-United hat in einem Blog-Artikel ein recht interessantes Horrorszenario geschildert. Rein theoretisch könnte Google gleich mehrfach blechen. Einmal für die Suchergebnisse mit Nachrichten und Vermarkterangeboten, dazu Werbeanzeigen, geschalten über Google selbst. Natürlich alles powered by VG Media. Der Suchende kann sich vor Qualität kaum retten. Axel Springer ist schon längst auf dem Trip im Internet Geld zu verdienen. Am Ende geht es nur ums Geschäft. Google ist für Springer und Co. ein Problem. Dieses versuchen sie, durch Diskreditierung und gesetzliche Geißelung des Internetkonzerns zu lösen. Traurigerweise hat der Krieg der Leistungsschützer gerade erst angefangen. Seit Jahren vegetiert da quasi eine einseitige Hassliebe.

Googlehupf (Quelle: Katrin Morenz, Liz. CC BY-SA 2.0)
Googlehupf (Quelle: Katrin Morenz, Liz. CC BY-SA 2.0)

Sie wissen genau, dass sie ohne Google Umsatzeinbrüche und schwindende Besucherzahlen zu erwarten haben. Andererseits möchten sie vom süßen Googlehupf naschen. Jedoch zeugt es weniger von einem cleveren Schachzug, dem großen Spießgesellen seinen Lutscher zu klauen. Dann passiert … ja was? Genau, Google wird sauer. Die Haltung ist deutlich, sollten Springer und Konsorten nicht nachgeben, droht das digitale Vergessen. Aber unsere Gerichte ziehen den Springer-Karren sicherlich gerne aus dem Sumpf, zum Leidwesen anderer. Daher wird es Zeit dem Leistungsschutzrecht den Riegel vorzuschieben. Es geschieht, was absehbar war. Das Gesetz dient als Dampfhammer, um ein kapitalistisches Geschäftsmodell abermals zu monetarisieren. Dabei existieren doch genügend andere lukrative Einnahmenquellen. Nein, stattdessen macht man Google willkürlich zur geldscheißenden Wollmilchsau. Der Gewinner ist im Endeffekt entweder Google oder Axel Springer. Dazwischen gibt es nichts. Darin liegt die Crux an der Geschicht.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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