Webnutzung: Gib Bequemlichkeit einen Korb, mach was!

Vorgestern las ich in der Screenguide Nr. 22 Matthias Pfefferles Kolumne “Pfefferles Open Web”. Diesmal ging es ihm um die Nutzung von WhatsApp. Wir wissen, dass die App in den letzten Monaten stark unter Beschuss stand. Neben etlichen Sicherheitslücken war auch der Kauf durch Facebook ein wichtiges Thema. Pfefferle nutzte den Messenger bisweilen mit der oft gehörten Standardantwort: Ich habe doch nichts zu verbergen. Aber die Variable Facebook ändert für ihn nun alles. Plötzlich ist dort ein milliardenschweres soziales Netzwerk, welches mit Nutzerdaten regelrecht spielt. Nun sind seine Daten erstrecht Geld wert. Genauso denken viele andere Nutzer. Daher wanderten sie zum Beispiel zu Konkurrenten wie Threema oder Telegram ab. Doch selbst bei diesen Diensten läuft man als Nutzer irgendwann wieder Gefahr, bei einem Internetriesen zu landen. Pfefferle rät dazu, sich nicht nur auf einem Anbieter zu verlassen, nach Möglichkeit dezentrale Kommunikationswege zu wählen oder sogar ältere Kommunikationskanäle zu verwenden: E-Mail, SMS, Telefon etc.

Twitter Fail Whale (Quelle: HiMY SYeD, Liz. CC BY 2.0)
Twitter Fail Whale (Quelle: HiMY SYeD, Liz. CC BY 2.0)

Seine Sichtweise finde ich recht interessant. Gerade im Bezug auf die andauernde NSA-Affäre und den "Kleinkrieg" gegen Google. Ich bin ebenso ein Verfechter davon, dass wir uns keinesfalls einem Großkonzern verschreiben sollten. Vor mehr als zwei Jahren schrieb ich bereits über die Datenkrake Google und genauso meine Freundin in der jüngsten Vergangenheit über die Auswirkungen der Enthüllungen durch Edward Snowden. Wie anfällig wir beispielsweise sind, zeigte der gestrige Totalausfall von Facebook. Für viele User brach eine Welt zusammen. Gleiches auch bei so manchen Ausfällen von Google-Diensten. Das wirkt dann meist so, als bestünde das Internet nur aus solch großen Webseiten. Wenn diese unerreichbar sind, ist quasi das WWW kaputt. Um dem nun entgegenzuwirken, sollte man sich keinesfalls auf einen einzigen Anbieter konzentrieren. Man muss auch mal über den Tellerrand schauen und andere Dienste entdecken.

Diese gelebte Abhängigkeit resultiert aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus. Weil die Nutzung einfach und problemlos ist, wird es genutzt. Klar, aber was macht ihr, falls die Webseite offline ist? Genau, ihr steht wie der Ochs vorm Tor. Habt ihr euch einem Dienst verschrieben, setzt ihr euch zusätzlich der Gefahr aus, dass das Unternehmen am Ende zu viel über euch weiß, mit euch Geld verdient oder eure Daten in die falschen Hände geraten. Genauso könnten Sicherheitslücken zu Vertrauensverlusten führen, siehe dazu den eBay-Hack.

Ein Jahr NSA-Spionage und was ist passiert?

Nach einem Jahr Späh-Skandal ist für mich eindeutig klar, dass sich kaum etwas geändert hat. Die meisten machen unbeirrt weiter. Sie resignieren förmlich. Tagtäglich erscheinen neue Horrordokumente, die Spionage hier und Spionage dort belegen. Schön, aber was bringen uns all diese Informationen? Wir schlucken sie wie andere ihre Medikamente. Nur bei uns wirken sie nicht. Letztendlich warten wir darauf, dass etwas passiert. Doch, da wird nichts geschehen. Die Bundesregierung wird nicht eingreifen. Der vorgelegte Verfassungsschutzbericht 2013 belegt dies. Laut Verfassungsschutz-Chef Maaßen und Innenminister de Maizière gibt’s über die NSA-Affäre nichts Genaues, nichts Neues oder gar Konkretes. Wundert mich, dass der Skandal überhaupt noch Erwähnung findet. Luca Caracciolo greift die Geschehnisse in seiner Kolumne "Luca Analytics" sehr gut auf. Seitens der Regierung können wir aktuell keine Hilfe erwarten. Also müssen wir uns in erster Linie selbst helfen. Da werden viele nun wieder sagen: Die NSA hat doch ohnehin meine Daten. Ja, die Frage ist aber welche Daten.

Respect PRIVACY!!! (Quelle: filippucci_paolo, Liz. CC BY 2.0)
Respect PRIVACY!!! (Quelle: filippucci_paolo, Liz. CC BY 2.0)

Das wiederum entscheidet ihr. Muss wirklich jede kleine Information über euer Leben im Internet stehen? Müssen sämtliche Partybilder der letzten Betriebsfeier, wo ihr so dicht wie zu wart, bei Facebook landen? Mir geht es auf den Geist, das wir immer nur um den heißen Brei herum reden, aber zu wenig machen. Wir können an der NSA-Affäre und dem Einfluss von Internetkonzernen einiges beeinflussen. Uns muss unsere Internetnutzung bewusster werden. Wir müssen viel mehr kritisch hinterfragen und unsere Ansichten aufs Neue überprüfen. Es liegt teilweise bei uns, ob Google morgen noch die Marktmacht hat oder ein kleines Startup über Nacht zum Überflieger wird. Je nachdem, wie die Masse der Nutzer entscheidet. Genauso ist es uns überlassen, ob wir der NSA Steine in den Weg legen oder die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Das Internet will social sein, hat jedoch wenig soziales abbekommen.

Steht auf, werft eure Bequemlichkeit über Bord und macht was! Kämpft um eure Daten und ein freies Web.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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