Car IT: die verkannte Gefahr der Automobilbranche

Im Jahre 1886 läutete Carl Benz mit seinem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 die Ära des modernen Automobils ein. Seitdem hat sich die Automobilindustrie stetig weiterentwickelt und ist heute ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und in unserem Leben. Das heutige Auto ist nicht länger ein dampfbetriebener Viertakter, der uns von A nach B bringt. Die Autos, die heute auf unseren Straßen fahren, verbrauchen Kraftstoffe wesentlich effizienter als zuvor. Sie sind auch mit etlichen Sicherheits- und Assistenzsystemen ausgestattet, die den Autofahrern im Straßenverkehr und in Notfällen unter die Arme greifen sollen. Es ist heute zu einem Spielplatz multimedialer und technischer Funktionen geworden, mit dem die Hersteller sich gegenseitig zu überbieten versuchen. Bei all der Faghrzeugsicherheit und den Extras, auf die heute gesetzt wird, darf diese aber nicht bei der Sicherheit von Elektronik und Software selbst aufhören.

Oldtimer (Quelle: El Coleccionista de Instantes, Liz. CC BY SA 2.0)
Benz Patent-Motorwagen Nummer 1
(Quelle: Mario Lehmann, Liz. CC BY SA 2.0)

Allein schon das ab 2015 serienmäßige Notrufsystem eCall bei Neuwagen, wirft eine grundlegende Frage in den Raum: Geht es hier wirklich nur um unsere Sicherheit oder dient es wieder nur zur Überwachung? Ich sage nicht, dass diese Funktion grundsätzlich schlecht ist. Solange es nur zum Aussenden von Notrufen dient, ist es sogar eine Bereicherung. Geht die Funktion allerdings über dies hinaus und geht zum Tracking über, stellt es eine Verletzung der Grundrechte eines jeden Menschen dar.

Ein Computer auf vier Rädern, wie bei Knight Rider!

Wer schon immer K.I.T.T. in seiner Garage stehen haben wollte, für den könnte der Traum bald Realität werden. Technik schön und gut, aber wer sich auf all diese Systeme verlässt, der ist verlassen, wenn eines dieser Systeme ausfällt oder schlimmstenfalls gehackt wird. Auch Werkstätten bereitet der Zuwachs an Software im Fahrzeug zusehends vermehrt Probleme. Bei meiner Arbeit in der Vertragswerkstatt sehe ich tagtäglich Kunden die ihre Navigationsgeräte und Radios bei uns aktualisieren lassen, damit wir die Funktionsbereitschaft dieser Geräte gewährleisten können. Doch nicht nur Updates gehören zum breit gefächerten Spektrum an Technik. Genauso Sensoren, Assistenz- und Sicherheitssysteme, in und am Fahrzeug. Diese werden regelmäßig bei Warnsignalen im Display mittels eines Fehlerauslesegeräts auf Fehlfunktionen und die Ursachen dafür überprüft.

Knight Rider K.I.T.T. (Quelle: Sam Howzit, Liz. CC BY 2.0)
Knight Rider K.I.T.T. (Quelle: Sam Howzit, Liz. CC BY 2.0)

Die Software, die dazu benutzt wird, ist meist veraltet und unsicher. So habe ich schon von anderen Herstellern die Verwendung einer Windows 98 Simulation kennengelernt. Wenn die Systeme mit denen die Fahrzeugsoftware bearbeitet wird, schon derart labil ist, wie sieht es dann mit der Software im Fahrzeug selbst aus? Auf der DeepSec 2011 wurde von IT-Sicherheitsexperten nachgewiesen, dass die in Autos eingesetzte Computertechnik anfällig ist. Damals forderte man bereits ein Umdenken der Automobilbranche hinsichtlich der Sicherheit eingesetzter Fahrzeugsoftware. Die Automobilindustrie muss endlich begreifen, dass diese Art von Technik nicht länger allein in die Hände von Mechatronikern gehört. Der Kfz-Mechatroniker kann diesen rollenden Hightech-Computern nicht mehr gerecht werden. Irgendwann wird es in diesem Bereich eine neue Berufsgruppe geben müssen, die den Bereich Kfz-IT fachgerecht abdeckt.

Überall wo Software zum Einsatz kommt, besteht jederzeit die Möglichkeit diese anzugreifen. Wie würde es euch gefallen, wenn die Kontrolle des Fahrzeugs nicht mehr in eurer Hand liegt?


Gastbeitrag, geschrieben von Razcal


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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