Warum die Zerschlagung von Google nichts bringen wird

Die Jagd auf Google hat begonnen, wenn es nach den Presse-Verlagen geht. Der erste Meilenstein war das im vergangenen Jahr verabschiedete Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Darunter tummelte sich als Befürworter auch der Axel Springer Verlag. Mitte April veröffentlichte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE, einen offenen Brief in der FAZ, adressiert an Google-Vorsitzenden Eric Schmidt. Döpfner versucht darin, seiner Angst gegenüber dem Internetkonzern Ausdruck zu verleihen. Vor rund zwei Wochen urteilte der Europäische Gerichtshof, das Google’s Websuche auf Antrag vergessen muss. Damit brachten die europäischen Richter einen Stein ins Rollen. Sigmar Gabriel (SPD) forderte aus dieser Konsequenz die Zerschlagung des Suchmaschinenriesen. Das Leitthema der aktuellen Welt der Wunder Ausgabe (6/14) befasst sich mit dem Welt-Diktator Google.

Heftcover der neuen Welt der Wunder Ausgabe (Quelle: reraiseace)
Heftcover der neuen Welt der Wunder Ausgabe (Quelle: reraiseace)

Diese ganze Kampagne spiegelt meiner Meinung ein vollkommen verzerrtes Bild wieder. Wie gefährlich ist Google und ist der Konzern tatsächlich die Wurzel des Bösen? Ich schrieb mehrfach in meinem Blog über die gefährliche Macht von Internetkonzernen, wie Google oder Facebook. Dieses Thema interessiert uns nicht erst seit gestern. Daher verwundert es mich ein wenig, wie verlogen und blauäugig so mancher Artikel in den Zeitungen oder Online-Magazinen verfasst wurde. Es wirkt beinahe so, als wären wir darüber alle zutiefst schockiert. Böses Google! Wäre ich CDU-Wähler, müsste mir eine ungesunde Gesichtsblässe deutlich anzumerken sein. Im Wahlprogramm zur Europawahl 2014 stand schließlich auch der Punkt auf der Agenda: Europa fit machen für die digitale Zukunft. Das kann doch allenfalls ein schlechter Witz sein. Sind die meisten wirklich so blind auf beiden Guckerchen? Unsere Regierung ist in Sachen Internet ja nicht gerade up to date, aber dass es bereits so schlimm ist …

Die Googleplex-Waffenhändler aus Mountain View?

Das Hauptthema der Wunder Welt Wissen Ausgabe bestätigt, wie seröser Wissenszuwachs funktioniert. Die Berichterstattung ist dürftig und macht aus Google eine totalitäre Geheimmacht. Dies wirft auf die ganze Diskussion ein absolut schlechtes Licht. Wenn man auf solch profane Art und Weise Menschen gegen ein Unternehmen aufhetzt, ist das keinesfalls mehr witzig. Von Sachlichkeit kann an dieser Stelle keine Rede sein. Im Gegenteil, man muss die Kirche mal im Dorf lassen. Google ist ein Unternehmen, wie jedes andere auch. Oder ist die Deutsche Telekom wegen ihrer großen Marktmacht in Deutschland jetzt genauso eine fiese Sekte? Das würde niemand behaupten. Eine Zerschlagung der Konzerne zu verlangen ist absurd und unrealistisch. Nicht Google ist der Auslöser, sondern wir! Selbst wenn man mit der Vernichtung eines Konzerns Erfolg hätte, würde es das Kernproblem nicht mal im Ansatz lösen.

Wir sind das Problem! (Quelle: r2hox, Liz. CC BY SA 2.0)
Wir sind das Problem! (Quelle: r2hox, Liz. CC BY SA 2.0)

Es würden neue Unternehmen entstehen, die genauso arbeiten. Solange abermillionen Menschen tagtäglich Google, Facebook und Co. unbeschwert benutzen und alles mit sich machen lassen, wird sich daran nichts ändern. Wir müssen lernen, mit unseren Daten im Internet sensibler umzugehen. Denn in erster Linie sind persönliche Informationen bei kostenlosen Angeboten die Währung schlecht hin. Das ist schon länger so. Wenn einem das nicht passt, muss man selbst etwas an dieser Situation ändern. Möglich wäre beispielsweise ebenso die Forderung eines internationalen Datenschutzes, um wenigstens die Privatsphäre besser schützen zu können. Google und Konsorten sind hieran keinesfalls schuld. Es ist immer leichter mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, anstatt auf sich. Deshalb geht mir diese Hetzjagd gegen den Strich.

Zumal es übertrieben lächerlich ist. Erst das Leistungsschutzrecht fordern und dann eine bessere Darstellung in Google’s Suche verlangen, sogar mithilfe der EU-Kommission. Der Axel Springer Verlag fährt augenscheinlich eine Schmutzkampagne auf dem Rücken eines doch sehr ernsten Themas. Mathias Döpfner sagte gestern, dass er die Bild-Zeitung zum Qualitätsjournalismus zähle. Hab ich was verpasst? Können wir diese Google-“Debatte” nicht sachlich führen? Sind wir dazu nicht imstande oder wollen wir es schlicht und ergreifend nicht?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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