Was hat sich nach Edward Snowden geändert?

Seit dem NSA-Skandal stürzen sich die Medien immer mehr auf das Thema Sicherheit und Spionage, wie auch Wunderwelt Wissen mit ihrem Leitartikel der aktuellen Mai-Ausgabe Wer spioniert uns aus – und warum? Die “Testperson” Markus durchläuft, wie gewohnt seinen Tagesablauf, ohne zu wissen, welche Datenspur er täglich hinterlässt. Dieser Spur ist Wunderwelt Wissen auf den Grund gegangen und erläutert, wie und wo seine Daten aufgegriffen werden. Während ich das las, wusste ich ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Gleich zu Anfang wird eine seiner Apps beschrieben, die seine Leistungen und den Standort beim Joggen aufzeichnet und ihm die Möglichkeit bietet, es auf Facebook zu teilen. In einer weiteren Passage, zückt er beim Einkauf flux die Kundenkarte, weil Frau unbedingt ein Edelstahlkochset haben will, dass man ab einer bestimmten Anzahl Treuepunkte bekommt.

[…] In einer Preisvergleich-App hat er einen Alarm eingestellt: Der Laptop, den er sich schon lange kaufen möchte, ist unter sein Preislimit gefallen. Markus drückt schnell auf Kaufen und dreimal auf Okay. Widerrufsbelehrung, AGBs, Kreditkarten-Daten – in zwei Tagen kommt das Paket. […]
Quelle: Wunderwelt Wissen 05/14, Seite 25

Der Artikel erweckt eher den Eindruck eine Datenflut zu provozieren, anstatt das Datenaufgebot so gering wie möglich zu halten. Was hier für viele im ersten Moment wie ein Fake wirkt, ist im wahren Leben mitunter bittere Realität. Aus eigener Erfahrung, etwa von Kollegen, Bekannten oder Situationen, die man auf der Straße aufschnappt, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass genau dieses fiktive Profil von Nutzer auf manche Menschen im realen Leben wirklich zutrifft.

Wir brauchen ein Update für unsere Internetnutzung

Trotz Edward Snowden’sOffenbarung” haben viele Menschen ihr Nutzerverhalten nicht geändert. Warum eigentlich? Auf diese Frage antworteten mir die meisten: Ich habe nichts zu verbergen, sollen sie doch schnüffeln… oder Die kommen sowieso an unsere Daten, warum sollte ich mich also verstecken? Einige hatten bis vor kurzem vom NSA-Skandal nicht einmal gehört und konnten mit dem Namen “Edward Snowden” absolut nichts anfangen. Selbst Politiker besitzen in diesem Punkt alles andere als Fachkompetenz. Würden sie unter dem Begriff “Phoning Home” eher eine Anspielung auf den Filmklassiker E.T. – Der Außerirdische oder das Senden von Daten an einen Zielserver verstehen? Um es auf den Punkt zu bringen: Viele Nutzer, wie auch die deutsche Bundesregierung, haben das Web 1.0 nicht wirklich miterlebt und wurden praktisch in das von sozialen Netzwerken überflutete Web 2.0 geschubst.

Seht, die NSA! (Quelle: EFF, Liz. CC BY 2.0)
Seht, die NSA! (Quelle: EFF, Liz. CC BY 2.0)

Dass hier vielen der richtige Umgang mit diesem Medium fehlt, haben allein schon die User der iShareGossip-Plattform bewiesen. Auch Facebook scheint für viele Menschen Hauptinhalt ihres Lebens zu sein. Wenn Sie alle fünf Sekunden den Beziehungsstatus aktualisieren, um zu sehen, wer von beiden zuerst “Single” in den Status setzt, statt den Partner persönlich zu fragen. Für einige, vor allem jüngere Nutzer ist das Internet wie ein neues, teures Smartphone, dass Mammi und Pappi umbedingt kaufen müssen. Alle anderen haben das ja auch und… Aber wie man es richtig und vor allem sicher benutzt, ist den meisten schlichtweg egal. Es ist bereits fünf nach zwölf. Deshalb müssen Heranwachsende in der Schule den richtigen und sicheren Umgang mit dem Internet lernen. Auch die Erwachsenen unter uns sollten in dieser Thematik auf den neusten Stand gebracht werden. Wenn wir jetzt nicht reagieren, was erwartet uns falls wir den Anschluss ganz verlieren?

Commodore 64 (Quelle: Blake Patterson, Liz. CC BY 2.0)
Commodore 64 (Quelle: Blake Patterson, Liz. CC BY 2.0)

Vor einem Brotkasten sitzen und zum Einschalten die Steinkurbel drehen? Ich denke keiner möchte ungefragt Teil einer schlechten Real-Satire von Big Brother sein. Wie denkt ihr darüber? Sind euch eure Daten so wenig Wert, dass ihr sie freiwillig rausrückt? Würden Lehrgänge oder Unterrichtsstunden zum Thema “Datenschutz und Internetnutzung” euer Meinung nach etwas bewirken?


Gastbeitrag, geschrieben von Razcal


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

0 Kommentare

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.