Der Hype auf GitHub's Atom-Editor ist überzogen

Vor wenigen Tagen hat GitHub seinen Quellcode-Editor Atom für die Öffentlichkeit freigegeben und den Sourcecode auf der eigenen Plattform veröffentlicht. Bislang können lediglich Mac-Nutzer eine bereits kompilierte Version herunterladen. Alle anderen Nutzer müssen selbst ans Werk. GitHub bietet hierzu entsprechende Anleitungen an. Später sollen aber ebenso Windows und Linux Versionen folgen. Momentan ist Atom wahrlich etwas für echte Entwickler. Viele Webseiten schwärmen nahezu von diesem neuen Editor. Also Grund genug, mir Atom auch anzuschauen und zu prüfen, ob dieser mit Sublime Text mithalten kann. Denn es ist seit dem Erscheinen von Sublime Text 2 wirklich wirklich schwer dagegen anzukommen. Es gibt meiner Meinung nach nichts Besseres auf dem Markt. Na schauen wir mal, wie sich Atom schlägt.

Sublime Text vs. Atom — Klon oder nicht, das ist hier die Frage.
Sublime Text vs. Atom — Klon oder nicht, das ist hier die Frage.

Atom: Der Klon im Schafspelz oder so ähnlich

Beim ersten Besuch der Webseite atom.io springt mir direkt die bestechende Ähnlichkeit der Benutzeroberfläche zu Sublime Text ins Auge. Nicht gerade der beste Eindruck. Anschließend warf ich einen Blick auf den Funktionsumfang.

  • File system browser
  • Fuzzy finder for quickly opening files
  • Fast project-wide search and replace
  • Multiple cursors and selections
  • Multiple panes
  • Snippets
  • Code folding
  • A clean preferences UI
  • Import TextMate grammars and themes

Das klingt toll, aber Sublime Text beherrscht eben jene Features aus dem Effeff. Bereits vor der eigentlichen Verwendung muss man sich die Frage stellen: Ist Atom ein Sublime Text Klon? Ja, irgendwie schon würde ich sagen. Auch wenn viele Teile von Atom anders oder neu entwickelt wurden, erweckt es auf jeden Fall den Eindruck einer Sublime-Kopie. Sogar das bekannte Schnellmenü aus Sublime Text wurde eiskalt übernommen. Ich weiß nicht, was sich GitHub da gedacht hat. Das Programmpaket ist rund 300 MB groß. Da kommt nun Sublime Text mit gerade mal ca. 18 MB daher und sticht Atom ins Mark. Zwar hat der GitHub-Editor eine große Palette an Komponenten integriert, darunter beispielsweise Node.js und CEF. Trotzdem halte ich das Gesamtpaket vom Umfang her reichlich überdimensioniert. Das ist nichts, was man gerne auf seinem USB-Stick mitnimmt.

Der wahre Editor des 21. Jahrhunderts ist Sublime Text!

Ansonsten verläuft der Test genauso, wie ich es erwartet habe. Ernüchternd. Atom wirkt nicht nur wie eine Kopie von Sublime Text, sondern ist in vielen Punkten wirklich eine. Das hat zwar den Vorteil, das man sich gleich zu Hause fühlt, doch Freude beim Arbeiten entsteht da meines Erachtens keineswegs. Daher kann ich den wachsenden Hype auf Atom absolut nicht teilen oder gar verstehen. In meinen Augen ist der Editor ein Klon des besten Editors des 21. Jahrhunderts. Sublime Text verfügt unangefochten über einen unschlagbaren Gesamtumfang samt umfangreicher Erweiterbarkeit. Von GitHub hätte ich mehr erwartet, als das. Somit enttäuscht Atom bislang auf ganzer Linie. Was sagt ihr zu Atom?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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