App.net ist mit seiner Strategie gescheitert

Traurig, aber wahr. Gestern Abend gaben die App.net-Gründer Dalton Caldwell und Bryan Berg im Firmenblog bekannt, sämtliche festangestellte Mitarbeiter zu entlassen. Sogar Caldwell und Berg werden von der Gehaltsliste verschwinden. Damit offenbart sich ein trauriges Bild. Vor rund 2 Jahren wurde die werbefreie und kostenpflichtige Alternative zu Twitter ins Leben gerufen. Es sollte vor allem Entwickler einen besseren Zugriff auf die API erlauben und gleichzeitig die Privatsphäre seiner Nutzer wahren. Der Punkt, das App.net nicht gratis ist, stellte dem Startup immer wieder ein Bein. Trotzdem fanden sich zahlenden Kunden und die Idee dahinter klang zu Anfang vielversprechend. Doch nach einem knappen Jahr kam der erste Schwenk in Richtung Freemium. Nutzer konnten nun auch kostenlose Accounts anlegen, welche jedoch eingeschränkt sind. Was nach einem Schritt in die richtige Richtung klingt, ist allenfalls eine logische Konsequenz.

API-Dokumentaion für App.net Entwickler
API-Dokumentaion für App.net Entwickler

Aus Nutzersicht sicherlich erfreulich, aus dem Blickwinkel der App.net-Gründer aber unerfreulich. Warum? Es scheint offensichtlich, das auf diesem Wege neue Nutzer angelockt werden sollten und diese später hoffentlich auf das kostenpflichtige Paket umstellen. Wer nun aber bereits auf Twitter vertreten ist, sieht eigentlich keinen so großen Anreiz darin, ebenso bei App.net mitzumachen. Den Effekt kann man übrigens, damals wie heute, gut beobachten. Schaut einfach mal, welche Unternehmen aktiv auf Twitter sind und der eventuell vorhandene App.net Account genutzt wird. Das Ergebnis ist ernüchternd. Meist landen die Updates von Twitter via IFTTT auch direkt bei App.net. Da kann man beim besten Willen keinen Mehrwert erkennen. Nur wenige versuchen, die Chance in der Plattform zu sehen. Egal wie man das Blatt dreht und wendet: App.net ist ein Geisterdorf. Hier trifft es wirklich zu.

App.net Account Upgrades
App.net Account Upgrades

Schuld sind wohl die Ähnlichkeiten zu Twitter und das Freemium-Modell. Dieser Leidensweg rückt die gestrige Ankündigung ins passende Licht. Der Schritt erscheint dadurch logisch und unvermeidbar. Gleichermaßen sollen einige Teile des Projekts sogar Open Source werden. Sicherlich erinnern sich noch einige an den Kreuzweg von Diaspora*. Da war das Ganze am Ende auch nicht sonderlich rosig. Wenngleich die Idee überzeugte. Ich finde es schade, das App.net nun ein ähnliches Schicksal erwarten könnte. Entweder geht das soziale Netzwerk vorher ein oder wird irgendwann quelloffen an die Community abgegeben. Der Gedanke hinter App.net hat mir gefallen. Aber es fehlen überragende Features und eine einmalige Nutzererfahrung. Sogar der erst kürzlich gestartete Broadcast-Service reist das Ruder nicht herum.

App.net ist keinesfalls etwas Besonderes, hätte es aber sein müssen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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