Windows XP Ende: Whistler, wisper, sind wir sicher?

Am 8. April ist es so weit, der Support für Windows XP endet endgültig. Eigentlich stand das Betriebssystem bereits 2007 vor dem Aus. Angesichts des Vista-Flops lenkte Microsoft jedoch ein und verlängerte bis 2014. Mittlerweile hat Windows XP den vierten Nachfolger, wenn man Windows Blue dazuzählen möchte. Nach rund 13 Jahren gibt es keine Updates mehr für das betagte Betriebssystem. Grund genug, endlich an einen Wechsel zudenken. Doch im Grunde ist das schon viel zu spät. Als ich gestern auf Heise von der Bitte des Bundeslandes Niedersachsen las, ging mir der imaginäre Hut hoch. Wie kann es bitte sein, das ein Bundesland bei Microsoft nach einer Supportverlängerung für sie fragt, nur weil die Systemadministratoren der öffentlichen Verwaltung bis dato keine erfolgreiche Migration auf Windows 7 bzw. 8 hinbekommen haben. Zu den Kosten wollen sie natürlich nichts sagen, aber man kann davon ausgehen, dass die Summe nicht gering sein wird. Aber der Steuerzahler soll es richten.

Windows XP Bootscreen (Quelle: Timothy Tsui, Liz. CC BY-SA 2.0)
Windows XP Bootscreen (Quelle: Timothy Tsui, Liz. CC BY-SA 2.0)

Unsere Bundesregierung setzt auch noch fleißig auf Windows XP. Demnach dürfte vermutlich ein Großteil aller Computer der gesamten behördlichen Verwaltung niemals Windows 7 gesehen haben. Selbst Bankautomaten werden zahlreich mit Windows XP bespielt, ebenfalls Systeme an Flughäfen, in Bussen, Straßen- oder U-Bahnen. Selbst im Industriebereich ist Windows XP weit verbreitet. Bei den zuletzt genannten Einsatzgebieten darf man allerdings nicht vergessen, dass hier sehr oft Spezialsoftware eingesetzt wird. Diese läuft mitunter auf modernen Systemen nicht mehr. Trotzdem ist das für mich keine Rechtfertigungen die Sicherheit zu vernachlässigen. Ich frage mich, was die Administratoren dort den ganzen Tag machen. Ein löchriges System zu flicken ist einerseits nervig, andererseits steckt erheblicher Arbeits- und Kostenaufwand dahinter. Oder man schaut seelenruhig zu. Wieso also untätig zusehen oder bis zum Ende warten? Besser rechtzeitig migrieren, anstatt später den Schwarzen Peter ziehen.

Alle Windows XP Rechner nach Supportende gefährdet

Viele Nachrichtenportale schreiben, dass ab 8. April all diese Systeme unsicher sind. Wirklich? Ja, das waren sie vorher genauso. Spätestens mit Erscheinen des ersten Servicepacks für Windows 7 hätte ein Ruck durch eben jene Infrastrukturen gehen müssen. Allesamt gelten sie als kritisch und entsprechend schaut es mit deren Sicherheit aus — kritisch. Die Banken loben ihre Systeme über alles, dabei existieren so viele Einfallstore für Hacker und Betrüger. Jeder Geldautomat ist eine Hintertür. Daten von Bürgern sind in der öffentlichen Verwaltung offenkundig weniger geschützt. Wir reden jedoch ständig über weitere Instrumente, wie ePerso, eGK usw. Angesichts des Supportendes entpuppt sich die Situation als absolut brenzlich. Folglich werden vernutlich auch Softwareentwickler keinerlei Updates ihrer Produkte für Windows XP anbieten. Also veraltetes Flash, Java und löchriger Acrobat Reader sind nur wenige Folgen.

Windows XP, ein Risiko (Quelle: robin bos, Liz. CC BY 2.0)
Windows XP, ein Risiko (Quelle: robin bos, Liz. CC BY 2.0)

Microsoft hätte die Unterstützung für Windows XP schon vor mindestens 3 Jahren einstellen müssen. Keine Frage, das Betriebssystem ist eines der meistgenutzten und besten Betriebssysteme, aber findet in Windows 7 einen überragenden Nachfolger. Ich mache mir nun berechtigte Sorgen um unsere IT-Strukturen. Mir wird ganz anders, dass die deutsche Bundesregierung immer noch mit Windows XP arbeitet, wobei die meisten Unternehmen mittlerweile seit vielen Jahren Windows 7 verwenden. Selbiges gilt für Banken und Co. Ein starker Schutz kritischer Strukturen ist unerlässlich. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Sind meine Daten in den Händen der Regierung sicher? Ist mein Geld bei der Bank gut aufgehoben? Über diese Fragen müssen wir eingehend nachdenken und das eigentlich bereits vorvorgestern. Ich fühle mich unwohl und ihr?


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.

  1. Kommentar von Didi · · #

    kenne bis heute keinen vernünftigen grund um von windows xp auf irgendeinen nachfolger umzusteigen. und dies gilt auch jetzt, nach dem 13 jahre lang an irgendwelchen, exotischen lücken rumgewurstelt wurde, anstatt, im zeitalter von digitalen signaturen und sha-512, grundlegend ein sicheres system zu konzipieren. ok, ich hatte in den letzten 7 jahren 2 mal ein datendesaster, aber nicht wegen xp, sondern wegen java, und wegen dem raid-controller.
    wer mit m$ mitverdient, der wird natürlich xp totbuhen, ähnlich wie jetzt die protzstücke von 100hz-flach-röhren-tvs auf den müll geschmissen werden, als wären sie damals der letzte dreck gewesen.
    und wenn ich schon geld zukünftig ausgeben werde, dann schenke ich es nicht micro$oft, sondern kaufe mir und nem sandler auf der strasse lieber ´ne grosse schokolade drum. ;-) gäbe es ein wirklich besseres os, als xp, ich hätte es längst gekauft und es genossen.
    p.s.: wie kommst du drauf zu glauben, dass dein geld auf der bank sicher sein sollte? blick doch mal zurück nach zypern…

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Das habe ich auch nicht behauptet. Was die Banken mit dem Geld ihrer Kunden machen, ist noch eine andere Sache.

    Ich sag mal so, Windows XP war gut. Aber seit Windows 7 hat sich das Blatt gewendet. Darin findet XP einen sehr würdigen Nachfolger. Windows 8 muss ja nicht unbedingt sein, das ist auch ein wenig Geschmackssache, aber sicher sollte ein Betriebssystem schon sein. Windows XP hat nunmal seine Anfälligkeiten und der weggebrochene Support macht es nicht besser. Tauchen nun neue Sicherheitslücken auf, wird es keinerlei Patches mehr dafür geben. Dann steht man da.

    Wenn du dein Geld nicht Microsoft schenken willst, ist das deine Sache. Linux soll ja auch ganz gut sein.