Microsoft durchsucht ungefragt Hotmail-Konto

Bereits gestern wurde bekannt, dass ein ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter unveröffentlichte Windows 8 RT Versionen verbreitet hat. Mittlerweile nahm ihn die Polizei wegen Geheimnisverrat fest. Allmählich kommt ans Licht, wie der Redmonder Konzern vorging. Sie durchsuchten nach reiflicher Überlegung und im Beisein eines Anwalts das Hotmail-Konto des Beschuldigten. Microsoft sieht sich mit dieser Aktion auch noch im Recht. Denn laut ihrer Datenschutzrichtlinie steht ihnen dies zu. Andere E-Mail Dienstleiter wie Gmail oder Yahoo! Mail haben diese Klausel ebenso in ihren Geschäftsbedingungen vermerkt. Die Gerichte würden keine Erlaubnis erteilen, um sich selbst zu durchsuchen. Klingt eher schizophren. Wobei es hier um E-Mail-Accounts von Nutzern geht, deren Privatsphäre womöglich schützenswert ist. Kurz gesagt: Microsoft bekommt keinen Gerichtsbeschluss, weiß sich nicht anders zu helfen und schaut einfach selbst nach. Natürlich ohne Einverständnis des Kontobesitzers.

Microsofts fragwürdige AGB-Klauseln für vollen Zugriff
Microsofts fragwürdige AGB-Klauseln für vollen Zugriff

Als Nutzer finde ich das gelinde ausgedrückt eine bodenlose Frechheit. Mir ist bewusst, dass sie damit eine Straftat aufdecken wollten. Dagegen spricht nichts, allerdings sollte der Schutz des Kunden im Vordergrund stehen. Hoffentlich gehen unsere Datenschutzbeauftragten auf die Barrikaden. In Deutschland wäre so eine Vorgehensweise untragbar. Vor knapp einem Jahr landete Yahoo! Mail einen ähnlichen Skandal. Für Benutzer bleiben nur wenige Wege offen. An einer vernünftigen E-Mail-Verschlüsselung via PGP, führt kein Weg vorbei. Zudem sollte man bei kostenlosen E-Mail-Diensten unbedingt die AGBs beachten und zugleich bei sensiblen Informationen aufpassen. Einem Anbieter darf man niemals vertrauen, das macht Microsoft noch einmal deutlich. Denn sie können alle E-Mails lesen. Ob Mail-Konten im großen Stil überwacht werden, sei mal dahingestellt. Die Möglichkeit genügt bereits.

Dank Edward Snowden wissen wir, was die NSA den lieben langen Tag macht. Ich bin immer noch der festen Überzeugung all seine Online-Dienste niemals an ein einziges Unternehmen zu binden. Zugleich muss man immer mit Verrat rechnen. Unternehmen, wie Microsoft, Google oder Facebook wollen Geld verdienen. Da sind ihnen Nutzerrechte vollkommen egal. Wir, die Kunden, dürfen uns diesen Einschnitt nicht gefallen lassen!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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