United Internet sagt Werbeblockern den Kampf an

Besucher der Webseiten GMX und Web.de bekommen seit heute einen sehr merkwürdigen Hinweis, sofern sie denn seitenmanipulierende Addons in ihrem Browser verwenden. Die Sicherheit ihres Rechners wird durch ein Firefox/Chrome Add-on eingeschränkt. So lautet die vermeintliche Warnung. Dabei handelt es sich allerdings nicht um wirkliche Schutzmechanismen. Die verlinkte Webseite browsersicherheit.info gehört ebenfalls zur 1&1 Tochter. Unter den potenziellen Gefährdungen befinden sich vorwiegend Adblocker, gefolgt von einigen wirklich bösartigen Erweiterungen. Diese fügen, im Gegensatz zu Werbeblockern zusätzliche Anzeigen hinzu. Hier lauern durchaus ernste Gefahren. Allerdings verfolgt die ganze Aktion wohl nur das Ziel, Nutzer dazu zubringen ihre Adblocker zu entsorgen. Dabei scheint United Internet jedes Mittel recht. Denn in meinen Augen spielen das Unternehmen geradezu mit der Dummheit der Leute. Frei dem Motto: Oh. Eine Sicherheitsbedrohung, sofort reagieren!

Adblocker — schlecht für die Werbeindustrie, aber gut für uns

Bereits in der Vergangenheit ging ich immer mal wieder auf dieses Thema ein. Es ist nach wie vor ein zweischneidiges Schwert. In den Gesichtern der Werbetreibenden sind solche Addons eine Katastrophe. Sie treiben ja gerade zu einen ganzen Berufsstand in den Ruin. Wirklich? Nein, dezent überspitzt. Aber wenn es nach ihnen gehen würde, dann bestünde eine Webseite nur noch aus Werbung. Man kann’s auch übertreiben. Denn diese Art und Weise führte über die Jahre hinweg zu genau diesem Ergebnis. Ergo — Adblocker entstanden, weil die Werbemafia es übertrieben hat. Aufregen ist leichter als sich eine Schuld einzugestehen und den Kurs zu ändern. Stattdessen versuchen sie nun die Werbeblocker auszuhebeln. Dieses zweifelhafte Ziel gelinkt über zwei Wege. Einerseits mit dem gezielten umgehen der Plugintechnik und andererseits mittels solcher Kampagnen, wie United Internet sie gerade anleiert. Beides soll dazu führen, das Nutzer wieder den Zugang zur Werbung finden. Wollen wir das?

trügerischer Sicherheitshinweis bei GMX und web.de
trügerischer Sicherheitshinweis bei GMX und web.de

Wahrscheinlich nicht, andernfalls würden sie diese wohl kaum blocken wollen. Denn Werbung ist für viele Menschen schlichtweg störend. Mich persönlich nervt es auch, wenn ich beim Lesen eines Artikels von blinkenden Anzeigen abgelenkt werde. Bei der Offensive einiger großer Tageszeitungen im Mai 2013 war es keineswegs anders. Ich kann ja verstehen, dass größere Projekte auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind und die meisten Einnahmen über Anzeigen generieren, aber alles muss doch in einem gewissen Rahmen bleiben. Und genau das, wollen unzählige Betreiber nicht einsehen. Was 1&1 hier jetzt macht, ist geradezu schon “böswillig”. Anstatt eines ehrlichen Aufrufs, versuchen sie ihre Nutzer zu verscheißern. Denn Werbeblocker stellen keinesfalls eine Gefährdung dar, sondern schützen sogar vor Angriffen. Werbeeinblendungen werden recht häufig zur Malware-Verbreitung missbraucht. Innerhalb kürzester Zeit mutieren harmlose Seiten zu gefährlichen Virenschleudern.

Vorsicht vor fiesen Addons, insbesondere Adblockern
Vorsicht vor fiesen Addons, insbesondere Adblockern

Also, lasst euch auf keinen Fall von dieser Meldung etwas Falsches einreden. Euer Browser ist mit Werbeblockern, wie Adblock Edge, AdBlock und Co. sicherer. Über Adblock Plus kann man streiten. Den Einsatz halte ich wegen dem fragwürdigen Umgang der sogenannten “Acceptable Ads” für bedenklich, das ist allerdings eine andere Baustelle. Sascha Pallenberg hat hierzu zahlreiche Informationen veröffentlicht. United Internet manipuliert augenscheinlich gezielt seine Seitenbesucher, um sie zur Deinstallation jeglicher Adblocker zu bewegen. Denn es geht ja um die Sicherheit. Da lassen sich viele leicht beeinflussen, gerade wenn man am PC nicht so fit ist. Daher kann ich nur dazu raten, solchen Hinweisen, egal wo diese erscheinen, keinen Glauben oder gar Vertrauen zu schenken. Ob ihr Werbeblocker verwendet, bleibt allein eure Entscheidung.

Update 27.02.2014 – 15:54: Von allen Seiten gab es heftige Kritik, aber das Unternehmen beharrt weiterhin auf ihrem Standpunkt, dass man die Nutzer nur schützen wolle. Na, wer es glaubt.

28.02.2014 – 17:47: Das BSI sieht in Adblockern ebenso wenig eine Gefahr, wie bekannte Antivirenanbieter. Beispielsweise blockt G Data sogar die Informationsseite browsersicherheit.info. Seitens Adblock Plus gibt es zwar keine Stellungnahme, aber eine Sperrliste für die Warnmeldung.

01.03.2014 – 18:07: Die Informationsseite der zweifelhaften Aktion scheint nicht mehr erreichbar zu sein. Jedenfalls erhalten Seitenbesucher den Fehlercode 404 — Not Found. War’s das?

01.03.2014 – 22:53: Okay, die Seite ist wieder online, aber sämtliche Werbeblocker wurden aus der Liste entfernt. Zusätzlich ist nun klar erkennbar, das es sich um einen Dienst von GMX und Web.de handelt.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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