WhatsApp-Kauf: 19 Mrd. Dollar für unsichere Software?

Facebook kauft WhatsApp. Diese Nachricht verursachte gestern ordentlich Wirbel. Für unfassbare 19 Milliarden US-Dollar ergattert Mark Zuckerberg den erfolgreichsten mobilen Chat-Client. Dagegen wirkt sogar der Motorola-Deal wie eine gut einstudierte Lachnummer. Google äußerte ebenfalls Interesse an WhatsApp, allerdings nur mit ca. 10 Milliarden. Facebook verdoppelt nahezu. Unglaublich, denn soviel wurde noch nie für ein Startup geboten. Jetzt stellt sich allerdings die Frage: Goldesel oder teure Schrottsoftware? Denn um die Sicherheit bei WhatsApp steht es eher schlecht. Andererseits läuft der Dienst trotz solcher Eskapaden extrem erfolgreich. Man könnte fast schon behaupten, dass die Gründer Jan Koum und Brian Acton das Chatten revolutioniert hätten. Eine solche Erfolgsstory aus dem Silicon Valley dürfte dem Geschmack von Zuckerberg entsprechen. Schließlich fing er selbst mit einer ähnlich erfolgreichen Geschichte an.

Facebook macht mobil — soziales Netzwerk trifft Chat

In den letzten Jahren hat sich im Web 2.0 vieles verändert. Der Trend mobiler Endgeräte nimmt stetig zu. Daher versucht Facebook seit Längerem, auf diesen Zug aufzuspringen. Das ist gar nicht so einfach. Zusätzlich brechen dem sozialen Netzwerk Nutzer weg. Kaum zu glauben? Ist aber so. Gerade Jugendliche suchen nach anderen Kommunikationswegen, wie beispielsweise mobilen Chats. Bereits im vergangen Jahr versuchte Facebook den Messenger-Dienst Snappchat für 3 Milliarden zu kaufen. Doch die Offerte wurde eiskalt abgelehnt. Mark Zuckerberg bezeichnet das kleine Unternehmen als “Privatsphären-Phänomen”. Nein, das wäre kein guter Deal geworden. Aber durch den WhatsApp-Kauf schaut die Welt jetzt ganz anders aus. Im Grunde hat der Wal den Hai gefressen.

Mark Zuckerberg (Quelle: deneyterrio, Liz. CC BY 2.0)
Mark Zuckerberg (Quelle: deneyterrio, Liz. CC BY 2.0)

Das versetzt Facebook in eine völlig neue Ausgangssituation. Endlich können sie ihr soziales Netzwerk viel erfolgreicher mit mobilen Chats verknüpfen. Der Facebook Messenger gehört sicherlich bald der Vergangenheit an. Nun sollte Mark Zuckerberg keine Angst mehr vor dem mobilen Zeitalter haben. Denn jetzt ist er mittendrin. Gerade junge Nutzer lieben WhatsApp förmlich. Zuckerberg hat alles richtig gemacht und die Zeichen der Zeit erkannt. Wahrscheinlich auch genau zum richtigen Zeitpunkt. Fraglich ist nur, wieso zuvor das Angebot auf Snapchat kam. Damit wäre Facebook zwar auf den mobilen Markt gekommen, aber keinesfalls als Überflieger. So setzen sie Googles Ökosystem eine starke Kraft entgegen. Der Kampf um den mächtigsten Konzern im Social Web ist noch lange nicht entschieden. Wo Licht ist, da existiert auch Schatten.

WhatsHack: So unsicher ist der Chat-Client!

Um die Sicherheit von WhatsApp steht es ausgesprochen schlecht. Wie oft las ich im vergangenen Jahr von irgendwelchen Sicherheitslücken innerhalb des Clients. Aber man konnte reden, wie man wollte, es interessierte kaum einen. Viel wichtiger war das tolle Chatten. Sobald einem jedoch der Account unter der Nase weggemopst wurde, war das Geschrei groß. Hat sich was geändert? Nein! Bleibt zu hoffen, das Facebook wenigstens in Punkto Sicherheit reagiert. Bei der Privatsphäre braucht keiner hoffen. Dafür sollte das soziale Netzwerk bekannt sein. Privatsphäre gibt’s, aber nicht bei Facebook! Demnach dürfte es wenig verwundern, wenn in naher Zukunft Nutzerdaten einfach so verscherbelt werden und eine umfangreiche Profilbildung stattfindet. Natürlich warnen bereits unsere deutschen Datenschützer vor beiden Diensten. Irgendwo verständlich.

WhatsApp Symbol (Quelle: Sam Azgor, Liz. CC BY 2.0)
WhatsApp Symbol (Quelle: Sam Azgor, Liz. CC BY 2.0)

Ich möchte jetzt keinen dazu bringen, auf WhatsApp oder Facebook zu verzichten. Das ist euch überlassen, doch ein Blick über den Tellerrand schadet nie. Gibt es eigentlich brauchbare Alternativen, die vielleicht sogar NSA-Safe sind? Die Antwort darauf beschreibt am besten nachfolgender Tweet von Matthias Bauer. In seinem Blog findet ihr die Langfassung.

Kurzversion: Threema ist Closed Source, Telegram ist nicht sicher, Hemlis existiert nicht, OTR ist asynchron nicht gut, Zentrales eh nicht.
Matthias Bauer (@moeffju) 20. Februar 2014

Also kurz um: Der WhatsApp-Deal ist einerseits unglaublich, andererseits überschattet durch mangelnde Sicherheit und Privatsphäre. Dank des NSA-Skandals erscheint der Kauf eigentlich auch in einem düsteren Licht. Wobei die wenigsten Nutzer etwas an ihrem bisherigen Verhalten ändern. Trotzdem sollte jeder darüber nachdenken, ob WhatsApp in Kombination mit Facebook noch vertretbar scheint. Ansonsten sucht euch besser eine andere Alternative.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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