GEMA & Co: Das Internet ist dem Urheberrecht sein Feind

Die Woche wurde von einem unschönen Gerichtsurteil und Diskussionen über das Urheberrecht auf EU-Ebene überschattet. Das Landgericht Köln ließ verlauten, das jegliche Bilder der Foto-Plattform Pixelio einen Urheberrechtshinweis tragen müssen. Es genüge keinesfalls, wenn dieser Vermerk ausschließlich unter dem Bild stünde. Nein, denn jeder Laie könne das Foto einzeln aufrufen. Dann fehlt der Hinweis und es läge eine Rechtsverletzung vor. Dass dies technisch gar nicht anders umsetzbar ist, scheint das Gericht, außer Acht gelassen zu haben. AKM und GEMA sind sich einig, wenn sie von Video-Plattformen kein Geld erhalten, dann sollen andere zahlen, die Videos wie eigenen Inhalt einbinden. Eine reine Verlinkung stellt kein Problem dar. Was erwartet uns in naher Zukunft?

Traurige Realität: So funktioniert Urheberrecht in Deutschland

Das Urteil und diese scharfen Diskussionen der Verwertungsgesellschaften versetzen uns in Deutschland in eine sehr missliche Lage. Der kölner Beschluss betrifft zwar zunächst nur Pixelio, aber man kann davon ausgehen, das es auch für andere Dienste Anwendung findet. Doch in dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gegen den Richterspruch soll Berufung eingelegt werden. Im Grunde ist es eine bodenlose Frechheit, ein solches Diktum in die freie Wildbahn zu entlassen. Ein Bild ist in jedem Browser immer direkt aufrufbar. Daher erscheint es logisch, das es innerhalb eines HTML-Dokuments nur verlinkt wird. Technisch gesehen gibt es keine andere Möglichkeit. Wieso kommt das Landgericht Köln auf den glorreichen Einfall, beim direkten Aufrufen des Bildes einen Lizenzvermerk zu verlangen? Nutzer landen sofort in der Rechtsfalle. Fügen sie den Hinweis nachträglich ein, könnte wegen Veränderung eine Rechtsverletzung entstehen. Fehlt der Vermerk, aber auch.


Der Hund jagt seinen eigenen Schwanz

Das Pixelio-Verdikt verdeutlicht, dass die Richter scheinbar keinen Plan von der Materie haben. Bei Mordfällen wird zumeist ein Gerichtmedizinier geladen. Warum fragt man hier keine IT-Experten? Davon abgesehen dürfte das Urteil weitreichende Folgen haben. Eine Abmahnwelle wäre eine wahrscheinliche Folge. Damit kennt sich das Landgericht Köln allerdings bestens aus — siehe RedTube. Auch die GEMA eifert ihrem österreichischen Pendant AKM nach. Seit Jahren verhandeln sie mit YouTube über entsprechende Lizenzabkommen. In dieser Streitigkeit gibt es bis dato keinerlei Fortschritte, jedoch Verlierer. Google sperrt hierzulande Videos, die die Rechte der GEMA verletzen könnten. Die Preise pro Klick scheinen zu hoch. Aber direkt an Blogger oder Webseitenbetreiber heranzutreten, ist etwas ganz Neues. Wer ein Video einbettet, soll dafür Gebühren blechen. Dreist? Aber Hallo! Mein Kommentar auf Twitter wurde seitens der GEMA mit einer unschuldigen Frage und ihrem Standardpamphlet kommentiert.

Das Web, wie wir es kennen, aber ohne mediale Inhalte

Ich frage mich ernsthaft, wie kommt man nur auf solch absurde Gedanken? Anstatt über eine gescheite Novellierung des betagten Urheberrechts nachzudenken, versuchen Gerichte und Verwertungsgesellschaften auf derart traurige Weise ihre Rechte durchzusetzen. Selbst die EU ist keinen deut besser, man denke hier nur mal an die Coockie-Richtlinie. Laut der EU-Kommission sei diese in Deutschland schon heute perfekt umgesetzt. Mit dieser Aussage setzen sie Webseitenbetreiber massiv unter Druck. Bis jetzt interessierte sich kein Landesdatenschutzzentrum für fehlende Opt-in Hinweise. Das könnte möglicherweise in wenigen Monaten anders aussehen. Da erreicht uns höchst wahrscheinlich noch mehr Wind, wenn nicht sogar ein Orkan oder Hurrikan. Wenn das so weitergeht, haben wir in Deutschland bald ein Internet ohne Bilder und Videos. Traurig. Herr Dobrindt will unser Land zur IT-Weltspitze führen?

Windows Bluescreen (Quelle: Surian Soosay, Liz. CC BY 2.0)
Windows Bluescreen (Quelle: Surian Soosay, Liz. CC BY 2.0)


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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