Löst Google nun das Android-Fragmentierungsproblem?

Es ist quasi die Tech-Meldung der Woche. Überraschend bestätigte Google gestern, dass man Motorola für 2,9 Milliarden US-Dollar an Lenovo verhökert habe. Da sackte vielen im ersten Moment die Kinnlade runter. Google kaufte den Mobilfunkhersteller 2011 für 12,5 Milliarden US-Dollar. Was nach einen großen Gewinn aussah, entwickelte sich schnell zu einem Verlustgeschäft. Motorola schrieb in den folgenden Jahren rote Zahlen. Allerdings kassierte der Android-Entwickler die Mobilfunk-Patente. In den letzten Monaten ging es mit Motorola steil bergauf. Zunächst erregte Project Ara viel Aufmerksamkeit und danach schlugen Moto X als auch Moto G wie eine Bombe ein. Warum verkauft der Suchmaschinenriese den gerade aufstrebenden Stern? Zur selben Zeit scheint eine engere Zusammenarbeit mit Samsung möglich, vorausgesetzt der taiwanesische Konzern modifiziert weniger am Android-System. Was hat Google vor? War der Verkauf von Motorola ein Fehler? Wird Samsung demnächst der Hardwareanbieter erster Wahl sein? Lasst uns mal in die Zukunft schauen.

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen

Auf den ersten Blick wirkt die Aktion seitens Google wie ein großer Fehler. Doch bei genauerem Hinsehen, entsteht ein anderes Bild. Vor der Abtretung an Lenovo hat man die Patente zur Seite geschafft und das innovative Projekt Ara gerettet. Dadurch wirkt Motorola relativ wertlos. Das erklärt vielleicht auch den niedrigeren Verkaufspreis, verglichen mit dem damaligen Einkaufspreis. Eigentlich ging es beim Kauf 2011 vordergründig um die Patente, die Motorola hartnäckig hielt. Diese sind für die weitere Entwicklung und Verbreitung von Android wichtig. Damit geht Google künftigen Patentklagen aus dem Weg. So gesehen schmerzt der Verkauf an Lenovo kaum, wobei der Preis doch etwas gering erscheint. Der chinesische Anbieter könnte dadurch den Einstieg in die Smartphonewelt erhalten. Erst kürzlich verleibten sie sich die x86 Server-Sparte von IBM ein. Die PC-Branche schwächelt seit Jahren. Mobile Endgeräte sind einfach der Kassenschlager. Aber Lenovo legt kontinuierlich zu.

Moto X (Quelle: Anderson N. Leonardo, Liz. CC BY-SA 2.0)
Moto X (Quelle: Anderson N. Leonardo, Liz. CC BY-SA 2.0)

Das Team hinter Project Ara soll nach Montain View ziehen. Die Idee eines modularen Smartphones ist schon ziemlich genial. Jedoch ohne einen Hardwareanbieter an der Hand ein schwieriges Unterfangen. Es ist ja nicht so, das man HTC oder Samsung kurz mailt: “Baut mal bitte eben folgendes Gerät zusammen”. Mit Motorola hätte man den Hersteller sofort greifen können. Wie schaut die Zukunft dieses Projektes aus? Eine mögliche Alternative wäre eventuell Samsung, die weltweite Nummer 1 des Smartphone-Marktes. Wobei eine Kooperation auf den ersten Blick unwahrscheinlich scheint. Dahinter würde allerdings viel Potenzial stecken. Der Entwickler des meist verbreitetsten mobilen Betriebssystems und der führende Hardwarehersteller. Für jenes Gedankenspiel müsste Samsung jedoch einiges fallen lassen. Es ist nichts Neues, das Samsung und Co. das Android-System mit ihrer eigenen Oberfläche überziehen. Die auf der CES 2014 erstmals vorgestellte Magazine UX lässt optisch kaum noch etwas von Android erkennen. Google versucht sein System nach außen hin abzuschließen. Dies gestaltet sich wegen dem Open Source Gedanken schwierig.

Project Ara — Bau dir dein Smartphone individuell zusammen
Project Ara — Bau dir dein Smartphone individuell zusammen

Die Zukunft von Android könnte größer werden, als möglicherweise geglaubt. Denn das Ziel ist keinesfalls ein kleiner Hersteller, sondern ein großer oder mehrere Anbieter. Demnach bringt der Verkauf von Motorola einige Vorteile. Zum einen die gewonnen Patente, im Bezug auf die Android-Entwicklung und anschließende Nutzung. Das Smartphone der Zukunft liegt in den Händen von Project Ara. Nun gilt es, exklusive Kooperationen mit Hardwareherstellern einzugehen und dann gemeinsam Android-Geräte zu produzieren. Google liefert das Betriebssystem und einen Teil der Ideen. Die Fabrikanten setzen die komplette technische Seite um. Dadurch erwirtschaften alle zusammen noch mehr Geld als vorher. Also eine Kooperation, wo alle beteiligten gewinnen könnten. Schauen wir mal, was Google jetzt macht. Wäre das ein interessanter Gedanke?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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