Rückblick 2013: Edward Snowden und der NSA-Skandal

Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt einen Jahresrückblick schreiben möchte. Im Grunde macht das doch jeder zu der Zeit. Deshalb wird mein Rückblick mehr ein Ausblick werden. Wenn ich das Jahr mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das wohl eindeutig: Spähkrise. Manch einer würde Edward Snowden oder NSA-Affäre sagen. Egal, denn es läuft alles aufs Gleiche hinaus. Dieses Ereignis hat 2013 stark geprägt. Auch 2014 wird uns diese Problematik weiter beschäftigen. Darüber haben wir teilweise vergessen, für welch großes Aufsehen beispielsweise die Telekom mit ihren Drosselplänen, der neue Beitragsservice, die Bundestagswahlen oder aber die Papstwahl sorgten. Im Angesicht der Späh-Affäre sind all jene Ereignisse zwar wichtig, jedoch trotzdem fast Schall und Rauch. Nach über einem halben Jahr stehen Edward Snowdens Enthüllungen immer noch im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Doch in den Augen der Masse zeichnen sich verschiedene Bilder ab.

„Die wissen doch eh alles über mich, wozu vorsichtig sein?”

Das sollte wohl die Haltung von den meisten bereits widerspiegeln. Manche wissen bis heute nicht, wer dieser ominöse Edward Snowden ist und was er riskiert hat. Aber nahezu alle fühlen die Ohnmächtigkeit gegenüber den Geheimdiensten. Nur sehr wenige schaffen es bewusst, ihre Privatsphäre besser zu schützen. Bei über 90 Prozent der Nutzer herrscht Resignation. Wir treten auf der Stelle und sehen keinen Ausweg. Also unbeirrt weitermachen wie bisher. Uns ist bis dato noch nichts Schlimmes wiederfahren, was uns zum Umdenken bewegen sollte. Genau aus dieser lapidaren Argumentation errichten wir unseren imaginären Schutzwall, der keinerlei Sicherheit bietet. Über Monate, Jahre oder Jahrzehnte stellen wir uns taub, mit der Gewissheit im Fokus der Geheimdienste zu sein. Die Trägheit der Masse ist das größte Problem. Wir hoffen zu stark darauf, dass wir Hilfe von Politikern und anderen Menschen bekommen. Dabei sollten wir mit ihnen eine gute Zusammenarbeit pflegen.


CNN/Channel 4: Snowden delivers Christmas message

Edward Snowden zeigt der ganzen Welt die Methoden der Nachrichtendienste, keiner kann jetzt noch wegschauen! In seiner Weihnachtsansprache forderte er zu Recht dazu auf, sich gegen die Massenüberwachung zur Wehr zu setzen. Die Kinder von Morgen und teilweise auch schon aus diesen Tagen kennen so etwas wie Privatsphäre nicht mehr. Selbst große Firmen werben verstärkt, damit im Internet eine eigene Bühne aufzubauen. Ob das in jedem Falle immer so sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Feststeht, dass nach den zahlreichen Informationen aus den letzten 6 Monaten, nur die wenigsten ihr Verhalten geändert haben.

Gehen wir mit dem Medium korrekt um?
Nein, das wohl eher weniger.
Brauchen wir keine Aufklärung in diesem Bereich?
Nein, ganz im Gegenteil.
Wo liegt dann der Fehler?
In der menschlichen Arroganz und unserer Überheblichkeit.

Der Ausblick: Wer sitzt 2014 im Trojanischen Pferd?

Ist Edward Snowden letzten Endes doch ein Held? Er ist für mich weder ein vollwertiger Held noch ein hundsgemeiner Verbrecher. Viel mehr stellt er einen Menschen dar, der alles riskiert hat, um auf dieser Erde etwas zu verändern. Seine Taten dürfen nicht vergebens sein. Das World Wide Web existiert seit 20 Jahren und im Grunde wissen sehr viele Menschen zu wenig darüber. Daher muss mehr für die Bildung in diesem Punkt getan werden. Das Angebot kann auch von uns, der Netzgemeinde kommen. Jede Form der Wissenserweiterung ist sinnvoll. Jeder Nutzer sollte das nötige Feingefühl entwickeln, wie man mit Informationen und persönlichen Daten im Netz korrekt umgeht. Mit diesem Bewusstsein wird das Internet in eine bessere Richtung gelenkt. Der stetig wachsenden Massenüberwachung können wir nur gemeinsam begegnen.


Du bist Terrorist

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins Jahr 2014 und vielleicht auch die Besonnenheit, mit dem Überwachungs-Skandal verantwortungsvoller umzugehen. Die Massenüberwachung muss ein Ende haben. Es darf nicht alles unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung überwacht werden.

Weiterführende Artikel zum Thema Spähkrise:


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

0 Kommentare

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.