Pico: quelloffene Alternative zu pulseCMS und Kirby

Vor wenigen Jahren startete das Projekt pulseCMS. Damals war das eine tolle Sache, um kleine Webseiten mit einem schlanken CMS auszustatten. Dadurch konnten Segmente so ausgelagert werden, dass sie sich sehr einfach ändern ließen. Mittlerweile ist pulseCMS nicht mehr kostenlos nutzbar. Daher keimte die Frage nach einer Alternative auf. In Kirby CMS könnte man sie finden, allerdings kostet dieses System ebenso Geld. Daher bin ich nach längerer Suche auf Pico aufmerksam geworden. Meine Freundin möchte auch endlich eine eigene Webseite haben. Da dafür aber kein großes CM-System à la TYPO3 herhalten soll, wollte ich einen kleinen Unterbau verwenden. Mit Pico habe ich ein solches Fahrgestell gefunden. Da mir das CMS sehr gut gefällt, möchte ich es euch kurz vorstellen. Es eignet sich für kleine Projekte ohne Datenbank. Ein einfacher Webspace mit FTP-Server, sowie PHP 5.2.4+ genügt, da alles dateibasierend ist.

Kompakt, schnell, kostenlos und ohne Datenbank-Anbindung

Die Installation ist kinderleicht. Ladet euch das Pico-Archiv herunter und entpackt es auf einem Webserver. Das gesamte CMS ist ca. 600 KB groß. Anschließend ruft ihr das Verzeichnis über euren Browser auf. Fertig — Pico ist bereits installiert. In der config.php können optional noch einige Einstellungen vorgenommen werden. Diese sind allerdings für den normalen Betrieb nicht erforderlich. Ihr könnt nun gleich mit dem Befüllen loslegen. Die Webseiten-Struktur ist relativ einfach erklärt. Im Ordner content befinden sich sämtliche Inhalt. Eine neue Seite wird als Markdown-Datei abgespeichert. Sollen zusätzliche Unterverzeichnisse dazukommen, dann legt ihr die Ordner entsprechend an. Die Basis-Installation wartet mit einem ersten Beispielprojekt auf und ist als Hilfestellung sehr zu empfehlen. Der Aufbau ist auf jeden Fall sehr logisch.

eine erstes Beispiel-Projekt zur einfachen Funktionsweise
eine erstes Beispiel-Projekt zur einfachen Funktionsweise

Einzelne Seiten lassen sich mittels Markdown gestalten. Da dazu praktisch kaum Erfahrungen mit HTML oder CSS notwendig sind, kann damit selbst ein unerfahrener Anwender umgehen. Bei der Erstellung neuer Seiten muss lediglich der Seitenkopf berücksichtigt werden. Denn dieser beinhaltet neben dem generellen Inhalt die notwendigen Grundinformationen einer jeden Seite. Beispielhaft würde es dann wie folgt aussehen:

/*
Title: Ich bin ein Seitentitel!
Description: Beschreibe die Seite (Meta-Beschreibung).
Author: Hier sollte dein Name stehen.
Date: 2013/12/23
Robots: noindex,nofollow
*/

Pico verfügt ohne zusätzliche Erweiterungen über keine Administrations-Oberfläche. Daher ist das CMS nur über den FTP-Server verwaltbar. Um das Arbeiten zu erleichtern, bietet sich die Verwendung via Netzlaufwerk an. Somit können neue Inhalte am PC erstellt und anschließend online abgespeichert werden.

Simples Templating und Erweiterbarkeit über einige Plugins

Natürlich möchte man auch sein eigenes Webdesign haben. Dafür bietet Pico die leichtgewichtige PHP-Engine “Twig” an. Auf einfache Art und Weise könnt ihr eigene Themes erstellen. Dafür benötigt ihr nur eine Handvoll an Variablen und ein paar Kenntnisse in HTML, wie CSS. Beispielsweise könnt ihr euer Design so verändern, das Pico ebenso als Blogging-Plattform verwendet werden kann. Zwar existiert kein eigenes Kommentarsystem, da hierfür eine Datenbank nötig wäre. Mit Disqus würde sich das allerdings problemlos nachrüsten lassen. Also wer eine simple Webseite oder einen Blog auf die Beine stellen möchte, ist bei Pico definitiv an der richtigen Adresse. Neben dem recht einfachen Theming stehen schon mehrere Plugins auf der Entwickler-Webseite bereit. Die API, um eigene Erweiterungen zu entwickeln, ist mindestens so einfach gehalten, wie die Templating-Umgebung. Daher genügen bereits beschränkte PHP-Kenntnisse.

neue Seiten ruckzuck in Markdown verfassen
neue Seiten ruckzuck in Markdown verfassen

Nach einem ersten Test finde ich Pico sehr gelungen. Als Chassis genau das Richtige. Verglichen mit pulseCMS ermöglicht Pico sehr viel mehr, als nur Komponenten zu verändern. Es ist ein vollwertiges minimalistisches CMS, ähnlich wie Kirby, jedoch kostenlos unter der MIT-Lizenz verfügbar. Kirby fand ich zwar auch interessant, aber anfänglich musste ich deutlich mehr Zeit mit der Dokumentation verbringen. Wenngleich die Möglichkeiten damit zahlreicher sind. Für eine einfache und optisch ansprechende Webseite ist Pico ideal. Vorausgesetzt es handelt sich um ein kleines Projekt. Andernfalls sind eher CM-Systeme, wie WordPress oder TYPO3 zu empfehlen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

4 Kommentare

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  1. Kommentar von Schubi · · #

    Pulse CMS ist mittlerweile wieder gratis und voll funktionsfähig ohne Einschränkungen. Solange man sich nicht registriert heisst es einfach im Adminpanel, dass man eine unlizensierte Version benutzt.

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Danke für den Tipp Schubi, stimmt aber nicht ganz. Man kann pulseCMS wieder kostenfrei verwenden, solange die Seite nicht live geschalten wird. Ansonsten sagen die Entwickler folgendes: Anyone can download Pulse and try it out for free, but if you decide to use it on a live site, a license must be purchased.

    Also muss man für den Live-Betrieb doch eine Lizenz erwerben. Die Strategie ist nun die gleiche wie bei Kirby CMS.

  3. Kommentar von Torsten · · #

    Also, ganz ehrlich, Leute, was ist denn so schlimm daran, wenn ein CMS, mit dem man gut zurecht kommt und das ausgereift ist, gerade mal 29 Dollar oder Euro pro Website kostet? Und zwar als lebenslang gültige Lizenz, nicht etwa pro Jahr.

  4. Kommentar von reraiseace · · #

    Schlimm ist daran nichts. Es soll aber auch Menschen geben, die sich da erstmal vorsichtig herantasten wollen und nicht gleich Geld ausgeben möchten (ich meine nicht mich damit). Von daher finde ich es schon gut, dass es auch kostenlose Alternativen gibt. Ich möchte pulseCMS oder Kirby in keiner Weise schlecht reden.