Huawei EMUI Themes gestalten und verändern [Teil 2]

Im ersten Teil meiner mehrteiligen Artikelserie hatte ich euch das EmotionUI Tool vorgestellt und die Grundlagen für das Erstellen von EMUI Themes erklärt. Ich verwies darauf, dass die Designs auch ohne die HiSuite bearbeitet werden können. Genau das möchte ich euch im zweiten Teil erläutern. Darüber hinaus gebe ich einen Einblick in die weiteren Möglichkeiten der Huawei Themes. Denn damit lassen sich beispielsweise auch gezielt Apps gestalten. Erst einmal werde ich dies nur anhand von Bildern zeigen. Im dritten und vorerst letzten Teil folgen dann zusätzliche Optionen, um einzelne Farbwerte abzuändern. Jedoch ist dieses Feature seitens Huawei noch in der “Entwicklungsphase”. Daher ist hier Geduld angesagt. Nun aber zurück zum Bearbeiten der Themes ohne die HiSuite.

Ohne die HiSuite zum erfolgreichen Theme-Modding

Wer ungern mit der HiSuite arbeitet oder ein wenig Zeit sparen möchte, kann die Themes als Archiv bearbeiten. Dazu benötigt man lediglich 7-zip oder ein anderes Datenkompressionsprogramm. Das HWT-Archiv wird in 7-zip geöffnet. Selbiges gilt gleichermaßen für die “Dateien” icons usw. All das sind quasi Archive. Eines darf man jedoch nicht machen, sie auspacken und neu verpacken. Dieses Unterfangen geht gründlich in die Hose. Ressourcen können nur direkt in das bestehende Archiv gepackt und damit getauscht werden. Sollen also keine neuen Module dazukommen, ist das eine prima Sache. Auf diesem Wege könnt ihr euch das komplette Theme in Windeseile euren eigenen Wünschen entsprechend anpassen. Wenn dieser Schritt erledigt wurde, öffnet ihr die description.xml in einem Texteditor, wie beispielsweise Sublime Text 3.

<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<HwTheme>
    <title>Breeze</title> <!-- Name des Themes -->
    <title-cn>清风</title-cn> <!-- chinesischer Name des Themes -->
    <author>Huawei</author> <!-- Autor des Themes -->
    <designer>Huawei</designer> <!-- Designer des Themes -->
    <screen>HD</screen> <!-- Auflösung -->
    <version>1.5.1</version> <!-- Version des Designs -->
    <osversion>4.1.1</osversion> <!-- Angabe der min. Android-Version -->
    <font>Default</font> <!-- Festlegung einer Schriftart -->
    <briefinfo></briefinfo> <!-- keine näheren Infos bekannt -->
</HwTheme>

Die ersten vier Angaben könnt ihr problemlos euren Vorstellungen angleichen. Aber die Informationen über die Bildschirmauflösung, Versionsnummer und Android-Version sollten so belassen werden. Damit habe ich schon negative Erfahrungen sammeln dürfen. Denn dies hat unter anderem zur Folge, dass das Design nach jedem Neustart oder aushängen der Speicherkarten auf den Default-Style zurücksetzt. Das Problem ist nicht nur unschön, sondern genauso nervig. Was es mit der “briefinfo” auf sich hat, kann ich euch aktuell nicht sagen. Speichert die geänderte Datei ab und ersetzt sie anschließend im Archiv. Damit seid ihr im Prinzip fertig. Übertragt den Theme auf euer Smartphone in den Ordner HWThemes und begutachtet das Resultat.

Wie kann ich das Aussehen von Apps gestalten?

Hierfür stehen zwei Wege zur freien Wahl. Zunächst gehe ich den Pfad des bestehenden Archivs weiter. Beim Erweitern des HWT durch neue Module ist besondere Vorsicht geboten. Das funktioniert nur über einen Umweg fehlerfrei. Extrahiert zuerst eine bestehende Komponente, wie com.huawei.android.launcher und benennt diese um. Importiert sie danach wieder in das Design. Deutlich einfacher geht das wiederum mit dem EMUI Tool. Nach dem Import des Themes, steht dieser mit seinen Ordnern bereit. Das Bearbeiten und neu anlegen klappt meiner Meinung nach besser. Um eine Anwendung optisch anzupassen, muss ein neuer Ordner angelegt werden. Das Schema ist dabei immer identisch: <package name>.bak. Die Bezeichnung für die Telefon-App sieht dann so aus: com.android.phone.bak Nun schnappt ihr euch euer Smartphone. Ruft mit dem Total Commander oder einem anderen Dateimanager den Pfad /system/app/ auf. Fischt euch die APK-Dateien heraus, die ihr angleichen möchtet. Kopiert diese auf die SD-Karte — auf dem Computer entpackt ihr sämtliche APKs mit 7-Zip.

mit 7-zip APK-Dateien entpacken
mit 7-zip APK-Dateien entpacken

Normalerweise müssten die Dateien dekompiliert werden. Da wir aber nur Bilder ändern wollen, ist dieser Schritt obsolet. Nach dem Entpacken finden sich im Ordner res/drawable-[xx/x/h/l/m]dpi zumeist die relevanten Bilder. Somit habt ihr die Ressourcen zum Designen zur Hand. Die Ordnerstruktur eures <package name>.bak Ordners müsst ihr entsprechend ab einschließlich res nachbilden. Logischerweise auch nur die Ordner, wo ihr ein Bild verändern wollt. Das ist wichtig, da die neuen Grafiken sonst nicht auffindbar sind. Teilweise existieren in den Ordnern sogenannte “*.9.png”. Die Dateien enthalten spezielle Steuerpixel, um flexibel anpassbar zu sein. Ein einfaches Bearbeiten reicht daher noch nicht aus. Da danach die Funktion verloren gegangen ist. Hierfür bietet das Online-Tool “Simple Nine-patch Generator” eine simple Lösung an. Photoshop-Nutzer haben mit indizierten PNGs ihre lieben Sorgen. Das kostenpflichtige Bildbearbeitungstool PhotoLine schafft hier entsprechende Erleichterung. Die Grafik damit öffnen und als PSD-Datei abspeichern. Nun läuft es auch mit Photoshop vernünftig.

ein eigenes Theme in das EMUI Tool importieren
ein eigenes Theme in das EMUI Tool importieren

Dank der einfachen Strukturnachbildung lassen sich vorwiegend System-Apps sehr leicht optisch anpassen. Mit dem Verändern der Bilder klappt das aktuell am besten. Abschließend importiert ihr das Design wieder in das EMUI Tool und gebt es als HWT auf eurem PC oder Smartphone aus. Im dritten Teil erläutere ich, wie ihr die APK-Dateien dekompiliert und mit variablen Farbwerten einzelne Farben der jeweiligen Apps modifizieren könnt.

Zu weiteren Teilen der Artikelserie:


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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