Apple iPhone 5S/C: Rennt Apple in die falsche Richtung?

Am Dienstag war es wieder so weit. In Cupertino stellte Apple seine Neuerungen der iPhone-Familie vor. Dass es diesmal um reine Produktpflege gehen würde, dürfte jedem im Vorfeld bewusst gewesen sein. Aber dieses Jahr gibt es gleich zwei neue Modelle — das iPhone 5S und das iPhone 5C. Ein „Billig“-iPhone, wie es viele vielleicht erwartet hätten, wird nicht auf den Markt kommen. Um ehrlich zu sein, konnte ich mir das auch kaum vorstellen. Apple ist dafür bekannt gute Hardware zu einem ordentlichen Preis anzubieten. Wer diese Exklusivität schätzt, muss dementsprechend tief in die Tasche greifen. Neben dem neuen iPhone-Line-up gab Apple auch den Starttermin von iOS 7 bekannt. Zusammenfassend war diese Keynote recht unspektakulär. Da bereits vorab fast alle Informationen durchs Netz gewandert sind. Ebenso frage ich mich, was uns Apple da so als „Innovation“ verkaufen möchte.

Apple iPhone 4S, 5S oder 5C — aber kein iPhone 5 mehr

Das iPhone 5S ist, wie damals das iPhone 4S, der Nachfolger des Vorgängers. Neben einer verbesserten Kamera, einer optimierten Akkulaufzeit, neuen Farben und natürlich dem neuen Prozessor, gehören auch ein Fingerabdrucksensor und das neue 64-Bit-Betriebssystem dazu. Doch wirkliche Weltneuheiten sind das nicht. Einen Fingerabdruckscanner gab es schon bei älteren Windows Mobile Geräten. Die Erfindung wirkt auch wenig außergewöhnlich, nur weil Apple sie „Touch ID“ nennt. Videotelefonie existierte beispielsweise längst vor der Sensation „FaceTime”. Einige schreiben jedoch davon, dass das Passwort bald ausgesorgt hätte. Aber Fingerabdruckscanner haben sich für Notebooks nie durchgesetzt. Überdurchschnittlich sicher ist diese Idee vermutlich nicht. Man denke an Face Unlock von Google. Angesichts der aktuellen NSA-Affäre hat Sascha Lobo diese „Neuerscheinung“ auf Twitter sehr schön klassifiziert.

Mit dem Fingerabdruck-Scanner im neuen iPhone beweist Apple das politische Feingefühl einer Splittergranate.
Sascha Lobo (@saschalobo) September 10, 2013

Aber Apple hat das erste Smartphone, welches 64-Bit-fähig ist. WOW! Bitte nicht vom Stuhl fallen, das übernimmt meine Haftpflicht nämlich nicht. Ein Überfeature sieht trotzdem anders aus. Man fragt sich jetzt, was will ich mit 64-Bit, wenn a) der RAM eh zu gering ist und b) ein Großteil der Apps auf 32-Bit basiert. Bringt das dann aktuell überhaupt etwas? Bedingt. Neben den Geschwindigkeitsvorteilen, ergeben sich ebenso Nachteile. Google könnte vermutlich mit der nächsten Android-Version nachziehen. Ob Microsoft auf diesen Zug aufspringt, werden wir sehen. Besitzer eines iPhone 5 haben wohl keinen allzu großen Kaufanreiz für das neue Modell. Es sind in meinem Augen zu geringe Vorteile, welche einen Kauf rechtfertigen würden.

Apple iPhone 5S, 5C und 4S im Vergleich
Apple iPhone 5S, 5C und 4S im Vergleich

Das iPhone 5 verschwindet vom Markt und in seine Fußstapfen tritt das iPhone 5C (16 und 32 GB). An der Spitze logiert das iPhone 5S als 16, 32 und 64 GB-Ausführung. Das betagte iPhone 4S mutiert mit 8 GB zum Auslaufmodell.

Back to the Plastik oder ein iPod samt Quasselfunktion

Eigentlich dachte ich, dass durch das Erscheinen des iPhone 4 das Thema Polycarbonat bei Apples Smartphone gestorben sei. Falsch gedacht, denn das neue iPhone 5C kommt tatsächlich mit einem Kunststoffgehäuse auf den Markt. In 5 verschiedenen Farben. Das kann eigentlich nicht der Grund für ein minderwertigeres Gehäuse sein. HTC bietet sein One mit Aluminiumgehäuse auch in Blau und Rot an. Die Hardware des iPhone 5C ist weitestgehend identisch zum Vorgänger-Modell. Nur wenige Dinge aus der neuen S-Version sind verbaut. Im Grunde ist das 5C eine Lite-Variante. Dabei aber nur 100 Euro günstiger als das 5S. Wer sich ein iPhone anschaffen möchte, ist wahrscheinlich bereit, gleich zur teureren Version zu greifen. Der Preisunterschied zeigt jedoch sehr deutlich, was das Metallgehäuse und die aufgewertete Hardware kostet.


iPhone 5c und 5s: Apple auf dem Prüfstand [TechnikLOAD 132]

Bleibt die Frage: Rennt Apple in die falsche Richtung? Ich behaupte, ja. Seit dem Tod von Steve Jobs vor fast 2 Jahren hinkt der „angebissene Apfel“ hinterher. Nur sehr wenige bahnbrechende Errungenschaften sind unter der Leitung von Tim Cook präsentiert worden. Apple hat es zunehmend schwer immer wieder neue Sensationen auf den Markt zu werfen. Vorbei die Zeit, in denen man gespannt und voller Vorfreude auf eine Keynote wartete. Letzten Endes sind daran aber auch die Leaks, beispielsweise von Sonny Dickson, schuld. Genauso haut mich die aktuelle Generation der iPods nicht um. In vielen Augen sind die Modelle einfach nur hässlich. Mit dem iPhone 5C setzt sich Apple in die Nesseln. Da sie versuchen das verkannte Kunststoffgehäuse wieder zu etablieren und verspielen damit viel hochwertiges Potenzial. Luxus ist eben nicht mehr Plastik!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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