Der erste Amoklauf eines Cybertouristen. Mir reichts!

Das Maß aller Dinge ist voll. Es reicht! Nun gebe ich der NSA genau das, worauf sie sich seit Jahren vorbereitet. Den ersten Cyber-Amoklauf in der Geschichte des Internets. Ich bekenne mich dem Cybertourismus (nicht Terrorismus!) schuldig. Meine Waffen sind Worte in verschiedenster Form. Sie treffen euch aus heiterem Himmel und auf offener Datenautobahn. Meinen Wutbomben, ach Quatsch, Wortbomben kann sich kein Internetbürger entziehen. Mein Anschlag gilt der geheuchelten Sicherheit. Ich fühle mich momentan so sicher, dass ich Bammel habe, auf dem Klo von einer Drohne beschattet zu werden. Ich bekomme Schreikrämpfe, wenn ich im Internet nach einem harmlosen Hackfleisch-Tomaten Rezept suche. Nachts kann ich nicht mehr ruhig schlafen, weil ich ständig meinen Facebook-Status updaten muss, damit kein Sondereinsatzkommando vorbei kommt. Ich habe Angst! Mir reichts! Schluss! Aus! Es muss was passieren!

Mir geht die Muffe, aber nicht vor fiesen Hackern

Meine schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Ich habe ein apathisches Angstgefühl gegenüber unserem ganzen Sicherheitssystem entwickelt. Ich fühle mich verfolgt, beobachtet und überwacht. Werde ich etwa paranoid? Letzte Woche gab es wieder einen großen Hacker-Angriff. Trotz solch hoher Sicherheitsstandards konnte keiner den Einbruch verhindern. Dabei bekommen die Geheimdienste doch alles mit. PRISM, Tempora, XKeyScore — wozu sind die Systeme da, wenn sie keine Eindringlinge stoppen? Hinter mir schwirrt immer noch diese Drohne. Wie werde ich dieses Mistding nur los? So langsam komme ich mir durchsichtig, ja fast schon nackt, vor. Da steigt in mir Wut hoch. Und der Hacker scheint immer noch auf der Flucht zu sein. Wird der überhaupt verfolgt? Die Drohne tut das jedenfalls. Bin ich dieser Einbrecher gewesen? Nein, sicher nicht! Daran würde ich mich erinnern. Trotzdem geht mir das fliegende Stück Schrott auf den Wecker. Es wird Zeit dagegen etwas zutun.

Spionage (Quelle: galerija galženica, Liz. CC BY-SA 2.0)
Spionage (Quelle: galerija galzenica, Liz. CC BY-SA 2.0)

Nachdem ich die Drohne erledigt habe, fühle ich mich immer noch unwohl. Mal überlegen. Stimmt, mein Computer und mein Smartphone quatschen ja auch ständig mit der Welt. Heute Morgen las ich, dass wieder erfolgreich ein Terroranschlag irgendwo in einem Land, welches mir unbekannt ist, verhindert wurde. Aber ich werde auch terrorisiert! Kümmert sich darum auch mal jemand? Ich habe bereits die Polizei angerufen und gefragt, ob ich die NSA anzeigen darf. Eine Antwort habe ich nicht bekommen. Dachten wohl ich hab einen an der Klatsche. Die wahren Terroristen des Internets sind nicht die Hacker, sondern die Regierungen, die uns angeblich schützen möchten. Ich hab schon wieder Angst, trotzdem muss ich etwas dagegen tun. Ich brauch mehr Kaffee. Danach werde ich versuchen, meine Mitmenschen mit Worten zu knüppeln. Sie müssen aufwachen und die gleiche Angst wie ich spüren.

Sicherheitswahn ist der Terrorismus der Neuzeit

Ich muss meine Angst abschütteln und zum Angriff übergehen. Es darf nicht sein, was bereits heute gängige Praxis ist. Überwachung kann sinnvoll sein, aber ein regelrechter Wahn danach führt zu reichlich Misstrauen. Andauernd tauchen neue Schreckgespenster auf. Mal heißen sie Seuche, Terrorismus oder Überwachung. Die NSA säht mit PRISM Angst, anstatt ein Gefühl der Sicherheit. So ist es auch kein Wunder, das viele Bürger mehr Schiss vor staatlicher Spionage haben, als vor Hacker-Angriffen. Daraus muss man keinen Medienhype machen, denn das passiert jeden Tag. Vor Terrororganisationen habe ich seit 9/11 Bammel. Warum? Weil uns das so eingetrichtert wurde. Deshalb schauen wir Menschen aus arabischen Ländern meist sehr verhalten an. Es könnten ja Terroristen sein. Was ist das für eine Regierung, die uns Bürgern ein eklatantes Sicherheitsbewusststein verschaffen will, aber Angst verbreitet? Der Begriff “Demokratie” dürfte hier am Ende sein. Definieren wir es neu und bezeichnen es fortan als “Terrorkratie” — Die Drangsalierung des Volkes.


Überwachungsstaat – Was ist das?

Ich möchte nicht in einem Käfig sitzen. Eingeengt und bis ins Letzte geschützt. Sicherheit ist schön und gut, darf aber nicht unsere Freiheit derart einschränken. Terroranschläge gab und wird es immer geben. Daran ändert auch 9/11 nichts. Mit Hackern ist es genauso. Wir leben jeden Tag damit, dass uns ein Auto überfahren könnte. Sollte ich jetzt mit Schaumstoff-Panzer draußen rum laufen? Quatsch, das macht kein Mensch. Dieser ganze Terror/Cyberwar-Schutz hat es geschafft, das wir alle eine große Verängstigung gegenüber der Sicherheitsmacht empfinden. Ich hab keine Angst vor Attentätern, sehr wohl aber vor PRISM und Co. Der gläserne Bürger ist Schnee von gestern, aber die digitale Schattenkopie düstere Realität. Lasst uns gegen die anhaltende Bespitzelung der Regierungen vorgehen. In so einer Welt will ich nicht leben!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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