GEMA u. YouTube: die wahren Feinde der Musikbranche

Es läuft was falsch in der Musikbranche. Anders kann ich es nicht sagen. Folgendes Szenario kennt ihr bestimmt: Ihr seid auf der Suche nach einem Musikstück und landet meist bei YouTube. Doch da lächelt euch die GEMA-Sperrtafel an. Diese verrät euch, dass die Verwertungsgesellschaft daran schuld sein soll. Das ist ein alter Hut. Eigentlich ist die GEMA gar nicht das Übel, sondern YouTube selbst. Schließlich konnte man sich auch nach jahrelanger Diskussion nicht einigen, wie viel die Google-Tochter pro Klick an die GEMA abtreten muss. Um etwaigen Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, erfand man einfach die Sperrtafeln. Moment! Die GEMA ist aber trotzdem nicht unschuldig an dieser Misere. Im Gegenteil, sie tragen mindestens so viel Mitschuld wie YouTube. Aber anstatt sich mit diesen beiden auseinanderzusetzen, hackt die Musikindustrie fleißig weiter auf der fiesen Warez-Szene rum. Mit ihren illegalen Downloads machen sie den Markt regelrecht kaputt. Stimmts oder stimmts nicht?

Geh ma auf YouTube und schau dir das ma an

Ich möchte gleich mit einem Beispiel einsteigen. An diesem wird recht schnell deutlich, dass hier etwas in die falsche Richtung läuft. Die brasilianische Pop-Sängerin Anitta kennt vermutlich kaum einer. Macht aber nichts. Sie steht bei Warner Music Brazil unter Vertrag und Anfang Juli erschien ihr erstes Album. Und wie es in der Musikwelt so üblich ist, gehen einem Album ein paar Singles samt Musikvideos vorweg. Nun müsste man meinen, im Zeitalter des Internets kann man sich das mal eben so anschauen. Stimmt — jedoch nur fast. Im Klartext: Ihr Song “Show das Poderosas” steht auf YouTube bereit. Aber das offizielle Musikvideo, welches von Warner Music Brazil hochgeladen wurde, ist mit besagter Sperrtafel verziert. Die eingestellte Lyric-Version von Anitta kann sich jeder in Deutschland anschauen. Der Nutzer “169Diih” hat das Video ebenfalls auf Googles Videoplattform hochgeladen. In diesem Fall stellt das bereits eine Urheberrechtsverletzung dar, die in keiner Weise von Google geahndet wurde. Auf tape.tv und Clipfish ist das offizielle Musikvideo frei zugänglich.

Anitta - Show das Poderosas gesperrt und doch wieder nicht
Anitta – Show das Poderosas gesperrt und doch wieder nicht

Finde den Fehler. Der ist mehr als offensichtlich. Die GEMA wird in dem Fall garantiert nicht Schuld sein, da die Rechte am Werk bei Warner Music und Anitta liegen. Also haben beide auch die Berechtigung dazu es hochzuladen und zu verbreiten. Der User “169Diih” logischerweise nicht. Google müsste das Video von ihm löschen. Warum passiert das nicht? Das ist die große Frage, auf die ich keine konkrete Antwort geben kann. Der Schaden der dadurch entsteht, ist jedoch offensichtlich. Hochgeladene YouTube Videos werden von Google nur unzureichend auf Rechtsverstöße geprüft. Bei Bedarf wird eventuell gehandelt und das Video gelöscht bzw. die Tonspur deaktiviert. Das beschriebene Phänomen ist kein Einzelfall. Beispielsweise wurde vergangenes Jahr der offizielle YouTube Kanal von Lady Gaga opfer der GEMA-Sperrtafeln. Durch YouTube finden viele Künstler eine gute Plattform um ihre Werke in die Welt zu tragen, werden aber unter Umständen auf solch absurde Art bestraft und um ihren Erfolg betrogen.

Die Verlierer sind nicht die GEMA und Google

Aber auch die GEMA ist kein Engel mit Heiligenschein. Es ist mir durchaus bewusst, dass sie ein Anrecht auf Verwertungsgebühren haben. Doch bei der Schiedsstelle gleich mal Tausende Youtube-Videos sperren lassen, kann nicht der richtige Weg sein. Das bringt den Künstlern sicherlich ganz hohe Gewinne ein, wenn deren Videos dank GEMA und YouTube dort gesperrt sind. Auch die Forderung: 0,6 Cent pro Klick kassieren zu wollen scheint ein bisschen hoch gegriffen. Wäre es anders, würde Google auch mitspielen. In Frankreich konnte man sich schlussendlich doch einigen. Warum geht das in Deutschland nicht? Ich vermute, dass die GEMA einfach stur auf ihren Forderungen beharrt und nicht wirklich zu einer Diskussion bereit ist. Seitens Google kann man dann eigentlich nur noch sperren, um sich rechtlich ein wenig abzusichern. Dieser Gesamtzustand sorgt dafür, dass viele Künstler und Label mit großen Verlusten leben müssen. Die Kunden und Fans wird das genauso wenig erfreuen. Der Frust steigt, wenn diese nervige Tafel aufploppt.


PSYGENTLEMAN (GEMA Version)

Ich finde es grundverkehrt, den Schwarzen Peter dann auch noch der Warez-Szene zu zuspielen. Klar, die sind auch keine Engelchen. Jedoch wurde in Studien bewiesen, dass illegale Downloads eben nicht zu derart hohen Verlusten führen. Im Gegenteil, einige Erhebungen versuchen sogar zu beweisen, dass dadurch der Verkauf ansteigt. Ob das nun in diesem Umfang auch zutrifft, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Gelder, die in die Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Internet gestopft werden, dürften aber exorbitant hoch sein, im Vergleich zum Gewinn. Kurz um: Die wahren Feinde sind die GEMA und YouTube. Dieser anhaltende Streit über die Verwertungsgebühren versetzt den Künstlern einen harten Schlag. Sie und auch ihre Fans sind die leidtragenden Verlierer in diesem verhängnisvollen Spiel. Bringt nicht die Artists um ihre Musik und die Fans um den Genuss.


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

1 Kommentar

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.

  1. Kommentar von Tjark · · #

    Tatsächlich gibt man beim Beitritt der Gema dieser das alleinige Verwertungsrecht an seinem Werk. Das heißt die Gema hätte durchaus das Recht Youtube dazu zu verpflichten die Videos auf Warner Brazils Youtube Kanal zu sperren.
    Allerdings ist dennoch Youtube an der Sperre Schuld da sonst schlicht alle Versionen des Liedes gesperrt wären.
    Sowieso finde ich es absolut OK dass die Künstler Geld für die Verwendung ihrer Musik auf Youtube bekommen sollen.