Idee: Android als praktisches Baukasten-Betriebssystem

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz präsentierte Google viele kleinere Neuheiten. Anstatt eine neue Android-Version vorzustellen, setzen sie viel lieber auf Dienste, die jeder Smartphone-Anwender benutzen kann. Dabei spielt es keine Rolle, welche Version der Nutzer verwendet. Zwar wird Android 4.3, 5.0 oder welches Nümmerchen da am Ende steht, weiterhin erscheinen und gewisse Verbesserungen mit sich bringen. Aber im Grunde ist Android seit Ice Cream Sandwich optisch schöner geworden und durch Jelly Bean funktional genug. Nun stellt sich die Frage: Könnte es Google gelingen, Android auf eine ganz neue Ebene zu führen? Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und möchte euch auf eine spektakuläre Reise der Android-Personalisierung einladen.

Vorhang auf für Googles Baukasten-Spielplatz

Android überzeugt seit jeher durch seine Anpassbarkeit. In diesem Punkt steckt das System alle anderen in die Tasche. Diese Stärke könnte man aber noch viel weiter ausbauen und zugleich das Fragmentierungsproblem beseitigen. Stellt euch einfach mal Folgendes vor: Die Hardwarehersteller konzentrieren sich vorrangig auf die Entwicklung neuer Smartphones und Tablets. Google arbeitet an Android weiter. Die Hersteller statten die Geräte mit einem Minimalsystem aus. Fast so ähnlich, wie Google das bereits bei der Nexus-Reihe betreibt. Den Faden kann man noch weiter spinnen. Android müsste noch modularer aufgebaut werden, sodass Google eine Android-Version für alle Geräte herausbringt. Kernel, Recovery und Co. bleiben in der Hand des Herstellers und um die reine Software kümmert sich Google ganz allein. Obendrein könnte es die Option geben, dass man wie bei CyanogenMod Themes verwendet und Samsung und Co. ihre Oberflächen trotzdem anbieten können.

Android Boy (Quelle: victoria white2010, Liz. CC BY 2.0)
Android Boy (Quelle: victoria white2010, Liz. CC BY 2.0)

Diese Vorgehensweise hätte mehrere positive Aspekte. Den Herstellern würde es viel Geld sparen. Sie hätten deutlich mehr Zeit, um gescheite Geräte zu produzieren. Der komplette Entwicklungsprozess geht schneller voran. Alle Nutzer würden ein aktuelles System bekommen und könnten es nach ihren Wünschen frei anpassen. Also Vorteile würde es Unmengen geben. Woran scheitert es? Ich meine, die Geschichte mit den Nexus-Geräten wäre bereits jetzt umsetzbar. Sträuben sich die Hersteller? Geht es am Ende doch darum, dass Android Open Source ist und daher jeder macht, was er will? Mir ist durchaus bewusst, das HTC etc. mit ihren Geräten einen Mehrwert schaffen möchten. Weil die aktuelle Hardware beinahe identisch bei vielen Herstellern ist, muss man eben mit anderen Dingen punkten. Okay, da kann dann nur die Software herhalten. Aber muss das wirklich komplett aus einem Guss stammen? Daher auch der Gedanke der noch stärkeren Modularisierung.

Wie findet ihr meinen Ansatz? Im Übrigen bin ich nicht der Einzige, der auf diese Idee gekommen ist. Also scheine ich mit meiner Sichtweise nicht allein dazustehen. Ob und wie dieses Konzept umgesetzt werden könnte, liegt in erster Linie an Google und den Hardwareherstellern. Mit dem Kauf von Motorola und der aktuellen Umstrukturierung könnte der Suchmaschinen-Riese noch einen etwas anderen Weg einschlagen. Aber das Fragmentierungsproblem dürfte es nicht lösen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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