PRISM: Die Abrechnung für unsere digitale Sorglosigkeit!

Gibt es PRISM wirklich? Ist es echt? Macht uns die NSA etwas vor oder ist es die ungeschönte Realität? Darauf kann ich keine Antwort geben. Das wird sich in den nächsten Wochen oder Monaten einfach zeigen. Es spielt auch überhaupt keine Rolle ob PRISM ein Fake sein könnte. Viel mehr geht es darum, dass uns diese Thematik aus dem Tiefschlaf sofort aufs Schlachtfeld klatscht. Ohne Waffe oder jegliche Ausrüstung. So geht es Millionen von Menschen, die schlicht weg nie im Leben mit einer solchen Hinterhältigkeit gerechnet hätten. Manch einer, wie beispielsweise auch ich, hat sich mit diesen Szenarien bereits vorher befasst und steht nun leicht grinsend daneben. Mit den unausgesprochenen Worten auf den Lippen: “Siehste, was habe ich dir immer gesagt?” Aber es wäre grundverkehrt die anderen einfach auszulachen. Nein, viel wichtiger ist Aufklärung und Wachrütteln. Wir müssen nach wie vor lernen uns sicherer im Internet zu bewegen.

PRISM ist ein deftiger Denkzettel an jeden Internet-User

Mit Pauken und Trompeten trabt die NSA durch unsere schöne Web-Landschaft. Sie reißt sämtliche Mauern ein und stellt jegliche Privatsphäre im WWW auf die Probe. Kann es diese überhaupt (noch) geben? Schließlich ist das Social Web so was wie die Öffentlichkeit himself! Auch wenn manche der Ansicht sind, dass die eigene Persönlichkeit schon lange nicht mehr privat ist, muss ich dem weiterhin widersprechen. Klar ist das Internet, wie das reale Leben auch, ein öffentlicher Raum. Aber rennen wir dort mit einer Registerkarte samt Name, Adresse, Beziehungsstatus und sexuellen Vorlieben herum? Tragen wir unsere Seele auf der Zunge? Demnach versuchen uns gerade Unternehmen wie Facebook, Google und mittlerweile auch Microsoft dazu zu erziehen genau das Zutun. Sie signalisieren uns eindringlich, das wir verstärkt über das Web kommunizieren sollen und das auch wollen. Aber ist das wirklich so gewinnbringend? Bauen wir nicht in Wahrheit soziale Kompetenz genau dadurch ab? Manch einer lebt zunehmend online und kann gar nicht mehr anders. Ist das zwingend erforderlich?

Privacy Key (Quelle: Sebastien Wiertz, Liz. CC BY 2.0)
Privacy Key (Quelle: Sebastien Wiertz, Liz. CC BY 2.0)

Während Startups und Dienste uns zur Datenspende aufrufen, hocken im Hinterzimmer ganz andere Spießgesellen. Geheimdienste interessieren sich brennend für jede Persönlichkeit. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung versuchen uns diese lieben Menschleins jeden Tag vor unzähligen Attentätern zu schützen. Dafür brauchen sie jedoch unsere Hilfe und die geben wir bereitwillig mit unseren Daten. Halt! Wer hat hier gerade etwas von bereitwillig geschrieben? Auf keinen Fall! So weit kommt es noch. “Meine Daten gehören mir”, werden jetzt viele aufschreien. Tatsächlich? Hat mal jemand die Nutzungsbedingungen von Facebook gelesen? Dort steht ausdrücklich, dass ihr eure Rechte an Facebook abtretet. Der gute Mark kann dann problemlos auch mal ein paar Terabyte an die NSA abdrücken, wenn sie freundlich fragen. Wie ihr seht, habt ihr hier absolut rein gar nichts mehr in eurer Hand. Die Gefahr ist offensichtlich, wie vertrauenswürdig sind die Dienstleister?

Kann man Cookies essen oder wie aufgeklärt sind wir?

Witzigerweise musste ich bei der ganzen PRISM-NSA-Affaire an Eben Moglen denken. Auf der re:publica 2012 hielt er einen sehr interessanten Vortrag über Sicherheit und Privatsphäre im Web. Mit dem Projekt “FreedomBox“ will er zusammen mit anderen hellen Köpfen eine kleinen Kasten entwickeln, welcher einfach zwischengeschalten wird und eine sichere Verbindung ins Internet ermöglicht. Sozusagen ein VPN für die Hosentasche. Okay, bis es so weit ist, vergeht noch sehr viel Zeit. Zeit, die wir nicht haben. Wir müssen jetzt handelt um nicht irgendwann ganz handlungsblind durchs Social Web zu wandern. Daher ist Aufklärung ein erster wichtiger Schritt. Luca Caracciolo von t3n.de nimmt mir mit seinem Artikel “PRISM: Warum nur digitale Aufklärung gegen die Überwachung schützt“ schon halb die Worte aus dem Mund. Er schreibt, dass gerade das Fach Informatik in der Schule sehr wichtig ist. Die Kinder müssen bereits von klein auf mit dem Medium Internet in Kontakt kommen und es richtig lernen sich sicher zu bewegen. Wir brauchen einen digitalen Schutzschild.

EU Privacy Directive (Quelle: Surian Soosay, Liz. CC BY 2.0)
EU Privacy Directive (Quelle: Surian Soosay, Liz. CC BY 2.0)

Dem setze ich noch eins drauf. In meiner Altersgruppe, also zwischen 20 und 30 Jahren, gibt es genügend, die es genauso bitter nötig hätten einen Internetführerschein abzulegen. Die eigene Privatsphäre steht bei ihnen oftmals nicht ganz oben. Sondern fast am Ende der Liste. Aufgrund der rasanten Entwicklung des Internets sind viele nicht mitgekommen. Folglich auch nicht ausreichend für derartige Themen sensibilisiert. Trotzdem wird von ihnen verlangt mit dem Computer, als auch dem Internet arbeiten zu können. Wie sollen sie sich am besten verhalten? Dieser Nutzergruppe bleibt kein anderer Ausweg, als so zutun, als ob sie damit perfekt klarkommen würde. Frei dem Motto: Aus totaler Unwissenheit heraus intelligent wirken. Das Problem an der Geschichte, sie sind die optimalen Köder für Google, Facebook und Konsorten. Ein gesundes Sicherheitsbewusstsein verkümmert oder bleibt gleich ganz auf der Strecke.

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon zu spät?

Um es auf den Punkt zu bringen. Dank PRISM müssen wir uns erneut mit der Sicherheit unserer Privatsphäre im Web auseinandersetzen. Aber wir brauchen bereits vorgestern eine Lösung für heute. Ist an der Überwachung durch die NSA etwas dran, dann schlägt es definitiv fünf vor zwölf. Dann ist Schluss mit unserer digitalen Sorglosigkeit. Wir müssen sehr viel mehr hinterfragen, uns schlaumachen und nicht einfach alles hinnehmen. Geiz ist geil, aber es ist verdammt noch mal ungeil, wenn wir die Marionetten in einem verhängnisvollen Spiel sind. Private Daten sind eine Währung und wer das nach wie vor nicht verstanden hat, wird alsbald ein böses Erwachen erleben. Ein brauchbarer Dienst kann doch ruhig mal ein paar Euro kosten, solang es unsere Identität besser schützt. Das World Wide Web ist schließlich kein rein kostenloser Bereich. Im realen Leben verhält es sich nicht anders. Oder geht ihr in einen Supermarkt und nehmt euch, was ihr braucht, ohne zu bezahlen?

Astronomical Clock (Quelle: outcast104, Liz. CC BY 2.0)
Astronomical Clock (Quelle: outcast104, Liz. CC BY 2.0)

Mich interessiert es absolut nicht, was an PRISM dran ist oder was dem noch folgen wird. Mit relativer Sicherheit wird es aber nur die Spitze eines sehr großen Eisbergs sein. Wir müssen endlich aufwachen und aktiv etwas für unsere eigene Privatsphäre im Social Web tun. Denn durch Gesetze allein wird sich das nicht alles regeln lassen. Das Internet ist international und kennt keine Landesgrenzen. Folglich ist die Novellierung des Datenschutzgesetzes in Deutschland oder der EU keine allzu große Hilfe. Es liegt auch an uns, wie wir Facebook, Google, Microsoft, Dropbox etc. pp. unsere “Regeln” aufzwingen. Auf diesem Wege können wir sie quasi entmachten, bevor sie eines Tages zu viel Gewalt über uns haben. Dann ist eine Totalüberwachung bittere harte Realität. Kein Schritt mehr allein, immer ein virtueller “IM Hauser” im Nacken. Das hatten wir schon mal so ähnlich. Jedoch ist nirgendwo eine Profilbildung so kinderleicht, wie im Internet.

Schreib dich nicht ab, schütze deine persönlichen Daten im Netz!!!

Schlussbemerkung Mein Artikel soll zum Nachdenken animieren und vielleicht dazu führen, dass manch einer sein tägliches Online-Verhalten überdenkt. Ich wette mit euch, das PRISM in wenigen Wochen bzw. Monaten bereits von vielen wieder vergessen wurde. Und genau das dürfen wir aber nicht!


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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