Netzneutralität mit 2 Mbit/s bei der Deutschen Telekom

Vorgestern Abend ging das Gerücht um, dass die Deutsche Telekom ihre Drosselpläne ein wenig entschärfen möchte. Anstatt die Kunden ab 2016 nach Verbrauch ihres Volumens auf sage und schreibe grandiose 384 Kbit/s zu gängeln, bietet man nun 2 Mbit/s an. Wow, das nenne ich jetzt echt einen Quantensprung. Damit hat sich Niek Jan van Damme die Kritik vieler verärgerter Nutzer wirklich sehr genau angehört. Wer an dieser Stelle ein bisschen Ironie erahnt, liegt verdammt richtig. Es ist kein wirklicher Fortschritt, wohl eher ein erster Schritt in die vielleicht richtige Richtung. In den kommenden Wochen werden vermutlich die Bundesnetzagentur und auch das Bundeskartellamt zu einer Aussage kommen müssen. Aus meiner Sicht gefährdet die Telekom eindeutig die Netzneutralität und gleichzeitig sorgt sie für eine Wettbewerbsverzerrung.

“Mit 2 Mbit/s liegen wir deutlich über dem Mindestrichtwert”

Mit dieser glanzvollen Aussage möchte uns van Damme, Deutschlandchef der Telekom, klar machen, dass sie damit die, von der Bundesnetzagentur, geforderte Mindestbandbreite von 1 Mbit/s verdoppeln. Das klingt zunächst absolut toll. Aber was sind denn bitte 2 Mbit/s in Wahrheit wert? Was kann der Nutzer damit alles anfangen? Zum normalen Surfen wird es reichen. Jedoch bei Entertainmentangeboten, wie beispielsweise Lovefilm, an seine Grenzen stoßen. Diese machen mittlerweile in deutschen Haushalten einen Großteil der eigentlichen Nutzung aus. Das Internet wird nicht mehr ausschließlich zum Mal was googeln benutzt. Wir leben nicht mehr in guten ISDN- oder 56k-Modem-Zeiten. An den Volumengrenzen hat sich nichts verändert. Gerade die hätte die Deutsche Telekom aufwerten müssen. Mit mindestens 75 GB kommt doch kein normaler Haushalt zurecht.


Telekom – Netz der Zukunft (Alexander Lehmann)

An der anhaltenden Debatte hat sich bis dato wenig geändert. Die Politiker sind endlich mal aufgewacht und möchten sich mit dem Thema Netzneutralität Ende Juni im Bundestag befassen. Bürger haben die Möglichkeit sich an der Petition zu beteiligen. Leider habe ich die leise Vermutung, dass es wieder so laufen wird, wie beim Leistungsschutzrecht und der Bestandsdatenauskunft. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre. Andernfalls werden uns die Telekom und andere Anbieter die Fußfessel anlegen. Die Bundesnetzagentur muss noch eine weitere Frage klären. Braucht es für die Drosselkom wirklich vorgeschriebene Router, damit die Kunden gegängelt werden können? Denn wie wir wissen, kosten die Endgeräte beim T-Punkt noch mal extra Geld.

Was versteht die Deutsche Telekom unter Netzneutralität?

Also wer keine Flatrate Zero wünscht, muss sich dagegen zur Wehr setzen. In erster Linie funktioniert das mit der Petition und ansonsten kann ich nur dazu aufrufen: sagt eure Meinung laut und lasst euch nicht verschrecken. Auch wenn die angedrohte Drossel erst frühestens 2016 technisch umsetzbar sein soll, steht sie bereits heute fest in den AGBs drin. Jeder Neukunde oder Bestandskunde, der auf einen IP-basierenden Anschluss umgestellt wird, stimmt den neuen Nutzungsbedingungen zu. Daher könnte jederzeit eine Einschränkung seitens der Telekom gemacht werden. Aus reinem Gutglauben kann man sich nicht auf diese Aussagen verlassen. Wie bereits angesprochen steht dank dieser ganzen Diskussion die Netzneutralität auf dem Prüfstand. Sascha Lobo hat sich zur Aufwertung der Drosselung auf Twitter sehr vortrefflich geäußert.

Drosseln auf 2MBit/s statt 384kBit/s, das ist viel besser. Wie mit 2 Patronen erschossen werden statt mit 4 Patronen. #telekom
Sascha Lobo (@saschalobo) June 12, 2013

Telekomsprecher Husam Azrak lehnte sich jüngst beim ZDF sehr weit aus dem Fenster. Am Beispiel der Niederlande wolle er verdeutlichen, dass das Internet, durch die dort gesetzlich geregelte Netzneutralität, teurer und langsamer werde. Die Frage ist: Was macht die Telekom? Sie spielen nicht etwa klein Niederlande in deutschen Breitengraden, oder doch? Wie steht ihr zu diesem Thema? Reichen euch 2 Mbit/s und 75 GB im Monat wirklich aus?


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

1 Kommentar

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  1. Kommentar von Razcal · · #

    Nö, so wenig reicht mir nicht, denn ich möchte für mein hart verdientes Geld auch Leistung sehen. Und das ist für mich keine Leistung!

    Gruß

    Raz