Wie sicher sind deine E-Mails mit Yahoo! Mail und Co.?

Habt ihr euch mal die überaus sinnige Frage gestellt, wie sicher eure E-Mails heutzutage bei all den größeren Mailanbietern noch sind? Erst kürzlich gab Yahoo bekannt, das sie auf ein neues Mail Interface umstellen und augenscheinlich auch neue Nutzungsbedingungen einführen. Frei nach dem Motto friss oder stirb. Um personalisierte Werbung schalten zu können, bedarf es natürlich auch privaten Informationen. Wie gewinnt man die? Richtig, zum Beispiel durch E-Mails. Und um es nicht ganz so doll nach Geldmacherei aussehen zu lassen, schickt Yahoo die liebe Sicherheit als Schutzpatron vor. Schaut man sich bei anderen Anbietern um, sieht es aber keineswegs besser aus. Gmail handhabt das schon eine ganze Weile so und auch Microsofts Outlook.com ist vermutlich kein Sonnenscheinchen.

Die Anbieter schnüffeln nicht, sie sind nur interessiert!

Was würde passieren, wenn die Deutsche Post neuerdings jeden Brief öffnen, lesen und gewinnbringend damit Geld verdienen würde? Der Aufschrei wäre fatal. Das verletzt schließlich das Briefgeheimnis. Welches seit 1949 in Artikel 10 des Grundgesetzes geregelt wird. Für E-Mails gibt es das nicht. Aber eine Freifahrtsschein fürs Herumspionieren sollte das nicht sein. Trotzdem nehmen sich viele E-Mail-Dienste genau dieses Recht einfach heraus. Man muss noch bedenken, dass die meisten in den USA sitzen und die Rechtslage dort ganz anders ausschaut. Daher muss man sich wirklich gut überlegen, ob Yahoo, Google, Microsoft und Co. einen solchen Vertrauensbonus genießen sollten oder ob sensible Daten wo anders besser aufgehoben sind. Da finde ich es auch nicht besser, wenn Yahoo es beispielsweise mit einer Erhöhung der Sicherheit rechtfertigen möchte.

Yahoo spioniert? (Quelle: Yahoo! Yodel, Liz. CC BY 2.0)
Yahoo spioniert? (Quelle: Yahoo! Yodel, Liz. CC BY 2.0)

Zumal bereits seit 2007 Filter zur Phishing- und Malware-Abwehr eingesetzt werden. Es wirkt etwas sehr fadenscheinig. Wir wissen, das Yahoo seit Jahren keinen richtigen Stand mehr hat und von Konkurrenten wie Google und Microsoft schlichtweg überrundet wurde. Demnach erscheint eine Änderung der Nutzungsbedingungen in einem anderen Licht. Wie so oft geht es um den schnöden Mammon. Geld regiert die Welt! Das ist auch bei Marissa Mayer nicht anders. Selbiges gilt auch für die Konkurrenz. In den Zeiten des social Webs interessieren sich große Konzerne verstärkt für die Interessen ihrer Kunden. Gerade die Werbeindustrie profitiert davon ungemein. Immerhin erreicht man mit dem Internet heute nahezu fast jeden Menschen und Angebote können darüber hinaus auch deutlich spezialisiert werden.

Wir denken zu oft nur von A nach B. Was ist mit T?

In vielen Köpfen ist es immer noch nicht angekommen. Was ich heute mache, darf mir morgen, übermorgen oder in 20 Jahren nicht das Genick brechen. Tut es das allerdings doch, dann hat man wohl einen herben Fehler gemacht. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir müssen uns darüber im Klaren sein, das eine Handlung weitreichendere Folgen hat, als nur ihre kurzzeitige Wirkung. Die Langzeitauswirkungen sind entscheidend. Gebe ich einem Dienst heute meine persönlichen Daten, was macht er in ein paar Jahren damit bzw. was ist aus ihnen geworden? So weit denken viele oft gar nicht. Dies untermauert auch eine aktuelle Statistik von W3B. Die meisten Nutzer machen sich kaum Gedanken darüber, was sie alles an welchen Ecken und Enden über sich preisgeben.

So sieht das neue Yahoo! Mail aus
So sieht das neue Yahoo! Mail aus

Doch zum Vorwurf kann man es den Wenigsten machen. Im Grunde wird immer wieder der Umgang mit dem Internet vorausgesetzt, aber kaum einer bewegt sich richtig. Auch ich mache sicherlich Fehler. Von wem sollte man es wohl lernen? Ich denken, die führenden Köpfe der Netzgemeinde (selbst ernannte Hobby Lobby, wie sie Sascha Lobo nennt) sind in der Pflicht uns den Weg zu weisen. Unternehmen versuchen immer wieder ihre Kunden zu lenken und zu kontrollieren. Das muss einfach jedem bewusst werden. Jedoch bedeutet das nicht, dass man hilflos danebensteht. Nur ein schlauer Kunde wird auf kurz oder lang in der Lage sein, über sich selbst zu bestimmen.

Der Ausweg: Neuer E-Mail-Provider oder Briefe schreiben

Als User kann man sich nur einen vertrauenswürdigen Anbieter suchen. Teilweise gibts die sogar umsonst oder kosten ein paar Euro. Der sicherste Weg ist ein eigener Mailserver samt Verschlüsselung. Dazu bedarf es allerdings der nötigen Erfahrung durch den Anwender. Vielleicht ist auch ein Brief mal wieder eine Idee. Da schaut auch kein Postmitarbeiter einfach so rein. Klar kommt auch mal vor, aber die Kritik wäre lauter als die bei Yahoo. Vermutlich werden nach und nach alle größeren E-Mail-Provider auf diese Werbepraxis umsteigen. Google hat es vorgemacht. Jetzt sind eben andere dran, um es nachzuahmen. Nun folgt aber der Witz an der ganzen Sache. Yahoo hat die gleichen Nutzungsbedingungen seit 2011. Durch die Umstellung auf die neue Mail Oberfläche wurden alle Nutzer dazu aufgefordert, den AGBs erneut zuzustimmen.

Ein Brief aus Kenia (Quelle: Jeff Turner, Liz. CC BY 2.0)
Ein Brief aus Kenia (Quelle: Jeff Turner, Liz. CC BY 2.0)

Mit Scroogled! hatte Microsoft eine Kampagne ins Leben gerufen, um auf die Datenschutzproblematik bei Google hinzuweisen. Dass dies natürlich vorrangig ein Marketinginstrument ist, scheint klar. Trotzdem zeigt sich dadurch nochmals deutlich, dass Google bereits seit 2004 E-Mails scannt. Dahinter lässt sich folglich eine gängige Praxis vermuten. Dulden sollte man das nicht. Ein Mitgrund, wieso ich größtenteils keine Google Dienste verwende und meine eigene Cloud betreibe. Man sollte sich nicht alles gefallen lassen und eingehender darüber nachdenken, bevor man einen Dienst verwendet und vor allem wie er arbeitet.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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