Adobe Creative Suite: Abo-Modell, statt Lifetime-Lizenz

Tja, vor gut einer Woche war das ein kleiner Schock für alle Nutzer der Adobe Creative Suite. Diese wird eingestellt und vollständig durch die Creative Cloud ersetzt. Doch dieses neue Geschäftsmodell hat viele Gesichter und der Konsument muss sich genau überlegen, ob der Wechsel mit Anbindung an die Datenwolke sinnvoll ist oder eher nicht. Dabei ist es nicht nur allein eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage der Sicherheit und Verfügbarkeit. Seitens der Nutzer gab und gibt es gegenüber Adobes Schritt harsche Kritik. Ich habe mir nun auch mal so meine Gedanken darüber gemacht und möchte diese mit euch teilen.

Wie grenzenlos ist die Creative Cloud?

Cloud klingt super. Doch so toll ist die gar nicht mal. Für rund 62 Euro im Monat steht einem jedes Produkt der Creative Cloud zur freien Verfügung. Die Programme müssen trotzdem lokal installiert werden. Dazu gesellt sich ein 20GB Onlinespeicher und ein wenig zusätzlicher Firlefanz. Für ein wenig Bildbearbeitung wird der Speicher sicherlich ausreichen. Anders schaut es aber bei Videoschnitt aus. Da wird man bereits an seine Grenzen stoßen. Also bleibt einem nur die Option offen, weiterhin alles lokal zu speichern. Für knappe 86 Euro pro Monat und Nutzer gibt es quasi noch eine Team-Lösung. Dort stehen immerhin 100GB zur Verfügung. Aber die Welt ist das auch nicht. Adobe könnte wohl irgendwann dazu übergehen, die Aufstockung von Speicherplatz anzubieten.

Die Zukunft der Kreativität liegt für Adobe in der Cloud
Die Zukunft der Kreativität liegt für Adobe in der Cloud

Wer nun glaubt, dass die Creative Cloud günstiger als die Creative Suite ist, der irrt sich gewaltig. Als Kunde muss man das monatliche Abo, die benötigten Hardwareanforderungen und sämtliche Nebenkosten einkalkulieren. Hochgerechnet auf 3 Jahre zahlt der Anwender nicht wesendlich weniger. Im Grunde erhält der User bei der Wolkensoftware eine beschnittene Leistung zum vollen Preis. Adobe ist von einer richtigen Cloud-Anwendung noch Lichtjahre entfernt. Deshalb kann an den benötigen Hardware-Ressourcen auch nicht gespart werden. Jeder Nutzer muss sich im Klaren darüber sein, seine Projekte nach Möglichkeit ebenfalls offline zu speichern. Denn hat man gerade kein Internet und alles online gesichert, ist an Arbeiten nicht wirklich zu denken.

Wem gehören denn jetzt meine kreativen Werke?

Aus dem Problem der Verfügbarkeit der Lizenz ergibt sich ein weiterer Konflikt. Was passiert mit den Werken, wenn man nicht weiter für das Abo zahlt? Bis jetzt war es so, dass man danach keinen Zugriff mehr auf seine Daten erhielt und somit wie der Esel vorm verschlossenen Tor stand. Laut Produktmanager John Nack denkt Adobe über eine Änderung dieser Bestimmung nach. So könnte es sein, dass man auch nach dem Ende der Pay-Cloud weiterhin seine Dateien öffnen, exportieren und drucken kann. Aber bis jetzt ist das nicht zu 100 Prozent garantiert. Daher ergibt sich auch die Frage: Wem gehören meine kreativen Werke? Kann ein Kunde nicht mehr auf seine Daten zugreifen, dann wird er folglich um seine kreative Leistung betrogen. Eigentlich ist es der beste Weg, auf eine ältere Creative Suite Version zurückzugreifen. Doch diese könnte zwangsläufig inkompatibel sein.

Adobe Creative Cloud - Umfangreiches Angebot oder eher nicht?
Adobe Creative Cloud – Umfangreiches Angebot oder eher nicht?

Gedanken um die Datensicherheit muss man sich auf jeden Fall genauso machen, da die Cloud-Daten in den USA gespeichert werden. Keiner wird genau wissen, wer alles einen Zugriff auf die Daten erhält. Stellen wir uns das schlimmste Szenario vor: Adobe wird Opfer eines Hacks. Dann besteht die Möglichkeit, dass digitale Werke entwendet werden. Wäre das dann nicht Kunstraub? Ich meine schon! In Zeiten von stetig zunehmender Wirtschaftsspionage wird die Cloud sicherlich auch einen gelungenen Angriffspunkt darstellen. Die Konkurrenten dürfte es bestimmt brennend interessieren, was ihre Mitbewerber Schönes zaubern. Dadurch, dass die kreative Wolke so viele verschiedene mediale Dienste anbietet, ist das Spektrum an Nutznießern recht groß. Daher ist es sehr empfehlenswert, sämtliche Dateien weiterhin offline zu speichern. Ein Hacker muss sich immer erst Zugriff auf ein lokales Netzwerk verschaffen. Das ist wiederum zeitaufwendiger.

Creative Cloud ist nicht nur Photoshop

Ich habe versucht die Creative Cloud in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Denn wie manche vielleicht denken, ist es eben nicht nur ein einzelnes Programm, wie Photoshop. Es betrifft auch Produkte, wie InDesign, Illustrator und beispielsweise auch Dreamweaver. Das sich der kreative Geist von heute die hohen Kosten für leistungsfähige Ressourcen sparen könnte ist reines Wunschdenken und die Creative Cloud spiegelt das in keiner Weise wieder. Es ist streng genommen ein “Creative Abo”. Leider bietet das neue Modell in meinen Augen zu viele Nachteile und diese führen unweigerlich dazu, dass die Anwender von Adobe-Software immer mehr der Knechtschaft des Konzerns erliegen. Zusätzlich greift Adobe die digitale Kunst ab und zwingt einen gerade dazu weiter zu zahlen. In der Urheberrechtsdebatte wird sich auf jeden Fall noch etwas tun. Trotzdem werden gewissen Einschränkungen einfach bleiben.

Die Creative Cloud bietet bietet einige kreative Werkzeuge
Die Creative Cloud bietet einige kreative Werkzeuge

Es wäre wünschenswerter, wenn Adobe den Weg wie Microsoft gehen würde. Der Betriebssystementwickler bietet seine Office-Produkte sowohl als Abo-Variante, so wie auch als klassische Desktop-Version an. Damit kommt man allen Kunden entgegen. Eine weitere Überlegung wäre es, die Creative Cloud als ein Zusatzfeature zu verstehen. Das wäre meiner Ansicht nach die beste Option von allen. Man kann nur hoffen und sich dafür starkmachen, das Adobe zur Einsicht kommt. Ich möchte ungern Geld für eine beschnittene Software ausgeben müssen. Geht es euch da ähnlich wie mir? Dann gebt eure Stimme bei der Petition gegen die Creative Cloud auf change.org ab.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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