Verteidige dein Bild! Suchmaschinen "beklauen" dich

Google hat vergangene Woche einen Blogeintrag im Webmaster Central Blog veröffentlicht und stellt darin die überarbeitete Bildersuche vor. Diese steht schon jetzt weitestgehend allen Nutzern zur freien Verfügung. Bei der Überarbeitung stand die Verbesserung der User Experience im Vordergrund und auf die Wünsche vieler Webmaster und Anwender wurde besondere Rücksicht genommen. Allerdings stößt die neue Suche bei einer Vielzahl an Webseitenbetreibern und Bloggern teils auf heftigen Widerstand. Google nimmt sich nun mehr als nur ein kleines Vorschaubild. Aber was machen Bing und Yahoo?

Nutzerfreundlichkeit vs. Urheberrecht

Bis dato war es ja so, dass die Google Bildersuche nur Thumbnails der Bilder angezeigt hat und für den Aufruf des Originalbildes sowohl ein iframe mit der dazugehörige Webseite, als auch ein Link zum Bild gestellt wurde. Dies wird sich mit dem Redesign der Bildersuche stark verändern. Google verzichtet künftig auf iframes und bezieht die Quellseiten nur noch in Form von mäßigen Verlinkungen ein. Bis auf Deutschland und Frankreich können alle Besucher dieses neue Design bereits verwenden. Schaut dann so aus:

Redesign der Google Bildersuche
Redesign der Google Bildersuche

Es ist deutlich erkennbar, dass das Ansehen von Bildern nun für den User erleichtert wird und zusätzlich Ladezeiten einspart. Diese Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Doch Google achtet in keiner Weise auf Urheberrechte. Rigoros werden alle Bilder indexiert, die abgegriffen werden können. Lediglich der folgende kleine und irrelevante Hinweis erfolgt:

Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt.

Schön, aber bedeutet nicht, dass Google diese Rechte missachten darf. Zum Verwenden von Thumbnails gibt es bereits ein BGH-Urteil. Jedoch geht diese neue Art der Nutzung weit darüber hinaus und ist definitiv ein Verstoß gegen geltendes Recht. Schließlich werden alle indexierten Bilder direkt verlinkt und machen dadurch jeglichen Seitenbesuch der Quellseite überflüssig. Aus diesen Gründen hat Martin Mißfeldt die Aktion "Verteidige dein Bild!" ins Leben gerufen. Ihm geht es darum, die neue Bildersuche vor allem in Deutschland zu stoppen.

Google erfindet das Rad nicht neu, Bing war schneller

Das Redesign der Google Bildersuche ist Weisgott nichts spektakulär Neues. Ich habe mich daraufhin bei Bing, bzw. Yahoo (nutzt die Bing-Suchergebnisse) umgesehen und musste feststellen, dass Bilder dort bereits so eingebunden werden, wie Google es gerne umsetzen möchte. Auch hier finden Urheberrechtsverletzungen am laufenden Meter statt.

Deutsche Bing Bildersuche Amerikanische Bing Bildersuche Yahoo Bildersuche
DE- und US-Version der Bing Bildersuche, sowie von Yahoo (v.l.n.r.)

Als Seitenbetreiber kann man zunächst dazu übergehen und das sogenannte Hotlinking für Bing und Google unterbinden und auch das Indexieren boykottieren. Damit wird das ungefragte Klauen von eigenen Bildinhalten und Traffic verhindert. Hier einmal zwei Ansätze:

Hotlinking per .htaccess kontrollieren

<IfModule mod_rewrite.c> 
RewriteEngine On 
RewriteCond %{HTTP_REFERER} !^$ 
RewriteCond %{HTTP_REFERER} ^http://www\.bing\..*$ [NC,OR]
RewriteCond %{HTTP_REFERER} ^http://(.+)\.yahoo\..*$ [NC,OR] #optional
RewriteCond %{HTTP_REFERER} ^http://pinterest\.com.*$ [NC,OR] #optional
RewriteCond %{HTTP_REFERER} ^http://www\.google\..*$ [NC]
RewriteCond %{REQUEST_URI} !^.*hotlink\.jpg$ [NC]
RewriteRule ^.*\.(gif|jpg|png|jpeg)$ http://www.domain.tld/hotlink.jpg [NC,R,L]
</IfModule>

In meinem Beispiel setze ich auf eine Blacklist und alle darin aufgeführten Seiten bekommen das hotlink.jpg angezeigt, falls sie meine Bilder bei sich verlinken. Weitere Informationen zu Bilder Hotlinking verhindern findet ihr auf redirect301.de.

Indexieren von Bildern via robots.txt blockieren

User-agent: Googlebot-Image
User-agent: bingbot
Disallow: /*.jpg$ 
Disallow: /*.jpeg$ 
Disallow: /*.gif$ 
Disallow: /*.png$

Die Bots von Google-Image und bingbot erhalten ein Indexierungsverbot für alle Dateien mit den Endungen .jpg, .jpeg, .gif, .png auf der Domain, wo die robots.txt hinterlegt wurde.

Unsere Justiz muss jetzt handeln und urteilen!

Trotzdem führt auf längere Sicht an einem eindeutigen Gerichtsurteil kein Weg vorbei. Hoffentlich beschäftigen sich die Gerichte mit der Problematik des zu eigen Machens fremder Bildinhalte in Suchmaschinen. Google, Bing und Yahoo möchten offenbar nicht nur das Nutzungserlebnis verbessern, sondern auch ihre Schäfchen auf den eigenen Seiten halten. Zwar verständlich, aber nicht mit diesen Mitteln. Daher kann ich persönlich nur dazu aufrufen, es den Suchmaschinen hinsichtlich der Bilderverwertung zu erschweren.

Verteidigt eure Bilder und vor allem eure Urheberrechte!


Verteidige Dein Bild – Gegen die neue Google Bildersuche

Befürworter des Leistungsschutzrechts sollten sich angesichts dieser Problematik Gedanken machen, welche Thematik wohl von größerer Relevanz ist.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

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  1. Kommentar von Justus · · #

    Die Referrer-Methode funktioniert nur, wenn der User Google ohne SSL verwendet, denn nur dann wird der Referrer http://www.google.com/blank.html mitgesendet.
    Eingeloggte User und zukünftig auch User von Chrome v25 verwenden die https://…-Variante, bei der kein Referrer mitgesendet wird.

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Stimmt. Über Google Developers bin ich jetzt noch auf einen leicht veränderten Ansatz gestoßen. Die Möglichkeit via robots.txt habe ich bereits erwähnt. Allerdings lassen sich im Head-Bereich einer Webseite oder auch via .htaccess für Bildern die HTTP Header mitsenden.

    Robots meta tag and X-Robots-Tag HTTP header specifications – Webmasters – Google Developers

    Bereits Indexiertes dürfte aber wohl bleiben…