HTML5 soll erst 2016 Standard werden

Wenn es nach der W3C gehen würde, wird HTML5 erst 2016 zum offiziellen Standard gemacht. Dies gab das Standardisierungsgremium vergangene Woche bekannt. Bedeutet ergo, dass sehr viele Webseiten die bereits heute auf HTML5 setzen, nicht dem offiziellen Standard folgen. Wie geht das zusammen?

Ein Ausflug in die geistige Sphäre der W3C

Die W3C arbeitet seit nun ca. 4 Jahren an HTML5 und ein Ende des endgültigen Funktionsumfangs ist noch nicht in Sicht. Ideen gibt es sehr viele und man geht auch vermehrt auf Responsive Webdesign und mehr Interaktionen im Browser ein. So soll beispielsweise auch eine Kryptografie-API eingebaut werden, die über JavaScript realisiert werden soll und für JS Anwendungen eine Möglichkeit der Verschlüsselung bieten. Den ersten Entwurf haben Mozilla und Google nun fertiggestellt.

HTML5 Life Circle
HTML5 Life Circle (Quelle: mac steve, Liz. CC BY-NC-SA 2.0)

HTML5 geht schon einen guten Weg und vereinfacht auch viele Auszeichnungen, so dass es selbst Neulingen auf diesem Gebiet deutlich leichter fällt, etwas zu schreiben. Hinzu kommen neue Möglichkeiten, die vorher schwerer zu realisieren waren und nun mit wenigen Code-Zeilen erledigt werden können. In Sachen Barrierefreiheit im Hinblick auf alle erdenklichen Endgeräte hat sich sehr viel getan. Aber was nützt einem die schönste Theorie, wenn sie in der Realität nicht so ankommt?

Schnelligkeit ist keine Tugend, aber sinnvoll

Vor rund einem Monat trennte sich die WHATWG von der W3C und ich wies damals bereits darauf hin, dass dies auch aus dem Grund geschah, weil die W3C wirklich sehr lange braucht um eine neue Funktion zu verabschieden. Die Browserentwickler sind meist schon sehr viel weiter und implementieren neue Funktionalitäten bereits vorher, bevor sie zum Standard gemacht werden. Daher klingt es auch ein wenig lachhaft, das HTML5 erst in 4 Jahren der offizielle Standard sein soll.

HTML5 & CSS3
HTML5 & CSS3 (Quelle: Nelson Felix Giga, Liz. CC BY 2.0)

In der Realität schaut es ein bisschen anders aus, als in der Gedankenwelt der W3C. Viele Webdesigner und -entwickler setzen bereits heute auf HTML5 und CSS3. Selbst die großen Internetkonzerne wie Google, Mozilla, Apple und wie sie nicht noch alle heißen, setzen auf diese neuen Technologien. Aber nun muss man sich fragen, wie es mit dem eigentlichen Standard nun aussieht. Ist das Web nicht mehr standardisiert?

Zukunft.next oder einfach nur Zukunft

Mit der Entwicklung von HTML5 zeigt sich recht eindrucksvoll, wie eine Entwicklung leben kann, wenn man einmal von dem langwierigen Standardisierungsprozedere absieht. Eigentlich wäre es an der Zeit, das sich die W3C neu orientiert und neue Funktionen entwickelt, verabschiedet und diese zeitnah in die Webbrowser übernommen werden können. Damit würde man gewährleisten, dass der eigentliche Standard nicht in Gefahr gerät.

Denn vom Prinzip her ist HTML5 bereits auf dem Markt und wird von sehr vielen verwendet. Man kann also nicht sagen, dass das Ganze nun zu einem bestimmten Tag X der neue offizielle Standard sein wird. Denn dieser ist heute schon da, auch wenn noch neue Funktionen hinzukommen. Die W3C setzt nun alles daran, den Nachfolger "HTML.next" auf den Weg zu bringen. Dabei ist HTML5 noch lange nicht fertig.

html WHATWG
html WHATWG (Quelle: nidhug, Liz. CC BY-NC-SA 2.0)

Die WHATWG versucht hingegen nach HTML5 einen neuen Standard zu etablieren, der schlicht HTML lautet und ohne eine Versionierung auskommen soll. Das würde das ganze Problem eigentlich lösen, denn HTML ist nun mal eine lebende Bewegung.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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