Gefährdet Microsoft "Do not track"?

Bald ist es so weit und Windows 8 wird offiziell für jeden verfügbar sein. Damit kommt nicht nur ein neues und innovatives Betriebssystem heraus, sondern auch der Internet Explorer 10. Seit der Version 8 und 9 hat sich Microsoft wirklich darum bemüht, den Internet Explorer wieder nach oben zu reißen. Mit Erfolg! Nun wird mit dem IE10 eine Privatsphäre-Einstellung direkt gesetzt und das stößt auf einigen Unmut.

“Do Not Track” per Default

Wirklich neu ist die Information nicht, das Microsoft im Internet Explorer 10 die "Do Not Track" (kurz: DNT) in den Grundeinstellungen aktivieren möchte. Das soll laut den Redmondern zum Schutze der Windows-Nutzer geschehen. Doch der DNT Standard sieht vor, dass dieser vom Anwender selbst aktiviert werden soll und nicht bereits vorher aktiviert werden darf. Doch Microsoft hielt auch nach einer heftigen Debatte daran fest. Bis zum finalen Release hat sich daran nicht viel geändert.

Internet Explorer 10
Internet Explorer 10

Während des Installationsvorgangs eines neuen Windows 8 hat der User die Möglichkeit zu entscheiden, ob er DNT aktivieren möchte oder nicht. Bei neuen PCs oder Notebooks die mit einer OEM-Version erscheinen über nimmt der jeweilige Hersteller die Installation. Daher gestaltet es sich schwierig, die Wahlfreiheit beim Endverbraucher zu erhalten.

Wer kennt DNT eigentlich?

Welcher durchschnittliche Nutzer hat schon einmal was von “Do Not Track” gehört? Ich vermute recht wenige und viele wissen auch nicht, was diese Funktion überhaupt macht. DNT hat die Aufgabe das ein Nutzer nicht über mehrere Webseiten, die vom gleichen Werbenetzwerk Werbung beziehen, verfolgt wird. Sprich, es soll keine Personalisierung oder Profilbildung erfolgen. Das ist der Grundgedanke hinter DNT und wird in den Browsereinstellungen mit der Aktivierung als Wahl des Nutzers erkannt.

Apache HTTP Server Project
Apache HTTP Server Project

Also tut Microsoft uns doch einen Gefallen damit, wenn Internet Explorer 10 Nutzer gleich ein wenig mehr Privatsphäre erhalten würden. Doch nun lehnt sich Apache auf und deaktiviert serverseitig für genau diese Nutzergruppe diese Funktion. Damit werden IE10 User von vornherein geschädigt und um ihre Wahlfreiheit betrogen. Microsoft nimmt sie dem Nutzer nicht direkt weg, es wird lediglich aus einem Opt-out ein Opt-in. Wer personalisierte Werbung haben möchte, muss dem ausdrücklich zustimmen.

Microsoft gefährdet den DNT Standard

Auch wenn dem User ein Gefallen getan wird, bringt es den DNT Standard in Gefahr. Die Vereinigung der Werbetreibenden Digital Advertising Alliance akzepiert “Do Not Track” nur, wenn es per Default keine Voreinstellung ist. Mozilla und andere Browserentwickler gehen daher auch sehr behutsam vor. Denn sollte die Werbeallianz DNT nicht mehr anerkennen, wäre die ganze Funktion sinnlos. Dann würden alle Nutzer wieder ohne Anonymisierung erfasst und über Webseiten hinweg verfolgt werden, wie bei Google AdSense.

AdBlock Plus in Firefox
AdBlock Plus in Firefox

Es ist also ein zweischneidiges Schwert, was Microsoft da schwingt. Zumal “Do Not Track” alleine auch nicht ausreicht, um sich vor Werbung effektiv zu “schützen”. Neben DNT ist es Nutzern anzuraten zu AdBlock Plus zu greifen. Diese Browsererweiterung ist mittlerweile für fast jeden Browser existent. Zusätzlich können Adressen von Webseiten von Werbenetzwerken durch erfahrenere Nutzer in der Hosts-Datei blockiert werden.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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