Soziale Netzwerke sind doof

Die Überschrift ist eine Anspielung auf die TechnikLOAD Folge 95, in der David Maciejewski und Luca Caracciolo Twitter für doof erklären. Nun gibt Diaspora das Projekt an die Community ab, wobei das keinen Sinn ergibt. Facebook macht sein soziales Netzwerk immer mehr zum Werbenetzwerk und man sieht, dass sie Geld brauchen.


Twitter ist doof [TechnikLOAD 95]

Geld verdienen ist nicht alles

Twitter begeht aktuell die größten “Dummheiten”, wenn ich das Mal so bezeichnen darf. Zum einen haben sie ihre API Richtlinien derart geändert, dass sich sehr viele Entwickler gegängelt fühlen. Nun wird vorgeschrieben, was man zu tun und zulassen hat. Eine Timeline muss wie eine Timeline aussehen und darf natürlich nur Twitterfunktionen enthalten. Der Mehrwert von Twitterclients bleibt somit auf der Strecke.

Twitter API Übersicht
Twitter API Übersicht

Die Integration in anderen Plattformen wird vermutlich auch schwinden. Bei LinkedIn fing es an und Tumblr hat die Funktion Twitter-Kontakte im eigenen Netzwerk zu suchen auch entfernt. Daraus entsteht eine Isolation, die dem kleinen Vogel schadet, denn gerade bei der Integration in andere Dienste bestand die große Stärke und Beliebtheit. Das Argument Geld zu verdienen ist verständlich, aber man muss sich nicht selbst ins Bein schießen. Twitter ist doof.

Der Niedergang des dezentralen Netzwerks

Anfänglich war der Gedanke eines dezentralen sozialen Netzwerks um den Datenschutz zu gewährleisten zwar noch ganz interessant, aber funktioniert hat es nicht. In meinem Artikel "Soziale Netzwerke und der Datenschutz" hatte ich mich mit dem Thema im Allgemeinen bereits näher befasst. Caspar Clemens Mierau geht in seinem Beitrag "Datenschutz und soziale Netzwerke passen nicht zusammen" genauer auf die Diaspora-Problematik ein. Die Entwickler meldeten sich nun kürzlich zu Wort und geben das Projekt nun an die Community ab.

Der Diaspora Gedanke
Der Diaspora Gedanke

Das ergibt natürlich keinen wirklichen Sinn, denn seit Entstehung wird die Entwicklung von den Mitgliedern maßgeblich beeinflusst. Es klingt eher so, als hätten die Macher einfach nicht mehr die Lust und Laune weiter etwas daran zu machen. Dann wäre es sicherlich besser, das Netzwerk zu begraben und es nicht als lebenden Zombie weiter herum wandeln zu lassen. Diaspora ist doof.

Die Talfahrt der Facebookaktie

Der Börsengang von Facebook war eher ein Desaster. Die Aktie befindet sich immer noch auf einer Talfahrt und die Abfahrt kennt kein Ende. Der Ausgabekurs wurde nur kurzzeitig überschritten und anschließend nur noch unterschritten. Für das soziale Netzwerk eine bittere Pleite. Jüngst lief die Sperrfrist ab und einige Unternehmen zogen ihre Anteile zum Teil bereits heraus. Auf kurz oder lang kann man vermuten, dass noch mehr Unternehmen aussteigen könnten und die Aktie dadurch zusätzlich schwächen.

Facebook Timeline von Mark Zuckerberg
Facebook Timeline von Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg hat es zudem schwer sich bei der mobilen Nutzung zu behaupten, denn gerade dort fehlt es an Werbemitteleinnahmen. Und auch für Facebook wird das Thema Datenschutz immer relevanter. Noch versuchen sie es zu überspielen, aber lange wird man den Datenschützern wohl nicht standhalten, schätze ich mal. Die Mitglieder fühlen sich teilweise auch vorgeführt, wenn sie von Abstimmungen über neue Bestimmungen nicht viel mitbekommen. Facebook ist doof.

Doof, doof und nochmals doof

Diese drei exemplarischen Beispiele stehen nun auch für viele andere Netzwerke. Auf eine gewisse Art sind sie alle doof, weil sie Dinge tun, die den Mitgliedern nicht gefallen oder der eigentlichen Idee widersprechen. Selbst Google+ kann sich hier nicht davon schleichen. Der Klarnamenzwang steht nach wie vor im Raum. Diesen kann man nicht gutheißen. In Sachen Features ist Google sicherlich nicht schlecht, geht es um Datenschutz, dann wird es aber fragwürdig.

Google+ Profil von Larry Page
Google+ Profil von Larry Page

Der soziale Gedanke von diesen Netzwerken verkommt leider mehr und mehr dazu, ausgenutzt zu werden. Soziales Verhalten und Kommerzialisierung gehören eben genauso wenig zusammen wie Marmelade auf die Pizza. In diesem Sinne: Soziale Netzwerke sind doof.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

1 Kommentar

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  1. Kommentar von Christian · · #

    Selbstverständlich ist die Politik gegenüber den eigenen Nutzern in den verschiedenen Social Networks doof. Aber es sind ja Unternehmen mit meist uneinsichtigen Unternehmenern dahinter welches sich in den Aspekten der Netzentwicklung nicht einmal ansatzweise Gedanken machen.

    Viel schlimmer finde ich die aktuelle Fragmentierung welche derzeit stattfindet. Zwar soll dass Netz unabhängig sein, aber durch die enorme Masse an Social Networks kommt der Nutzer gar nicht mehr mit. Ob Pinterest, Twitter, Diaspora, Facebook oder sonstwas, es ist einfach zuviel für den normalen Konsumenten weil egal wie groß ein Social Network ist auch eine eigene Zeit braucht um bspw. das Profil und die Kontakte zu pflegen. Deswegen ist der Konsum des Internets derzeit vom täglichen Aufwand her ja mit dem Fernsehen vergleichbar. Ich bin gespannt wo das noch hinführt.