Soziale Netzwerke und der Datenschutz

Vor wenigen Wochen las ich auf Golem.de den Artikel “Datenschutz und soziale Netzwerke passen nicht zusammen” von Caspar Clemens Mierau. Bezug nehmend auf diesen Artikel ist mir etwas bewusst geworden. Zum einen proklamiert Golem die Headline zu absolut auf das Konzept eines jeden sozialen Netzwerks und zum andern ist der Ansatz von Herrn Mierau recht interessant. Allerdings nur in der Umlage auf Diaspora.

Datenschutz in sozialen Netzwerken, was ist das überhaupt?

Zunächst muss man sich fragen, was Datenschutz im Zusammenhang mit einem sozialen Netzwerk erst einmal bedeutet. Datenschutz hier und Datenschutz dort, jeder hat diesen Begriff bereits gehört. Sei es im Unternehmen oder im Internet. Es gilt, die eigenen Daten zu schützen. Ja, jedenfalls aus Unternehmenssicht. Im World Wide Web und insbesondere in sozialen Netzwerken wird dies in der Form nicht klappen. Denn Plattformen wie Google+ und Facebook leben von personenbezogenen Daten. Sonst funktioniert die ganze Idee nicht.

Google+ - Neue Profilseiten von David Maciejewski
Google+ – Profilseite von David Maciejewski

Stop! Welche Idee meine ich? Nicht die Werbetreibende, sondern der Kerngedanke des sozialen Netzwerkes selbst. Die Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen über das Internet. Das kann aber nur funktionieren, wenn jeder Teilnehmer Daten über sich offenbart. Jedoch auf freiwilliger Basis und unter dem Aspekt, nur das preiszugeben, was er für richtig hält. Der Datenschutz-Begriff im WWW bezieht sich hier nicht direkt auf die persönlichen Daten, sondern viel mehr auf die Nutzung durch Unternehmen wie Google und Facebook.

Soziale Netzwerke erkranken immer mehr

Das Problem ist die personalisierte Werbung und das Ausspionieren durch die Anbieter. Das führt dazu, dass die übermittelten Daten der Nutzer in Gefahr geraten und dadurch der Datenschutz verletzt wird. Ebenso bei Facebook aktuell sehr gut zu beobachten, die Enteignung der eigenen Benutzer. Auch dies führt zu Datenschutzverletzungen. Damit sind wir an dem Punkt angelangt, der verständlich machen sollte, wieso Datenschutz und soziale Netzwerke so nicht zusammengehen können.

Facebook Android
Facebook Android (Quelle: Johan Larsson, Liz. CC BY 2.0)

Generell muss man aber festhalten, das soziale Netzwerke und der grundlegende Datenschutzgedanke eben doch zusammenpassen. Denn die Nutzer geben nur das von sich Preis, was sie wollen und nicht wozu sie ermutigt oder gezwungen werden. Facebook und Google+ zwingen ihre User ihren richtigen Namen anzugeben. Die Frage ist nur wozu. Denn selbst mit einem Pseudonym lässt sich ein soziales Netzwerk verwenden, siehe beispielsweise Twitter. Privatsphäre Einstellungen um einige Daten nur bestimmten Gruppen anzuzeigen existieren selbst in Facebook und Google.

Gib uns mehr Daten über dich und wir bieten dir mehr Sicherheit

Die großen Netzwerke möchten von der Nutzerschaft immer mehr Daten haben und folglich erfolgen oft Aufforderungen unter dem Aspekt die Sicherheit des eigenen Accounts zu erhöhen. Wie die Angabe der Handynummer, damit bei einem Accountdiebstahl dieser leicht wieder verifiziert werden kann. Oder "Freunde helfen Freunden", sprich bei Facebook ist es möglich sich drei Freunde auszusuchen, die einem im Ernstfall helfen, an den eigenen Account wieder heranzukommen.

Google Aufforderung zur Handynummereingabe
Google Aufforderung zur Handynummereingabe

Sind wir aber mal ehrlich, ist der Account erst mal kompromittiert hilft einem weder die Handynummer, noch die Freunde. Dann hat man einfach auf ganzer Linie Pech gehabt. Diese fadenscheinigen Aussagen sehen eher nach Datenerhebung zur Verbesserung der Werbefähigkeit aus. Kommt man dem aber nicht nach, wird man folglich immer und immer wieder genervt, man solle doch endlich …

Soziale Netzwerke passen mit personalisierter Werbung einfach nicht zusammen

Kurz zusammenfassend erkrankt das soziale Netzwerk an der Ausnutzung der Nutzer für personalisierte Werbung und durch Spionage. So werden daraus soziale Werbenetzwerke. Das führt dazu, das die soziale Komponente immer mehr an den Rand gedrängt wird und folglich zu Datenschutzverletzungen führt. Also passen soziale Netzwerke und personalisierte Werbung nicht miteinander zusammen und weniger der Datenschutz. Um diese Misere noch retten zu können, müssten Facebook und Konsorten wieder sozialer werden.

Die Nutzer brauchen klare Datenschutzrichtlinien und die wirklichen Versprechen, dass mit ihren Daten in keiner Art und Weise gearbeitet oder geworben wird. Viele erinnern sich sicherlich noch an die netten Werbeanrufe zur Primetime, wer reagiert da nicht mal stinksauer? In aktuellen sozialen Netzwerken sind solche Anrufe, in Form von personalisierter Werbung, nichts anderes! Eher schlimmer, da man vorher bereits die Interessenschwerpunkte kennt.


Avatar von reraiseace
Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

0 Kommentare

Du kannst diesen Artikel nicht mehr kommentieren.