Mit Oneye zum eigenen Cloud-Desktop

Wer erinnert sich noch an EyeOS Wer damit nichts anfangen kann: Das war der Ansatz einen Desktop wie auf dem heimischen Betriebssystem zu schaffen, aber im Web. Eben ein Cloud-Desktop, wie er in naher Zukunft Realität sein könnte. Tja, das EyeOS-Team hat sich letztes Jahr gespalten, weshalb es auch um die Webanwendung sehr still wurde. Oneye ist nun ein Fork von EyeOS 1.9 und bietet ein interessantes Konzept für einen Cloud-Desktop an.

Simple Installation und kein MySQL

Im Gegensatz zu der nur noch kommerziell vertretenen EyeOS Version lässt sich Oneye sehr einfach installieren. Man muss nur das ca. 5 MB große Installationspaket hochladen und die CHMOD-Rechte auf 0777 setzten. Danach kann man den Web Desktop einfach installieren und gibt lediglich das Passwort für den Root Nutzer an. Nach nicht einmal 2 Minuten kann man sich dann mit dem Benutzer “root” und seinem Passwort einloggen. Es ist anzuraten die Dateirechte anschließend auf 0755 für Ordner und 0644 für Dateien zurückzusetzen und in Oneye einen neuen Benutzer, ohne Administrationsrechte anzulegen.

Oneye Einstellungen
Oneye Einstellungen

Interessant ist auch, das Oneye komplett ohne MySQL auskommt und ausschließlich auf XML setzt. Das hat beispielsweise den Vorteil, das ein Umzug des kompletten Verzeichnisses sehr leicht geregelt werden kann. Bietet aber vielleicht auch den Nachteil in Sachen Datensicherheit und wenn man einen Wert verändern will. Die Strukturierung der Verzeichnisse ist nach anfänglicher Einarbeitung ganz gut überschaubar. Zwecks der Datensicherheit sollte man die Domainauflösung nur auf den Browser-Ordner setzten. Somit liegen alle anderen Dateien außerhalb der Webebene.

Oneye ist wie ein Betriebssystem

Eigentlich kann man Oneye auch schon fast als eine Art Cloud OS betrachten. Es schaut wie ein Betriebssystem aus und verhält sich auch dementsprechend. So finden sich Anwendungen wie Textverarbeitung, Browser (im Browser), RSS-Feed Reader, E-Mail Programm, Kalender und noch ganz viele weitere Anwendungen darin wieder. Damit erhält man ein erstes Starter-Kit, welches man noch mit zahlreichen Apps aufstocken kann. Man muss aber dazu sagen, dass so manches Programm eher aus der “Steinzeit” stammt, wie beispielsweise die E-Mail Anwendung. Verglichen mit anderen Online-Systemen bietet diese nur rudimentäre Funktionen an.

Oneye mit mehreren Fenstern
Oneye mit mehreren Fenstern

Die Textverarbeitung lässt sich wie bei FengOffice via HTML erledigen. Nicht immer sonderlich schön. Denn professionelle Briefe lassen sich damit nicht tippen. Mit .doc und .odt kann Oneye auch, vorausgesetzt die benötigten Erweiterungen sind auf dem Server verfügbar. Das ist auf einem Webspace nicht einfach mal so möglich. Daher muss leider darauf verzichtet werden. Hier und da gibt es auch noch viele Bugs, da sich das Projekt aber noch voll in der Umstrukturierung und Neuentwicklung befindet, muss man an dieser Stelle Nachsicht üben.

Spannendes Konzept für die Zukunft

Mit EyeOS 2.x ist das Cloud-Desktop-Konzept ins Stocken geraten und lebt mit Oneye wieder auf. Der Entwickler hat Großes angekündigt und ich bin gespannt, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln wird. Trotz so manchem Fehler und Abhängigkeit zum alten EyeOS ist das Konzept nach wie vor sehr interessant. Vielleicht wird das Ganze irgendwann einmal eine Alternative zu Google, Zoho und Co. Das wäre natürlich ein Traum, denn man kann auf den Datenschutz achten und vermehrt online arbeiten.

Oneye App-Übersicht
Oneye App-Übersicht

Wer nun Lust auf den Cloud Desktop bekommen hat, kann sich mit den Live Demos vergnügen oder sich ein eigenes System entweder lokal oder im Web aufsetzen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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