Die Piratenpartei und Hacktivistenkinder

Mittlerweile erreicht die Lächerlichkeit im World Wide Web eine neue Stufe, die nicht einmal die Politik von Schwarz-Gelb übertreffen könnte. Dagegen wirkt selbst der CDU Vorfall von Ratingen eher lachhaft. Die Piratenpartei und auch Hacktivisten wie Anonymous und Co. sind in jüngster Zeit mehr und mehr medienpräsent. Dabei sind deren Eskapaden schon ansatzweise belustigend und traurig zugleich.

Die Piratenpartei hat Ideen, aber handeln müssen andere

Die erfolgreichste Partei zurzeit, wenn man Medienberichten Glauben schenkt. Aber das hat auch seine Schattenseiten. Denn die Piratenpartei hat sehr viele Ideen und weiß, was das deutsche Volk braucht. Richtig, die meisten Seebären stammen schließlich aus der Masse der Bevölkerung und noch dazu sind sie jung, doppelt richtig. Nur hinkt das Ganze, denn die Piratenpartei weiß nicht, wie man die vielen schönen Ideen, wie gratis W-LAN für alle, realisieren soll.

Tagcloud des Wahprogramms 2009
Wa(h)lprogramm der Piratenpartei 2009
(Quelle: piratenpartei, Liz. CC BY 2.0)

Da haben sie aber eine Antwort parat: Handeln müssen erst mal andere. Coole Sache das. Das kann im Prinzip jeder. Probiert es mal aus und stellt euch auf den Marktplatz und ruft laut in die Menge: “Ich habe eine Idee, wie wäre es mit gratis Essen für alle?” Plötzlich hat man wie Jesus einen ganzen Haufen Menschen um sich rum und dann muss man sich nur noch eingestehen und sagen: “Wendet euch damit an die Bundesregierung.” Zack, auf einen Schlag erntet man böse Gesichter oder auch blöde, weil manch einer die Situation nach 5 Minuten immer noch nicht gecheckt hat.

Piraten sterben nicht, sie benehmen sich daneben

Die Modeerscheinung “Piratenpartei” bekommt immer mehr Zulauf. Nun stelle man sich mal vor, sie würden so stark werden, dass sie wirkliche Mitspracherechte im Bundestag hätten. Dann würden viele vermutlich aufwachen und merken, dass weniger heiße Luft aus einem Föhn kommt, als aus einem Pirat allein. Mhm, vergiss den Haartrockner und kauf dir nen Piraten.

Momentan kränkelt die Piratenpartei etwas, denn es keimen immer mehr interne Vorwürfe auf, dass vorwiegend ältere Parteimitglieder rassistisch veranlagt sein sollen. Ich erinnere mich da gut an letztes Jahr, wo zwei hochrangige Kapitäne über die Planke gehen mussten, weil sie vorher bei der NPD angeheuert hatten. Das tut der moderne Pirat eben nicht. Tja, nun sind die beiden erst mal weg von Deck.

Die Vorwürfe reißen aber trotzdem nicht ab. Dazu gesellt sich seit Neuestem noch die Diskriminierung von weiblichen Piratinnen. Klar, ich meine, Schwarzbart hätte sich im Grabe umgedreht, wenn er eine weibliche Besatzung gehabt hätte. Gut, gut, der moderne Pirat wieder. Oder ist er doch rückständiger, als alle glauben? Was die angestrebten Themen betrifft, ist man der Zeit meilenweit voraus, auch wenn es an Substanz mangelt, siehe beispielsweise die Urheberrechtsdebatte. Wie schaut es denn sonst mit Toleranz und Gerechtigkeit aus?

Verzerrung des Gerechtigkeitsbildes

Am Fall kino.to sieht man recht gut, wie stark hier der Begriff “Gerechtigkeit” verzerrt wird. Viele haben sich darüber beschwert, als die Seite im vergangenen Jahr hochgenommen wurde. Teilweise auch mit strafbaren Handlungen, wie DDoS-Angriffen. Das idiotische an der ganzen Geschichte ist, das die Justiz aus vollem Recht korrekt handelte und das auch immer noch tut. Jedoch fühlt sich manch einer bestraft, weil er seine Lieblings-Movies nicht mehr kostenlos im Internet schauen kann.

Justicia Statue
Justicia Statue (Quelle: Vvillamon, Liz. CC BY-SA 2.0)

Dabei gibt es immer noch genügend solcher Angebote. Es werden bewusst die “Verbrecher” in Schutz genommen und man wird aggressiv, wenn einer jener “ehrbaren Robin Hoods” zu einer Strafe verurteilt wird. Dann spielt man eine Runde “DDoS die böse Justiz” und glaubt damit irgendwas erreichen zu können. Aber keiner von den schlauen Spielkindern, was anderes sind sie für mich meist nicht, kommt auf den Trichter, dass dies nur eins zur Folge hat: Mehr Überwachung durch den Staat und Verschärfung der Gesetze. Toll wie mancher so mitdenkt.

Also vorher nachdenken und am besten gar nicht erst zu LOIC oder Refref greifen. Illegal und strafbar ist beides. Die Protestaktionen, wenn man sie so nennen kann, sind zum einen sinnlos, da sie nichts bringen und die nächste Frage, und das dürfte wohl die beste sein:

Wogegen protestiert der Hacktivist denn?

Tja, da scheiden sich manchmal die Geister. Sie protestieren gegen alles und jeden. Gegen die Einschränkung ihrer Privatsphäre, gegen die Content-Mafia, die Regierung, gegen jeden eben. Wozu? Reiner Selbsterhaltungstrieb, Langeweile oder einfach strikte Überzeugtheit ihres Wissens. Ich möchte solche Menschen hier keinesfalls als dumm hinstellen, das sind sie meist nicht. Nur die typischen Mitläufer fallen in diese Kategorie. Nein viel mehr sind es Menschen, die wie im Bundestag eine Art Opposition bilden.

Anonymous Leitspruch
Anon Leitspruch (Quelle: raincoaster, Liz. CC BY-SA 2.0)

Grundargument: Wir sind erst mal gegen alles. Jedoch dürfen Hackerangriffe oder Serverüberlastende-Attacken nicht die Argumente und Waffen sein. Viel besser wäre es doch, wenn man wieder zum konstruktiven Diskutieren übergehen würde. Durch ungerechte Maßnahmen kann man niemals Gerechtigkeit schaffen, nur die Illusion dessen, was man dann glaubt zu sehen. Man nennt ein solches Vorgehen auch Selbstjustiz und so was ist in Deutschland immer noch eine strafbare Handlung.

Was haben Piraten und Hacktivisten gemeinsam?

Ich erlaube mir an dieser Stelle nicht den Fauxpas von netzwelt.de und setze die Piratenpartei mit Hacktivisten oder gar richtigen Hackern gleich. Nein, eigentlich ist es schon so, dass viele Hacktivisten eben Mitglied bei den Piraten sind, was jedoch nicht auf dasselbe hinausläuft. Vorwiegend sind die angestrebten Ziele, wenn man sie denn so nennen kann, die gleichen. Das ist schon mal ein schöner Gedanke. Doch die Wege wie die Verbesserung unserer medialen Welt aussehen könnte, sind gänzlich unterschiedlich.

Die einen stehen mit ihrem Namen in der Öffentlichkeit und müssen viel reden und damit überzeugen und die anderen wollen anonym bleiben und Webseiten bombardieren. Die Fäden laufen an einem Punkt aber zusammen und dadurch entsteht der Eindruck der Hackerpartei.

Piratenpartei Meckpommh
Piraten aus Meckpomm (Quelle: notizn, Liz. CC BY-SA 2.0)

Beide sind in meinen Augen mehr eine mediale Trend-Erscheinung. Sie haben keine konstruktiven und durchdachten Vorschläge, sondern fordern nur. Da kann man schwerlich etwas mit anfangen. Als in Fukushima das Atomunglück war, legten die Grünen auch ordentlich zu bei den Wahlen. Nun wird das aber wieder anders sein.

Bei den Piraten wird etwas ähnlich eintreten. Spätestens, wenn sie ihre “Versprechen” einlösen müssen, wird der Luftballon platzen und ein Schwall heißer Luft wird über Deutschland hinweg wehen. Somit kann man die Piratenpartei und Hacktivisten eigentlich nicht ernst nehmen, berücksichtigen muss man sie jedoch schon.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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